Bauleistungsversicherung: Leistung, Kosten und Ausschlüsse

Die Kaskoversicherung der Baustelle – mit zwei Ausschlüssen, die regelmäßig für Enttäuschung sorgen. Leistung, Kosten und der Vergleich mit anderen Policen.

Last updated on Sep. 22, 2026

Veröffentlicht am Juli 27, 2020

Die Bauleistungsversicherung ist die Kaskoversicherung deiner Baustelle: Sie zahlt, wenn das halb fertige Haus beschädigt wird – durch Sturm, Starkregen, Vandalismus, Diebstahl von fest eingebauten Teilen oder einen Fehler beim Bauen. Sie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber sie schließt eine Lücke, die sonst du trägst. Hier erfährst du, was sie leistet, was sie kostet und wo die typischen Ausschlüsse liegen.

Was versichert ist

Gegenstand der Versicherung ist die Bauleistung selbst – also alles, was auf der Baustelle bereits eingebaut oder zum Einbau bestimmt ist. Versichert sind unvorhergesehene Beschädigungen und Zerstörungen an dieser Leistung.

Typisch abgedeckt sind:

  • Elementarereignisse wie Sturm, Hagel, Starkregen, Überschwemmung, Frost und Schneedruck – der häufigste Schadenfall überhaupt.
  • Vandalismus und mutwillige Beschädigung durch Unbefugte.
  • Diebstahl fest eingebauter Teile – also Heizkessel, Fenster, Sanitärobjekte, bereits montierte Treppe.
  • Ungeschicklichkeit und Fahrlässigkeit beim Bauen, etwa ein Bagger, der die frisch gegossene Kellerwand rammt.
  • Konstruktions- und Materialfehler, die zu einem Schaden an der Bauleistung führen – je nach Bedingungswerk.
  • Glasbruch an bereits eingebauten Fenstern, oft als Zusatzbaustein.

Versichert ist der Zeitraum vom Baubeginn bis zur Abnahme oder Bezugsfertigkeit. Danach übernimmt die Wohngebäudeversicherung.

Der ehrliche Punkt: nicht loses Material und nicht der Baufehler selbst

Zwei Ausschlüsse sorgen für die meisten Enttäuschungen, und beide werden im Verkaufsgespräch selten betont.

Erstens: Diebstahl von nicht eingebautem Material ist in der Grunddeckung fast immer ausgeschlossen. Der Stapel Dachziegel auf der Palette, die Rolle Kabel, die noch nicht verlegten Fliesen, das Werkzeug – all das ist kein Gegenstand der Bauleistungsversicherung. Versichert ist erst, was fest verbunden ist.

Das ist wirtschaftlich relevant, weil Baustellendiebstahl in genau diesem Bereich stattfindet. Wer sich absichern will, braucht einen ausdrücklichen Einschluss für Baustoffe und Bauteile vor Einbau – den bieten nicht alle Tarife, und wo es ihn gibt, ist er meist gedeckelt und an Sicherungsauflagen geknüpft (umzäunte Baustelle, verschlossener Container).

Zweitens: Der mangelhafte Bauteil selbst ist nicht versichert, nur der Folgeschaden. Das ist der begrifflich schwierigste Punkt. Ein Beispiel: Ein Handwerker verlegt eine Wasserleitung fehlerhaft, die Verbindung löst sich, und der frisch verlegte Estrich wird durchfeuchtet.

Die Versicherung zahlt in der Regel den Schaden am Estrich – nicht aber die Nacharbeit an der falsch verlegten Leitung. Für die fehlerhafte Leistung selbst haftet der Handwerker im Rahmen seiner Gewährleistung. Die Bauleistungsversicherung ersetzt also keine Mängelrechte aus dem Bauvertrag, sondern deckt die Kollateralschäden ab, die sonst niemand zahlt.

Dritter Punkt, der oft übersehen wird: Reine Vermögensschäden und Bauzeitverzögerungen sind nicht gedeckt. Wenn ein Sturmschaden den Bau um drei Monate verzögert und du deshalb länger Miete plus Bauzinsen zahlst, ist das dein Problem – die Versicherung ersetzt die Reparatur, nicht die Folgekosten.

Was sie kostet

Der Beitrag richtet sich nach der Bausumme und wird als einmalige Prämie für die gesamte Bauzeit gezahlt, nicht jährlich.

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BausummePrämie gesamt (ca.)in PromilleÜbliche Selbstbeteiligung
250.000 €250–650 €1,0–2,6 ‰250–500 €
350.000 €350–900 €1,0–2,6 ‰250–500 €
450.000 €450–1.150 €1,0–2,6 ‰500–1.000 €
600.000 €600–1.500 €1,0–2,5 ‰500–1.000 €
Zuschlag Einschluss Baustoffe+15–40 %—oft höhere SB
Zuschlag Glasbruch+8–20 %——
Zuschlag Bauzeit über 12 Monate+10–30 %——

Zur Einordnung: Bei 400.000 Euro Bausumme liegt die Prämie typischerweise zwischen 400 und 1.000 Euro für die gesamte Bauzeit. Gegenüber der Bausumme ist das ein Bruchteil eines Prozents – und gegenüber einem einzigen Sturmschaden an einem offenen Dachstuhl, der schnell 15.000 bis 40.000 Euro kostet, ein guter Tausch.

Die Prämie wird auf die Endbausumme abgerechnet. Melde deshalb Nachträge und Mehrkosten nach – auch die aus der Bemusterung, die schnell fünfstellig werden. Ist die versicherte Summe zu niedrig angesetzt, droht im Schadenfall eine Unterversicherung, und die Leistung wird anteilig gekürzt.

Wer sie abschließt – und wer zahlt

Das ist die Frage, die sich beim schlüsselfertigen Bauen stellt.

Bei einem Generalunternehmer- oder Bauträgervertrag ist häufig bereits eine Bauleistungsversicherung enthalten, abgeschlossen vom Bauunternehmen. Prüfe dann zwei Dinge: Bist du als Bauherr mitversichert, und deckt die Police auch Eigenleistungen und Material ab, das du selbst beistellst? Häufig lautet die Antwort auf beides nein. Lass dir die Police zeigen, nicht nur zusagen, dass es eine gibt.

Bei Einzelvergabe – also wenn du die Gewerke selbst beauftragst, etwa beim Architektenhaus – musst du selbst abschließen. Jeder Handwerker hat zwar seine eigene Betriebshaftpflicht, aber die greift nur bei eigenem Verschulden. Ein Sturm ist niemandes Verschulden.

Bei Eigenleistung ist der Punkt besonders wichtig: Was du selbst baust, ist über keine Handwerkerhaftpflicht abgesichert. Eine Bauleistungsversicherung, die Eigenleistungen ausdrücklich einschließt, ist hier keine Option, sondern die Grundlage.

Welche Versicherungen sonst noch dazugehören

Die Bauleistungsversicherung ist eine von mehreren, die während der Bauphase relevant sind – und nicht die wichtigste.

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VersicherungDeckt abKostenDringlichkeit
BauherrenhaftpflichtSchäden Dritter durch die Baustelle60–250 € einmaligsehr hoch
BauleistungsversicherungSchäden am eigenen Bauwerk250–1.500 € einmalighoch
FeuerrohbauversicherungBrand am Rohbauoft beitragsfreihoch
Bauhelferversicherung (BG Bau)Unfälle privater Helferca. 1,50 €/Std.Pflicht bei Helfern
Private Unfallversicherungeigene Unfälle beim Bauenlaufendbei Eigenleistung
Wohngebäudeversicherungab Bezugsfertigkeit250–600 €/JahrPflicht bei Finanzierung

Zwei Hinweise dazu:

Die Bauherrenhaftpflicht ist wichtiger als die Bauleistungsversicherung. Sie deckt Schäden ab, die Dritten durch deine Baustelle entstehen – ein Passant, der in die offene Baugrube stürzt, ein Ziegel, der auf ein parkendes Auto fällt. Als Bauherr trägst du die Verkehrssicherungspflicht, und Personenschäden können existenzbedrohende Summen erreichen. Sie kostet einen Bruchteil und ist die erste Police, die abgeschlossen gehört.

Bauhelfer müssen bei der Berufsgenossenschaft angemeldet werden. Wer Freunde oder Verwandte auf der Baustelle mithelfen lässt, ist gesetzlich verpflichtet, diese bei der BG Bau anzumelden – unabhängig davon, ob sie bezahlt werden. Unterlassene Anmeldung kann Bußgelder und im Schadenfall Regressforderungen nach sich ziehen. Die Anmeldung ist kostenlos, der Beitrag richtet sich nach den geleisteten Stunden.

Die Feuerrohbauversicherung wird von vielen Wohngebäudeversicherern beitragsfrei mitgegeben, wenn du dich verpflichtest, die spätere Gebäudeversicherung bei ihnen abzuschließen. Frag ausdrücklich danach – sie wird nicht immer von allein angeboten.

Worauf du beim Vergleich achten solltest

Die Prämienunterschiede zwischen Anbietern sind kleiner als die Unterschiede im Bedingungswerk. Fünf Punkte entscheiden:

  1. Sind Eigenleistungen eingeschlossen? Bei Muskelhypothek unverzichtbar. Manche Tarife schließen sie komplett aus, andere begrenzen sie.
  2. Gibt es einen Einschluss für Baustoffe vor Einbau? Und wenn ja, bis zu welcher Summe und unter welchen Sicherungsauflagen?
  3. Wie ist die Bauzeit begrenzt? Standard sind oft 12 Monate. Verzögert sich der Bau, brauchst du eine Verlängerung – die kostet, ist aber unproblematisch, solange du sie rechtzeitig beantragst. Eine abgelaufene Police ist im Schadenfall wertlos.
  4. Wie hoch ist die Selbstbeteiligung? 250 bis 1.000 Euro sind üblich. Eine höhere Selbstbeteiligung senkt die Prämie spürbar – bei einer Einmalprämie ist der Effekt aber begrenzt.
  5. Sind Altbauteile mitversichert? Relevant bei Anbau, Umbau oder Sanierung im Bestand. Viele Tarife decken nur den Neubauteil; der angrenzende Altbau, der beim Anbau beschädigt wird, fällt dann heraus.

Zum Ablauf im Schadenfall: Schaden unverzüglich melden, Zustand fotografieren, bevor aufgeräumt wird, und nichts reparieren lassen, bevor die Versicherung zugestimmt hat. Bei Vandalismus und Diebstahl zusätzlich Anzeige erstatten – ohne polizeiliches Aktenzeichen wird nicht reguliert.

Und ein praktischer Punkt, der die Schadenhäufigkeit senkt: Die meisten Sturmschäden entstehen an ungesicherten Bauteilen. Lose Folien, nicht verankerte Gerüstteile und offene Dachflächen vor einem angekündigten Sturm zu sichern, ist Teil deiner Sorgfaltspflicht – und wird bei grober Vernachlässigung auch als Obliegenheitsverletzung gewertet. Wer den Bauablauf von Anfang an realistisch plant, hat dafür überhaupt die Zeit; die Grundlagen dazu stehen unter Hausbaukosten und Fertighaus oder Massivhaus. Ein kurzer Blick auf die Abrissphase lohnt übrigens auch: Beim Hausabriss gelten eigene Haftungsfragen, bevor die Bauleistungsversicherung überhaupt greift.

Häufige Fragen zur Bauleistungsversicherung

Was kostet eine Bauleistungsversicherung?
Zwischen 1,0 und 2,6 Promille der Bausumme als Einmalprämie für die gesamte Bauzeit. Bei 400.000 Euro Bausumme sind das 400 bis 1.000 Euro. Zuschläge gibt es für den Einschluss von Baustoffen vor Einbau (15 bis 40 Prozent), Glasbruch (8 bis 20 Prozent) und Bauzeiten über zwölf Monate.

Ist sie Pflicht?
Gesetzlich nicht. Manche Banken verlangen sie allerdings als Voraussetzung für die Baufinanzierung, und bei Bauträgerverträgen ist sie oft bereits enthalten. Pflicht im engeren Sinn ist nur die Anmeldung von Bauhelfern bei der Berufsgenossenschaft.

Ist Diebstahl versichert?
Nur von fest eingebauten Teilen – Heizkessel, Fenster, montierte Sanitärobjekte. Loses Material auf der Baustelle, Werkzeug und noch nicht verbaute Baustoffe sind in der Grunddeckung ausgeschlossen. Dafür brauchst du einen ausdrücklichen Zusatzbaustein, der meist gedeckelt und an Sicherungsauflagen geknüpft ist.

Zahlt sie bei Baumängeln?
Nicht für den Mangel selbst, sondern für den Folgeschaden. Wird eine Leitung fehlerhaft verlegt und durchnässt den Estrich, zahlt die Versicherung den Estrich – die Nacharbeit an der Leitung schuldet der Handwerker aus seiner Gewährleistung. Die Police ersetzt keine Mängelrechte aus dem Bauvertrag.

Wie lange gilt sie?
Vom Baubeginn bis zur Abnahme beziehungsweise Bezugsfertigkeit, meist auf zwölf Monate begrenzt. Verzögert sich der Bau, musst du rechtzeitig verlängern – eine abgelaufene Police leistet nicht. Danach übernimmt die Wohngebäudeversicherung.

Brauche ich sie auch beim schlüsselfertigen Bauen?
Oft ist eine Police des Bauunternehmens vorhanden. Prüfe aber, ob du als Bauherr mitversichert bist und ob Eigenleistungen und von dir beigestelltes Material eingeschlossen sind – bei beidem lautet die Antwort häufig nein. Lass dir die Police zeigen, statt dich auf eine mündliche Zusage zu verlassen.

Welche Versicherung ist wichtiger?
Die Bauherrenhaftpflicht. Sie deckt Schäden ab, die Dritten durch deine Baustelle entstehen – etwa ein Sturz in die offene Baugrube. Als Bauherr trägst du die Verkehrssicherungspflicht, und Personenschäden können existenzbedrohende Summen erreichen. Sie kostet 60 bis 250 Euro einmalig und gehört als erste Police abgeschlossen.

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