Infrarotheizung Test: Worauf es wirklich ankommt

Infrarotheizung im Test: So werden Modelle geprüft, was sie wirklich kosten und wann sich die Technik als Zusatz- oder Hauptheizung lohnt.

Last updated on Okt. 7, 2026

Veröffentlicht am Okt. 7, 2026

Infrarotheizungen werden mit großen Versprechen beworben: schnell warm, wartungsfrei, günstig im Einkauf. Doch was zeigen unabhängige Tests, und wie fällt ein ehrlicher Infrarotheizung Test im Alltag aus? In diesem Beitrag ordnen wir ein, worauf Testberichte achten, welche Modelle sich unterscheiden und wann sich die Technik lohnt. Die Grundlagen zur Technik erklärt unser Ratgeber zur Infrarotheizung. Hier geht es um die Frage, wie du Tests und Produkte richtig bewertest.

Wie werden Infrarotheizungen getestet?

Seriöse Tests prüfen mehrere Kriterien: die tatsächliche Leistungsaufnahme im Verhältnis zur Angabe, die Aufheizzeit, die Oberflächentemperatur, die Gleichmäßigkeit der Wärmeabgabe, die Verarbeitung, die Regelung und die Sicherheit. Gemessen wird in der Regel mit Thermografie, Leistungsmessgerät und Temperaturfühlern in Testräumen. Siegel wie das GS-Zeichen oder ein CE-Kennzeichen sagen etwas über die elektrische Sicherheit, nicht über die Wirtschaftlichkeit aus.

Wichtig ist ein Hinweis zur Einordnung: Eine Infrarotheizung verwandelt Strom zu praktisch 100 Prozent in Wärme. Das gilt für jede Infrarotheizung. Unterschiede zwischen Modellen liegen deshalb vor allem bei Verarbeitung, Oberfläche, Regelung, Optik und der Verteilung der Strahlung, nicht beim Wirkungsgrad. Wenn ein Hersteller mit besonders hohem Wirkungsgrad wirbt, ist das in aller Regel Marketing.

Die wichtigsten Bauarten im Vergleich

BauartTypische LeistungCa. PreisVorteileNachteile
Metallplatte (Stahlblech)300 bis 1.000 W150 bis 450 EuroGünstig, robust, leichtOberfläche wird heiß, Optik schlicht
Glas-/Spiegelheizung350 bis 900 W250 bis 600 EuroOptisch ansprechend, bildschirmähnlichSchwerer, teurer
Keramik400 bis 1.200 W300 bis 700 EuroGleichmäßige Wärme, gute SpeicherungGewicht, längere Aufheizzeit
Bild-/Motivheizung350 bis 800 W350 bis 900 EuroDekorativPreisaufschlag für Motiv
Heizfolie/Deckenheizung50 bis 150 W/m²nach AufwandUnsichtbar, großflächigMontageaufwand, Elektroinstallation

Kosten: Anschaffung und Betrieb realistisch gerechnet

Der Anschaffungspreis einer Infrarotheizung ist niedrig. Der Betrieb ist dagegen teuer, weil Strom pro Kilowattstunde deutlich mehr kostet als Gas, Holz oder Pellets. Bei einem Strompreis von etwa 0,35 Euro je Kilowattstunde kostet eine Kilowattstunde Wärme aus der Infrarotheizung entsprechend 0,35 Euro. Zum Vergleich: Eine Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5 erzeugt aus derselben Kilowattstunde Strom 3,5 Kilowattstunden Wärme. Die Wärme aus der Wärmepumpe ist also rechnerisch rund dreieinhalbmal günstiger. Die Zahlen sind Größenordnungen und hängen vom Tarif ab.

HeizsystemCa. Wärmekosten pro kWhAnschaffung 100 m²-Haus (Größenordnung)
Infrarotheizungca. 0,30 bis 0,40 Euro3.000 bis 8.000 Euro
Gasheizung (Brennwert)ca. 0,10 bis 0,15 Euro8.000 bis 15.000 Euro
Wärmepumpeca. 0,08 bis 0,12 Euro20.000 bis 40.000 Euro vor Förderung
Pelletheizungca. 0,08 bis 0,12 Euro15.000 bis 30.000 Euro vor Förderung

Wie du Heizkosten insgesamt senken kannst, steht im Beitrag zu den Heizkosten sparen. Die Förderlandschaft ändert sich regelmäßig. Prüfe daher aktuelle Konditionen bei BAFA und KfW, denn reine Stromdirektheizungen werden in der Regel nicht gefördert.

Wann lohnt sich eine Infrarotheizung?

Infrarotheizungen sind keine Allzweckwaffe, aber in bestimmten Fällen sinnvoll: als Zusatzheizung in einem selten genutzten Raum, im Gäste- oder Hobbyzimmer, im Badezimmer, im Ferienhaus, im Wintergarten oder im Anbau, wo sich eine Zentralheizung nicht rentiert. In gut gedämmten Neubauten mit sehr niedrigem Wärmebedarf und eigener Photovoltaikanlage kann sie sogar als Hauptheizung funktionieren. Voraussetzung ist ein guter Dämmstandard, denn auch der Strahlungsanteil hilft nicht, wenn die Wärme sofort durch Wände und Fenster verloren geht.

In schlecht gedämmten Altbauten ist sie als Hauptheizung wirtschaftlich kaum zu empfehlen. Hier kommt ein dauerhaft hoher Heizwärmebedarf auf die teure Kilowattstunde Strom. Wer als Ersatz für eine alte Öl- oder Gasheizung sucht, findet im Beitrag zu den Alternativen zur Gasheizung bessere Optionen: Alternative zu Gasheizung.

Kombination mit Photovoltaik

Die Kombination mit einer Solaranlage wird oft als Königsweg beworben. Das stimmt nur eingeschränkt: Die Sonne liefert die meiste Energie im Sommer, geheizt wird aber im Winter, wenn der Solarertrag am niedrigsten ist. Ein Speicher löst das Problem nicht, weil er allenfalls Tagesschwankungen ausgleicht, keine Jahreszeiten. Dennoch kann eine PV-Anlage den Strombezug für die Infrarotheizung in Übergangszeiten senken. Wie sich Größe und Kosten einordnen lassen, siehst du im Beitrag zu den Kosten der Photovoltaikanlage.

Verbreitete Fehlannahme: Infrarotheizungen sparen 30 Prozent Energie

Häufig liest du, Infrarotheizungen würden gegenüber Konvektionsheizungen bis zu 30 Prozent Energie sparen, weil die Strahlungswärme Wände und Gegenstände erwärmt und die Raumluft kühler bleiben kann. Der Kern stimmt teilweise: Durch die Strahlung fühlst du dich bei etwas geringerer Lufttemperatur wohl, und das kann den Verbrauch senken. Die pauschalen 30 Prozent sind aber nicht belegt, denn die gefühlte Behaglichkeit ersetzt keine Wärmebilanz. Ein Gebäude mit hohem Wärmeverlust verbraucht auch mit Infrarotheizung viel Strom. Außerdem wird die Wärme nicht gespeichert; sobald die Heizung aus ist, kühlt der Raum bei mangelnder Speichermasse schneller ab.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Prüfe, ob die Heizung mit einem Thermostat steuerbar ist. Ein externer Thermostat oder ein Smart-Home-Regler mit Zeitprogramm bringt mehr als jedes Zusatzmerkmal der Heizplatte. Achte auf die Schutzart, besonders im Bad: IP44 oder höher ist hier ein Mindestwert. Die Montagehöhe an Wand oder Decke und der Abstand zu Möbeln beeinflussen die Wärmeverteilung. Prüfe die Garantie, die Herstellerangaben zur Lebensdauer und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Gerade bei Billigprodukten ist der Kundendienst oft kaum erreichbar.

Infrarotheizung im Vergleich zu klassischen Heizkörpern

Klassische Heizkörper übertragen Wärme zum großen Teil durch Konvektion, also über die Luft, und lassen sich an ein zentrales Heizsystem anschließen, das auch erneuerbare Energien nutzen kann. Hochwertige Modelle wie die von Kermi sind im Beitrag zu Kermi Heizkörpern beschrieben. Eine Infrarotheizung ist unabhängig vom Heizkreis, kann nachgerüstet werden und braucht keine Rohre. Das ist der Hauptvorteil bei der Nachrüstung einzelner Räume. Zentral betrachtet ist sie jedoch nur dann sinnvoll, wenn der Wärmebedarf niedrig ist oder der Strom besonders günstig bereitgestellt wird.

Wichtige Sicherheitshinweise

Infrarotheizungen werden an der Oberfläche heiß, bei Metallplatten teilweise über 90 Grad. Halte Abstand zu Gardinen, Möbeln und Papier. Bei Kindern oder Haustieren im Raum solltest du Modelle mit niedrigeren Oberflächentemperaturen wählen oder eine Schutzvorrichtung nutzen. Lass die Elektrik von einem Fachbetrieb prüfen, wenn mehrere Geräte betrieben werden sollen, denn der Stromkreis muss die Last tragen können. Eine fest installierte Heizung gehört nicht an eine Mehrfachsteckdose. Die Grundlagen dazu findest du im Ratgeber zur Elektroinstallation.

Worauf Testberichte oft nicht eingehen

Viele Tests im Netz sind Verkaufsportale in Testgewand. Sie vergleichen Produkte, die der Betreiber über Partnerlinks verkauft, und bewerten Merkmale, die sich leicht beschreiben lassen, etwa Optik oder Lieferumfang. Was selten auftaucht, sind Langzeiterfahrungen: Wie verhält sich die Heizung nach drei Wintern, nach Feuchtigkeit im Bad, bei Dauerbetrieb? Gibt es Ausfälle der Heizfolie, Verfärbungen der Oberfläche, Probleme mit dem Thermostat? Prüfe daher bei jedem Test, ob die Messmethode offengelegt wird, ob die Geräte selbst gekauft oder vom Hersteller gestellt wurden und ob es Hinweise auf Werbepartnerschaften gibt. Unabhängige Verbrauchertests und Erfahrungsberichte von Nutzern über mehrere Jahre sind aussagekräftiger als Rankings mit Sternen.

Typische Einsatzfälle aus der Praxis

Im Altbau mit Kachelofen, aber ohne Zentralheizung, wird die Infrarotheizung gern im Bad und im Schlafzimmer ergänzt. Für den Keller-Hobbyraum, der nur am Wochenende genutzt wird, ist sie ideal, weil sie ohne Vorlauf Wärme liefert. Im Homeoffice unter dem Schreibtisch sorgt eine kleine Platte für warme Füße, ohne den ganzen Raum zu heizen. Bei Ferienhäusern, die im Winter frostfrei gehalten werden müssen, genügt eine Heizung mit Frostschutzthermostat. In diesen Fällen ist die Heizung weniger eine Heizkostenfrage als eine Frage der Installation: Es braucht keine Leitungen und keinen Schornstein.

Hauptheizungen auf Infrarotbasis sehen wir vor allem in Niedrigenergiehäusern und kleinen Wohnungen. Hier liegt der Bedarf bei wenigen Kilowattstunden pro Quadratmeter, und die Kosten für Wartung und Schornsteinfeger entfallen. Dennoch bleibt der laufende Stromverbrauch der entscheidende Faktor. Rechne vor dem Kauf einmal durch, wie viele Kilowattstunden dein Haus pro Jahr braucht, und multipliziere mit deinem Strompreis. Das Ergebnis ist ehrlicher als jede Werbung.

Wartung, Lebensdauer und Entsorgung

Infrarotheizungen gelten als wartungsarm, denn es gibt keine beweglichen Teile. Staub auf der Oberfläche wischst du bei ausgeschalteter und abgekühlter Heizung mit einem trockenen oder leicht feuchten Tuch ab. Hersteller geben oft Lebensdauern von 20 Jahren und mehr an, belastbare Langzeitdaten gibt es dafür kaum. Rechne vorsichtig mit zehn bis fünfzehn Jahren und achte auf eine lange Garantie. Defekte Geräte gehören als Elektroschrott zum Wertstoffhof oder in den Handel, nicht in den Hausmüll.

Häufige Fragen zum Infrarotheizung Test (FAQ)

Welche Infrarotheizung ist Testsieger?

Einen universellen Testsieger gibt es nicht, weil alle Modelle Strom nahezu vollständig in Wärme umwandeln. Entscheidend sind Verarbeitung, Regelung, Sicherheit, Oberflächentemperatur und Service. Achte auf geprüfte Sicherheit und eine gute Garantie.

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung?

Das hängt von Leistung und Laufzeit ab. Eine 600-Watt-Heizung, die vier Stunden pro Tag mit voller Leistung läuft, verbraucht etwa 2,4 kWh am Tag. Mit einem Thermostat läuft sie nur zeitweise mit voller Leistung, sodass der tatsächliche Verbrauch geringer ist.

Ist eine Infrarotheizung günstiger als Gas?

In den Betriebskosten meist nicht, weil Strom teurer ist als Gas. Die Anschaffungskosten sind jedoch niedriger. Auf lange Sicht entscheiden Dämmstandard, Nutzung und Strompreis.

Welche Größe brauche ich?

Als grobe Orientierung gelten 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter Wohnfläche in gut gedämmten Räumen. Bei schlechter Dämmung kann der Bedarf deutlich höher sein. Lass die Auslegung im Zweifel berechnen.

Darf ich Infrarotheizungen im Bad verwenden?

Ja, wenn die Heizung für Feuchträume zugelassen ist und die Schutzart passt. Die Installation sollte ein Elektrofachbetrieb vornehmen.

Kann ich eine Infrarotheizung selbst anbringen?

Das Aufhängen ist einfach, der Anschluss an eine feste Leitung gehört in Fachhand. Steckerfertige Modelle kannst du an eine Steckdose anschließen, sofern der Stromkreis die Last trägt.

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