Sobald auf deiner Baustelle Bohrhammer, Kreissäge, Bautrockner oder Betonmischer laufen sollen, brauchst du Strom – und zwar mehr, als eine normale Steckdose im Rohbau hergibt. Genau dafür gibt es den Baustromverteiler. Wer einen Baustromverteiler mieten möchte, sollte aber vorher wissen, welche Ausführung er braucht, was die Miete ungefähr kostet und welche Sicherheitsregeln gelten. In diesem Ratgeber bekommst du alles, was du für die Entscheidung brauchst: Aufbau, Größen, Mietpreise, Anschluss und die typischen Fehler.
Was ist ein Baustromverteiler?
Ein Baustromverteiler (auch Baustromverteilerschrank oder Anschlussschrank genannt) ist ein robuster, spritzwassergeschützter Schrank aus Kunststoff oder Stahlblech. Er nimmt den Strom vom Baustromanschluss auf und verteilt ihn auf mehrere abgesicherte Steckdosen. Im Inneren sitzen Leitungsschutzschalter und mindestens ein Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD), der dich bei einem Defekt am Gerät schützt. Eine ausführliche Einordnung des Themas findest du auch in unserem Beitrag zum Baustrom und Baustromverteiler.
Typisch sind drei Steckdosentypen: die normale 230-Volt-Schutzkontaktsteckdose für Handwerkzeuge und Baustrahler, die rote 16-Ampere-CEE-Steckdose (Drehstrom, 400 Volt, fünfpolig) für Kreissägen, Bauaufzüge oder Bautrockner sowie bei größeren Verteilern eine 32-Ampere-CEE-Steckdose für Betonmischer, Kompressoren und größere Maschinen.
Wann lohnt sich Mieten statt Kaufen?
Ein neuer Baustromverteiler kostet je nach Ausstattung grob zwischen 150 und 600 Euro. Für ein einzelnes Bauvorhaben, das einige Wochen oder Monate dauert, ist Mieten fast immer wirtschaftlicher. Der Vermieter kümmert sich außerdem um die vorgeschriebenen Prüfungen. Kaufen lohnt sich eher für Handwerksbetriebe, die den Verteiler dauerhaft auf wechselnden Baustellen einsetzen.
Als Bauherr, der in Eigenleistung baut oder einen Anbau, eine Sanierung oder ein Gartenhaus plant, fährst du mit der Miete gut. Rechne mit einer Mietdauer von mindestens einer Woche, bei Neubauten meist mit mehreren Monaten.
Welche Größe brauchst du? Die Ausführungen im Überblick
| Ausführung | Steckdosen (typisch) | Geeignet für | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kleinverteiler | 2–4 × 230 V, evtl. 1 × CEE 16 A | Eigenleistung, Renovierung, Gartenhaus | Reicht für Handwerkzeuge, Baustrahler, Staubsauger |
| Standardverteiler | 4–6 × 230 V, 1–2 × CEE 16 A | Rohbau, Innenausbau, kleinere Gewerke | Häufigste Wahl für Einfamilienhäuser |
| Großverteiler | 6 × 230 V, 2 × CEE 16 A, 1 × CEE 32 A | Neubau mit mehreren Gewerken gleichzeitig | Für Mischer, Bautrockner, Kompressor |
| Mit Zähler | wie oben plus Zähler | Abrechnung mehrerer Gewerke | Zähler muss geeicht sein |
Als Faustregel gilt: Addiere die Leistung aller Geräte, die gleichzeitig laufen sollen. Ein Bohrhammer zieht etwa 1,0 bis 1,5 kW, eine Tischkreissäge 2 bis 3 kW, ein Bautrockner 1 bis 2 kW und ein Betonmischer rund 1 kW. Der Baustromanschluss selbst begrenzt am Ende, wie viel du entnehmen kannst – oft 16 oder 32 Ampere pro Phase.
Was kostet es, einen Baustromverteiler zu mieten?
Die Preise unterscheiden sich je nach Region, Vermieter und Ausstattung. Die folgenden Werte sind Größenordnungen aus üblichen Mietangeboten von Baumärkten und Baugeräteverleihern; verbindlich sind nur die aktuellen Preislisten des jeweiligen Anbieters.
| Position | Ungefähre Kosten | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kleinverteiler pro Tag | ca. 8–15 € | Tagesmiete, oft Mindestmietdauer |
| Standardverteiler pro Tag | ca. 12–25 € | Mit CEE-Steckdosen |
| Wochenmiete | ca. 40–100 € | Meist günstiger als 5 Tagesmieten |
| Monatsmiete | ca. 100–250 € | Bei längerer Bauphase verhandelbar |
| Kaution | ca. 50–300 € | Wird bei unbeschädigter Rückgabe erstattet |
| Baustromanschluss (Netzbetreiber) | ca. 150–600 € einmalig | Plus Verbrauch; regional sehr unterschiedlich |
| Strom pro kWh | ca. 0,35–0,60 € | Baustromtarife liegen oft über dem Hausstrompreis |
Wichtig: Die Miete des Verteilers ist nur ein Teil der Kosten. Hinzu kommen der Baustromanschluss beim örtlichen Netzbetreiber und der verbrauchte Strom. Frag bei deinem Netzbetreiber früh nach – die Bearbeitung kann je nach Region einige Wochen dauern.
Wo bekommst du einen Baustromverteiler zur Miete?
Die gängigen Anlaufstellen sind Baumärkte mit Geräteverleih, spezialisierte Baugeräteverleiher und Anbieter von Baustelleneinrichtung. Auch der örtliche Elektrofachbetrieb vermietet manchmal Verteiler, oft inklusive Anschluss und Abnahme. Online-Vermieter liefern zum Teil direkt auf die Baustelle. Vergleiche nicht nur den Tagespreis, sondern achte auf Prüfplakette, Zustand der Leitungen, Ausstattung (CEE 16 A und 32 A) und die Kautionsregeln.
Anschluss und Sicherheit: Das musst du beachten
Hier trennt sich Wissen von Halbwissen, denn Strom auf der Baustelle ist gefährlicher als im fertigen Haus: Feuchtigkeit, Staub, Kabel am Boden und Werkzeug mit hohem Verschleiß erhöhen das Risiko.
Der Anschluss gehört in Fachhände
Den Baustromverteiler an das Netz oder die Hausverteilung anzuschließen, darf nur eine Elektrofachkraft. Die Verbindung zum Netzbetreiber (Baustromanschluss mit Zähler) beantragt der Elektrofachbetrieb oder du selbst als Bauherr. Anschließen darfst du als Laie lediglich deine Geräte an die Steckdosen des fertig installierten Verteilers.
FI-Schutzschalter ist Pflicht
Auf Baustellen gelten besonders strenge Vorgaben (unter anderem DIN VDE 0100-704). Alle Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere müssen über einen Fehlerstrom-Schutzschalter mit höchstens 30 mA Bemessungsdifferenzstrom abgesichert sein. Wie ein solcher Schutzschalter funktioniert und wie du ihn testest, erklärt unser Beitrag zum FI-Schutzschalter. Drücke die Prüftaste regelmäßig – nach Herstellerangaben und bei jeder Wiederaufnahme der Arbeit.
Regelmäßige Prüfung nach DGUV Vorschrift 3
Elektrische Betriebsmittel müssen regelmäßig von einer Elektrofachkraft geprüft werden. Seriöse Vermieter weisen die letzte Prüfung per Plakette nach. Mietest du einen Verteiler ohne erkennbare Prüfung, lass ihn nicht anschließen.
Kabelführung und Schutz vor Nässe
Verlängerungskabel müssen für den Außeneinsatz geeignet sein (Gummischlauchleitung H07RN-F), dürfen nicht aufgerollt unter Last laufen und gehören nicht durch Pfützen. Stelle den Verteiler erhöht und standsicher auf, schließe die Tür und lege die Zuleitung so, dass niemand darüber stolpert.
Mietvertrag: Darauf solltest du achten
Klär vor Unterschrift, wer für Transport und Aufbau zuständig ist, ob Prüfnachweise vorliegen und wie bei Schäden gehaftet wird. Dokumentiere den Zustand bei Übergabe mit Fotos. Verlängerungen sollten schriftlich bestätigt sein, damit du nicht plötzlich Tagessätze statt Wochenpreisen zahlst.
Verbreitete Fehlannahme: „Ein Verlängerungskabel reicht auch“
Viele Bauherren verlegen einfach ein Kabel von der Hausinstallation nach draußen und schließen eine Mehrfachsteckdose an. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern oft unzulässig: Eine normale Hausinstallation ist für Baustellenbedingungen nicht ausgelegt, der FI-Schutz fehlt häufig an den betroffenen Kreisen, und große Verbraucher wie Bautrockner überlasten die Leitung. Für kurze Arbeiten mit einem einzelnen Gerät gibt es mobile FI-Stecker (PRCD), doch bei einer echten Baustelle ist der Verteiler die richtige Lösung.
Was passiert nach der Bauphase?
Wenn der Rohbau steht, wird die dauerhafte Elektroinstallation geplant. Dann geht es um Steckdosenanzahl, Stromkreise und Schalterkonzepte. Einen guten Einstieg bietet unser Ratgeber zur Elektroinstallation im Haus. Besonders praktisch im Flur und auf der Treppe ist das Schalten einer Lampe von mehreren Stellen: Wie das funktioniert, erfährst du in unseren Anleitungen zur Wechselschaltung mit 2 Schaltern und zur Wechselschaltung mit 3 Schaltern. Plane diese Stellen schon vor dem Putz, solange die Wände offen sind.
Checkliste: Baustromverteiler mieten in 6 Schritten
- Leistungsbedarf aller gleichzeitig laufenden Geräte ermitteln.
- Baustromanschluss beim Netzbetreiber anfragen und Termin sichern.
- Verteiler mit passender Steckdosenausstattung und gültiger Prüfung mieten.
- Anschluss durch eine Elektrofachkraft ausführen lassen.
- Kabel, Verlängerungen und Werkzeuge auf Eignung für den Außeneinsatz prüfen.
- FI-Prüftaste regelmäßig betätigen, Verteiler nach Bauende zurückgeben und Anschluss abmelden.
Typische Geräte und ihr Strombedarf auf der Baustelle
| Gerät | Leistung (ca.) | Anschluss |
|---|---|---|
| Bohrhammer | 1.000–1.500 W | 230 V |
| Handkreissäge | 1.200–2.000 W | 230 V |
| Tischkreissäge | 2.000–3.000 W | 230 V oder CEE 16 A |
| Betonmischer | 700–1.500 W | 230 V oder CEE 16 A |
| Bautrockner | 1.000–2.000 W | 230 V |
| Baustrahler LED | 50–200 W | 230 V |
| Baukran / Bauaufzug | ab 3.000 W | CEE 16/32 A |
Die Werte sind Richtgrößen; auf dem Typenschild deiner Geräte steht die genaue Leistung. Lass dir von der Elektrofachkraft bestätigen, ob dein Anschluss die Summe trägt. Laufen mehrere große Verbraucher gleichzeitig, löst sonst der Hauptschalter aus und die Arbeit steht still.
Mieten, kaufen oder Akkuwerkzeug nutzen?
Wer nur einen Gartenhaus-Unterbau oder ein Wochenende lang Wände streicht, braucht keinen Verteiler – hier genügt oft eine Außensteckdose mit FI-Schutz. Wer dagegen mehrere Gewerke koordiniert oder monatelang baut, spart mit der Miete Zeit und Ärger. Akkuwerkzeuge reduzieren den Strombedarf deutlich, ersetzen aber keinen Bautrockner oder Betonmischer. Ein Kauf lohnt sich nur, wenn du den Verteiler über Jahre wiederverwendest, etwa bei mehreren Bauprojekten, und die Prüfkosten nicht scheust.
Ein ehrlicher Hinweis zum Schluss: Gerade bei der Elektrik sparen Bauherren gern am falschen Ende. Ein geprüfter, sauber angeschlossener Verteiler kostet im Verhältnis zum Gesamtbudget wenig und schützt vor Unfällen, Brandschäden und Versicherungsproblemen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was kostet es, einen Baustromverteiler zu mieten?
Für einen Standardverteiler musst du grob mit 12 bis 25 Euro pro Tag oder 40 bis 100 Euro pro Woche rechnen, dazu kommt eine Kaution. Hinzu kommen Baustromanschluss und Stromverbrauch. Konkrete Preise erfährst du beim Verleiher.
Brauche ich einen Elektriker für den Baustromverteiler?
Ja, der Anschluss an das Netz bzw. die Hausverteilung ist Sache einer Elektrofachkraft. Deine Geräte darfst du anschließend selbst an die Steckdosen des Verteilers anstecken.
Wo beantrage ich Baustrom?
Beim zuständigen Netzbetreiber, meist über ein Online-Formular. Oft stellt dein Elektrofachbetrieb den Antrag. Plane einige Wochen Vorlauf ein.
Wie viele Ampere hat ein Baustromverteiler?
Üblich sind 16 oder 32 Ampere je Phase am Eingang, mit CEE-Steckdosen für 16 A und 32 A am Ausgang. Die tatsächliche Leistung hängt vom Anschluss ab.
Darf ich einen Baustromverteiler privat nutzen?
Ja, Privatpersonen können Verteiler mieten. Die Sicherheitsvorgaben gelten trotzdem, deshalb sind Prüfung und fachgerechter Anschluss wichtig.
Wie lange darf ich den Verteiler mieten?
Das regelt der Mietvertrag. Üblich sind Tages-, Wochen- und Monatsmieten; bei Neubauten sind Monate möglich. Verlängerungen am besten schriftlich bestätigen lassen.
Was kostet der Strom auf der Baustelle?
Baustrom wird meist teurer abgerechnet als Haushaltsstrom, oft im Bereich von ca. 0,35 bis 0,60 Euro pro kWh, plus einmalige Anschlusskosten.