Die Elektroinstallation ist das Gewerk, das du nach dem Einzug am häufigsten benutzt und am wenigsten verändern kannst. Jede Steckdose sitzt vierzig Jahre dort, wo du sie einmal geplant hast. Wer hier an der falschen Stelle spart, ärgert sich täglich – und zwar über Beträge, die im Rohbau lächerlich klein gewesen wären.
Dieser Beitrag zeigt dir, was eine Elektroinstallation kostet, wie viele Auslässe du wirklich brauchst, wie die Planung abläuft und was du legal selbst machen darfst.
Was eine Elektroinstallation kostet
Die Preise gelten für ein Einfamilienhaus mit etwa 140 Quadratmetern Wohnfläche im Neubau, inklusive Material und Montage, ohne Leuchten und Geräte.
| Ausstattung | Kosten (ca.) | Preis je m² |
|---|---|---|
| Mindestausstattung nach DIN 18015-2 | 11.000 - 15.000 € | 80 - 105 € |
| Standardausstattung (empfohlen) | 16.000 - 24.000 € | 115 - 170 € |
| Komfortausstattung mit Bus-System | 28.000 - 45.000 € | 200 - 320 € |
| Zählerschrank und Hauptverteilung | 1.800 - 4.000 € | - |
| Netzwerkverkabelung Cat 7, je Dose | 90 - 160 € | - |
| Zusätzliche Steckdose im Rohbau | 45 - 80 € | - |
| Zusätzliche Steckdose nach dem Verputzen | 180 - 350 € | - |
| Wallbox inkl. Zuleitung und Absicherung | 1.200 - 2.800 € | - |
| Überspannungsschutz Typ 1 + 2 | 600 - 1.400 € | - |
Als Faustwert: Rechne mit rund drei bis fünf Prozent der reinen Gebäudekosten für eine solide Elektroinstallation. Bei den Hausbau Kosten ist das ein überschaubarer Anteil mit sehr großer Wirkung auf den Alltagskomfort.
Der teure Irrtum: "Nach DIN" heißt nicht "ausreichend"
In fast jeder Baubeschreibung steht der Satz "Elektroinstallation nach DIN 18015". Das klingt nach einer geprüften, vernünftigen Ausstattung. Tatsächlich beschreibt die Norm in ihrer einfachsten Ausstattungsstufe ein absolutes Minimum, das aus einer Zeit stammt, in der ein Wohnzimmer einen Fernseher und eine Stehlampe hatte.
Konkret bedeutet Mindestausstattung zum Beispiel: drei Steckdosen im Schlafzimmer, vier im Wohnzimmer, eine im Flur. Wer heute Router, Fernseher, Soundbar, Spielkonsole, zwei Ladegeräte, Stehlampe und Staubsaugerroboter unterbringen will, arbeitet ab Tag eins mit Mehrfachsteckdosen.
Die Norm kennt deshalb drei Ausstattungswerte. Bestehe darauf, dass im Vertrag der mittlere oder gehobene Wert steht – oder noch besser: eine Stückliste je Raum. Was in der Leistungsbeschreibung nicht gezählt ist, wird nicht geliefert. Dieselbe Logik gilt für alle Gewerke, wie der Beitrag zum Bauvertrag zeigt.
Wie viele Steckdosen pro Raum?
Diese Werte haben sich in der Praxis bewährt und liegen bewusst über der Mindestausstattung. Sie kosten im Rohbau wenige hundert Euro Aufpreis.
| Raum | Steckdosen | Netzwerk | Lichtauslässe |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 12 - 16 | 2 - 3 | 3 - 5 |
| Küche (ohne Geräteanschlüsse) | 10 - 14 | 1 | 3 - 4 |
| Schlafzimmer | 8 - 10 | 1 | 2 - 3 |
| Kinderzimmer | 8 - 12 | 1 - 2 | 2 - 3 |
| Arbeitszimmer | 10 - 14 | 2 | 2 - 3 |
| Badezimmer | 4 - 6 | - | 2 - 4 |
| Flur je Geschoss | 2 - 3 | - | 2 - 4 |
| Technikraum | 6 - 8 | 2 | 1 - 2 |
| Außen je Fassadenseite | 1 - 2 | - | 1 - 2 |
Die Planung: Schritt für Schritt
1. Möblierung zeichnen, bevor du Steckdosen setzt
Der wirksamste Planungsschritt kostet nichts: Zeichne in jeden Grundriss die geplanten Möbel ein. Bett, Sofa, Schrank, Esstisch, Arbeitsplatz. Erst danach entscheidest du, wo Auslässe sinnvoll sind. Eine Steckdose hinter einem Kleiderschrank ist verloren, eine neben dem Bett auf Nachttischhöhe ist täglich im Einsatz.
2. Lichtkonzept vor der Rohinstallation
Wie viele Schaltstellen ein Raum bekommt und ob Licht dimmbar sein soll, entscheidet sich beim Verlegen der Leitungen. Für indirekte Beleuchtung, Spots oder Wandleuchten brauchst du zusätzliche Auslässe an genau definierten Positionen. Nachträglich bedeutet das Schlitzen, Verputzen und Streichen.
3. Begehung mit dem Elektriker
Vor der Rohinstallation gehst du mit deinem Elektriker durch den Rohbau und markierst jede Dose direkt an der Wand. Nimm Kreide und Zollstock mit. Diese zwei Stunden sind der wichtigste Termin des gesamten Gewerks – am fertigen Rohbau erkennst du Dinge, die im Plan unsichtbar bleiben.
4. Schlitzen und Dosen setzen
Der Elektriker fräst Schlitze und setzt Gerätedosen. Wichtig: In tragenden Wänden gelten Grenzen für Schlitztiefe und -länge. Werden sie überschritten, ist das ein statisches Problem, das der Statiker bewerten muss. Horizontale Schlitze sind besonders kritisch.
5. Leitungen ziehen und Verteilung aufbauen
Alle Leitungen laufen zur Unterverteilung. Halte dich an die Installationszonen: Leitungen verlaufen senkrecht über oder unter Schaltern und Dosen sowie in definierten waagerechten Streifen unter der Decke und über dem Boden. Wer sich daran hält, bohrt später nicht in die eigene Leitung.
6. Abnahme und Messprotokoll
Nach der Fertiginstallation misst der Elektriker Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz und die Funktion der Fehlerstromschutzschalter. Lass dir das Messprotokoll aushändigen. Ohne dieses Dokument wird jede spätere Diskussion über Mängel schwierig, und Versicherungen fragen im Schadensfall danach.
Was du selbst machen darfst – und was nicht
Hier gibt es viel Halbwissen. Die Regel ist eindeutig: Arbeiten an der festen elektrischen Anlage dürfen nur von einer im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragenen Fachkraft ausgeführt oder verantwortlich überwacht werden. Das gilt auch für vermeintlich einfache Arbeiten wie das Auswechseln einer Steckdose.
Was du in Eigenleistung übernehmen kannst, wenn dein Elektriker mitspielt und es dokumentiert:
- Schlitze stemmen und Dosenlöcher bohren nach seiner Markierung
- Leerrohre verlegen und Dosen einsetzen
- Leitungen einziehen, ohne sie anzuschließen
- Schlitze wieder verputzen
- Aufräumen und Material transportieren
Der Anschluss, die Verteilung, die Inbetriebnahme und die Messung bleiben beim Fachbetrieb. Realistisch sparst du mit diesen Vorarbeiten 15 bis 25 Prozent der Lohnkosten. Sprich das vorher ab: Viele Betriebe lehnen geteilte Ausführung ab, weil die Gewährleistung unklar wird.
Versicherungsrechtlich ist die Sache noch klarer. Entsteht ein Brand und stellt sich heraus, dass unsachgemäß installiert wurde, kann die Gebäudeversicherung die Leistung kürzen oder verweigern. Der gesparte Betrag steht in keinem Verhältnis zum Risiko.
Smart Home: verkabelt oder funkbasiert?
| Kriterium | Bus-System (KNX) | Funksystem |
|---|---|---|
| Mehrkosten Einfamilienhaus | 10.000 - 25.000 € | 1.500 - 5.000 € |
| Nachrüstbar | Kaum | Jederzeit |
| Zuverlässigkeit | Sehr hoch | Gut, abhängig von Funkqualität |
| Herstellerunabhängig | Ja, offener Standard | Oft an ein Ökosystem gebunden |
| Funktion ohne Internet | Vollständig | Teilweise eingeschränkt |
| Lebensdauer | 20+ Jahre | Abhängig vom Hersteller |
Die ehrliche Einordnung: Ein vollwertiges Bus-System lohnt sich vor allem, wenn du viele Verschattungen, komplexe Lichtszenen oder Einzelraumregelung willst. Für die meisten Haushalte reicht eine solide konventionelle Installation plus Funkkomponenten. Wer sich nicht festlegen will, legt Busleitung als Leerrohr mit und entscheidet später – das kostet im Rohbau wenige hundert Euro. Mehr zu den Möglichkeiten findest du im Beitrag zur modernen Haustechnik.
Zukunftssicher planen: die wichtigsten Reserven
- Leerrohre in jede Etage. Mindestens zwei vom Technikraum in jedes Geschoss. Sie kosten fast nichts und machen jede spätere Nachrüstung möglich.
- Zuleitung zur Garage oder zum Stellplatz. Auch ohne aktuelles Elektroauto: Ein Kabel mit ausreichendem Querschnitt im offenen Graben kostet einen Bruchteil der späteren Nachrüstung. Die Abstimmung gehört zum Hausanschluss.
- Reserveplätze im Verteiler. Mindestens 30 Prozent freie Plätze. Wärmepumpe, Wallbox, Speicher und PV-Wechselrichter brauchen jeweils eigene Absicherungen.
- Netzwerk statt WLAN überall. Kabelgebundene Datendosen in Wohnzimmer, Arbeitszimmer und an den Stellen für Access Points. WLAN ersetzt das nicht, es ergänzt es.
- Leitungen für Außenanlagen. Gartenbeleuchtung, Tor, Pumpe, Gartenhaus. Nach dem Pflastern wird jede dieser Leitungen zum Aufbruch.
- Überspannungsschutz von Anfang an. Bei Neubauten ohnehin vorgeschrieben, bei Photovoltaik unverzichtbar.
Elektroinstallation im Altbau
In Gebäuden aus den Sechzigern und Siebzigern findest du oft noch klassische Nullung ohne separaten Schutzleiter, Stoffkabel oder Aluminiumleitungen. Diese Anlagen sind nicht per se illegal – Bestandsschutz gilt – aber sie erfüllen kein heutiges Schutzniveau und vertragen die Lasten moderner Haushalte nicht.
Bei einer Kernsanierung gehört die Elektrik deshalb komplett erneuert, inklusive Zählerschrank und Potentialausgleich. Rechne mit 100 bis 180 Euro pro Quadratmeter, weil Schlitzen und Verputzen im Bestand aufwendiger ist als im Rohbau. Eine Teilerneuerung nur einzelner Räume ist meist die schlechteste Lösung: Du zahlst zweimal Anfahrt und Baustelleneinrichtung und hast am Ende eine Mischanlage, die niemand mehr sauber prüfen kann.
Wenn ein Dachausbau ansteht, plane die Elektrik des neuen Geschosses gleich mit der Sanierung der bestehenden Verteilung zusammen. Eine eigene Unterverteilung im Dachgeschoss spart lange Leitungswege und macht spätere Erweiterungen einfach.
Häufige Fragen zur Elektroinstallation
Was kostet die Elektroinstallation für ein Einfamilienhaus?
Für eine sinnvolle Standardausstattung zahlst du im Neubau 16.000 bis 24.000 Euro bei rund 140 Quadratmetern, also etwa 115 bis 170 Euro pro Quadratmeter. Die reine Mindestausstattung nach Norm liegt bei 11.000 bis 15.000 Euro, reicht im Alltag aber selten aus.
Was kostet eine zusätzliche Steckdose?
Im Rohbau vor dem Verputzen 45 bis 80 Euro. Nach dem Verputzen 180 bis 350 Euro, weil geschlitzt, verputzt und gestrichen werden muss. Das ist der Grund, warum großzügige Planung im Rohbau praktisch immer günstiger ist als Nachrüsten.
Darf ich selbst Steckdosen anschließen?
Nein. Arbeiten an der festen elektrischen Anlage sind Fachbetrieben vorbehalten, die im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sind. Vorbereitende Arbeiten wie Schlitzen, Leerrohre verlegen und Verputzen darfst du nach Absprache übernehmen.
Wann wird die Elektroinstallation im Bauablauf gemacht?
Die Rohinstallation folgt direkt auf den regendichten Rohbau und läuft parallel zu Heizung und Sanitär, bevor verputzt wird. Die Fertiginstallation mit Schaltern, Dosen und Leuchten kommt ganz am Ende, nach Malerarbeiten und Bodenbelägen.
Wie viele Stromkreise braucht ein Einfamilienhaus?
Üblich sind 20 bis 35 Stromkreise. Küche und Hauswirtschaftsraum brauchen mehrere eigene, ebenso jedes Großgerät. Wärmepumpe, Wallbox und Photovoltaik kommen mit eigenen Absicherungen hinzu. Plane den Verteiler eine Nummer größer als nötig.
Lohnt sich KNX im Einfamilienhaus?
Wirtschaftlich rechnet sich ein Bus-System über Energieeinsparung allein nicht – die Mehrkosten von 10.000 bis 25.000 Euro holst du so nicht herein. Es lohnt sich über den Komfort und die Flexibilität, besonders bei vielen Verschattungen und Lichtszenen. Wer unsicher ist, legt Leerrohre und entscheidet später.