Wenn du darüber nachdenkst, deine Fenster zu tauschen, führt heute kein Weg an der Frage nach der Dreifachverglasung vorbei. Im Neubau ist sie längst Standard, im Bestand wird sie oft noch diskutiert, meist mit denselben zwei Argumenten: zu teuer und im Altbau angeblich gefährlich. Beide Einwände halten einer näheren Prüfung nur zum Teil stand.
Hier bekommst du die Technik in verständlicher Form, realistische Preise pro Fenster, den ehrlichen Vergleich mit Zweifachverglasung und die Antwort auf die Frage, wann sich der Fenstertausch tatsächlich lohnt und wann du das Geld besser in ein anderes Bauteil steckst.
Wie Dreifachverglasung aufgebaut ist
Eine Dreifachverglasung besteht aus drei Glasscheiben mit zwei Scheibenzwischenräumen. Diese Räume sind nicht mit Luft gefüllt, sondern mit einem Edelgas, meist Argon, seltener Krypton. Edelgase leiten Wärme schlechter als Luft. Zusätzlich tragen die inneren Scheibenoberflächen eine hauchdünne Metallbeschichtung, die Wärmestrahlung zurück in den Raum wirft. Diese sogenannte Low-E-Beschichtung ist der eigentliche Grund für die gute Dämmwirkung, nicht die dritte Scheibe allein.
Drei Kennwerte solltest du auseinanderhalten. Der Ug-Wert beschreibt nur das Glas, der Uf-Wert nur den Rahmen, der Uw-Wert das gesamte eingebaute Fenster. Verkäufer nennen gern den Ug-Wert, weil er am besten aussieht. Entscheidend für deine Heizkosten ist aber der Uw-Wert. Ein Glas mit Ug 0,5 in einem schlechten Rahmen kommt als Fenster nur auf 1,1, und dann hast du für nichts bezahlt.
| Verglasung | Ug-Wert typisch | Uw-Wert eingebaut | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Einfachglas, vor 1978 | 5,8 | ca. 5,0 | Tauschen ohne Diskussion |
| Isolierglas, 1980er | 2,8 - 3,0 | ca. 2,8 | Tausch lohnt fast immer |
| Zweifach-Wärmeschutz, ab 1995 | 1,1 - 1,3 | 1,3 - 1,6 | Tausch nur mit gutem Grund |
| Dreifachverglasung Standard | 0,6 - 0,7 | 0,9 - 1,1 | heutiger Regelfall |
| Dreifachverglasung Passivhaus | 0,4 - 0,5 | 0,7 - 0,8 | nur bei sehr guter Hülle sinnvoll |
Der ehrliche Punkt: neue Fenster machen den Schimmel nicht weg, sie verschieben ihn
Es hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass alte Fenster schuld an feuchten Wänden sind und neue das Problem lösen. Tatsächlich ist es andersherum. In einem ungedämmten Haus ist die alte Fensterscheibe die kälteste Oberfläche im Raum. Feuchtigkeit schlägt sich genau dort nieder, du wischst sie morgens weg, und die Wände bleiben trocken. Das Fenster arbeitet als unfreiwilliger Entfeuchter.
Baust du nun eine Dreifachverglasung ein, ist die Scheibe plötzlich warm. Die kälteste Fläche im Raum ist jetzt die ungedämmte Außenwand, oft die Ecke hinter dem Schrank. Dort kondensiert die Feuchtigkeit, und dort wächst dann der Schimmel. Dazu kommt, dass neue Fenster erheblich dichter schließen, sodass der bisherige unfreiwillige Luftaustausch wegfällt.
Das ist kein Argument gegen den Fenstertausch, sondern eines für die richtige Reihenfolge und für ein angepasstes Lüftungsverhalten. Wer Fenster tauscht, sollte die Wärmedämmung der Außenwand zumindest mitgeplant haben und sich mit kontrollierter Belüftung beschäftigen. Ist der Schaden schon da, hilft nur die Ursachensuche, nicht der Anstrich, siehe Schimmel entfernen.
Was der Fenstertausch kostet
Der Preis hängt an Rahmenmaterial, Größe, Beschlag, Sicherheitsstufe und Einbausituation. Die folgenden Spannen gelten pro Fenster in üblicher Größe von etwa 1,30 mal 1,30 Meter, inklusive Montage und Entsorgung des alten Elements, ohne Förderung.
| Rahmenmaterial | Preis pro Fenster inkl. Einbau | Lebensdauer | Pflegeaufwand |
|---|---|---|---|
| Kunststoff | 600 - 1.000 € | 30 - 40 Jahre | sehr gering |
| Kunststoff mit Aluschale | 850 - 1.400 € | 40 - 50 Jahre | gering |
| Holz | 900 - 1.600 € | 40 - 60 Jahre | Anstrich alle 5 - 8 Jahre |
| Holz-Aluminium | 1.200 - 2.200 € | 50 - 70 Jahre | gering, innen Holzoptik |
| Aluminium | 1.300 - 2.400 € | 50 Jahre plus | sehr gering |
| Bodentiefes Element / Hebeschiebetür | 3.500 - 9.000 € | je nach Material | Beschlag wartungsintensiv |
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 14 bis 18 Fenstern und einer Haustür landest du damit bei rund 14.000 bis 30.000 Euro. Zwei Posten werden dabei regelmäßig vergessen: die Innenlaibungen, die nach dem Ausbau neu verputzt und gestrichen werden müssen, und außen der Anschluss an Rollladenkasten und Fensterbank. Rechne dafür 150 bis 400 Euro pro Öffnung zusätzlich, wenn es nicht im Angebot steht.
Zweifach oder dreifach: der nüchterne Vergleich
Der Preisunterschied zwischen zwei- und dreifachverglasten Fenstern ist kleiner, als die meisten denken: Er liegt bei modernen Serien meist zwischen fünf und fünfzehn Prozent des Fensterpreises. Weil die Montage identisch ist und die Montage einen erheblichen Teil der Rechnung ausmacht, ist die Mehrinvestition insgesamt gering. Bei einem kompletten Tausch ist Dreifachverglasung deshalb fast immer die richtige Wahl.
Zwei Einschränkungen gibt es. Erstens das Gewicht: Drei Scheiben sind deutlich schwerer, und bei sehr großen Elementen oder alten, dünnen Rahmenprofilen kann das ein Thema werden. Zweitens der Gesamtenergiedurchlassgrad, der g-Wert. Dreifachglas lässt weniger Sonnenenergie herein als Zweifachglas. An einer Südfassade mit viel Fensterfläche verschenkst du dadurch im Winter solare Gewinne. Bei normalen Fenstergrößen fällt das kaum ins Gewicht, bei großen Südverglasungen sollte man es ausrechnen.
Einbau nach Stand der Technik
Die beste Verglasung nützt wenig, wenn der Einbau schlampig ist. Fachgerecht heißt heute dreischichtig: innen luftdicht, in der Mitte gedämmt, außen schlagregendicht und diffusionsoffen. Die reine Montageschaumfuge ohne innere Abdichtung gilt seit Jahren nicht mehr als Stand der Technik, wird aber immer noch ausgeführt. Bestehe auf Dichtbändern oder Dichtfolien und lass dir das im Angebot ausweisen. Was beim Einbau sonst zu beachten ist, steht im Ratgeber Fenster einbauen.
Ein zweiter Punkt ist die Einbaulage. Wenn du ohnehin eine Fassadendämmung planst, sollte das Fenster möglichst weit außen in der Dämmebene sitzen statt tief in der alten Mauerlaibung. Das reduziert die Wärmebrücke am Anschluss erheblich. Deshalb gehören Fenstertausch und Fassadendämmung idealerweise in dieselbe Baumaßnahme, siehe Sanierungsfahrplan.
Was neue Fenster sonst noch bringen
Die Heizkostenersparnis ist bei Fenstern selten der größte Effekt, weil die Fensterfläche im Verhältnis zur Außenwandfläche klein ist. Drei andere Vorteile sind in der Praxis oft wichtiger.
Schallschutz. Moderne Fenster lassen sich in Schallschutzklassen bestellen, wobei asymmetrische Scheibenaufbauten mehr bringen als die dritte Scheibe an sich. An einer befahrenen Straße ist das der spürbarste Gewinn überhaupt, siehe Schallschutz im Haus.
Einbruchschutz. Pilzkopfverriegelungen und geprüfte Widerstandsklassen kosten pro Fenster nur wenig Aufpreis und sind beim Tausch praktisch geschenkt. Später nachzurüsten ist teurer.
Behaglichkeit. Eine warme Scheibe zieht nicht. Der Kaltluftabfall vor alten Fenstern ist der Grund, warum Sitzplätze am Fenster im Winter unangenehm sind, und er verschwindet mit dem Tausch vollständig.
Wann sich der Tausch lohnt und wann nicht
Eindeutig lohnt er sich bei Einfachglas und bei Isolierglas aus den siebziger und achtziger Jahren. Dort ist der Sprung im U-Wert so groß, dass sich die Maßnahme auch ohne weitere Argumente rechnet. Ebenso lohnt er sich, wenn Rahmen undicht sind, Beschläge ausgeschlagen oder Holzrahmen verfault.
Zurückhaltend solltest du bei Wärmeschutzverglasung ab etwa Mitte der neunziger Jahre sein. Der Sprung von Uw 1,4 auf 1,0 ist rechnerisch klein, und das Geld ist in diesem Fall an der Fassade, im Dach oder bei der Kellerdecke besser angelegt. Ausnahme: Wenn die Rahmen ohnehin am Ende sind oder du Schallschutz oder Einbruchschutz brauchst, ist der Tausch trotzdem richtig.
Eine dritte Konstellation wird häufig übersehen. Wenn du später eine Wärmepumpe nachrüsten willst, zählt jedes Grad, um das du die Vorlauftemperatur senken kannst. Warme Fensterflächen erlauben niedrigere Raumlufttemperaturen bei gleichem Komfortempfinden und verbessern die Bilanz der Anlage spürbar.
Förderung für den Fenstertausch
Der Fenstertausch gehört zu den geförderten Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle. Voraussetzung ist in der Regel, dass ein Mindest-Uw-Wert erreicht wird und dass ein zugelassener Energieberater die Maßnahme begleitet und bestätigt. Fördersätze und Höchstgrenzen werden regelmäßig angepasst. Prüfe die aktuellen Bedingungen vor der Beauftragung bei BAFA und KfW und stelle den Antrag, bevor der Auftrag erteilt wird. Einen Überblick über die Förderlandschaft gibt der Beitrag zur KfW.
Angebote richtig vergleichen
Fensterangebote sind schwer vergleichbar, weil jeder Hersteller andere Profilsysteme und Bezeichnungen verwendet. Halte dich an vier Punkte, dann fällt der Vergleich leicht.
Erstens: Lass dir immer den Uw-Wert des fertigen Fensters nennen, nicht den Ug-Wert des Glases. Zweitens: Achte auf die Bautiefe des Profils und die Anzahl der Kammern, denn davon hängt der Rahmenwert ab. Drittens: Prüfe, ob Beschlag, Sicherheitsstufe, Griffe, Fensterbänke, Rollladenanpassung, Entsorgung und Malerarbeiten enthalten sind oder als Nachtrag kommen. Viertens: Frag nach der Abdichtungsebene und lass dir bestätigen, dass innen luftdicht und außen schlagregendicht gearbeitet wird.
Wer mit Aluminiumrahmen liebäugelt, findet die Abwägung unter Vor- und Nachteile von Aluminiumfenstern. Ein Angebot, das pauschal mit einem Quadratmeterpreis arbeitet, ohne die Öffnungen einzeln aufzuführen, ist kein belastbares Angebot. Bei einem Komplettaustausch lohnt es sich, mindestens drei Betriebe vor Ort messen zu lassen. Die Preisunterschiede bei identischer Leistung liegen erfahrungsgemäß bei zwanzig bis dreißig Prozent.
Häufige Fragen zur Dreifachverglasung
Was kostet ein Fenster mit Dreifachverglasung inklusive Einbau?
Für ein Standardfenster aus Kunststoff rechnest du mit 600 bis 1.000 Euro, mit Holz-Aluminium-Rahmen mit 1.200 bis 2.200 Euro. Dazu kommen 150 bis 400 Euro pro Öffnung für Laibung, Anschlüsse und Malerarbeiten.
Lohnt sich Dreifachverglasung im Altbau?
Ja, technisch funktioniert sie im Altbau genauso wie im Neubau. Wichtig ist, dass du gleichzeitig an die Außenwände und an die Lüftung denkst, weil sonst die kälteste Fläche im Raum von der Scheibe auf die Wand wandert.
Ist Dreifachverglasung viel schwerer?
Ja, das Glasgewicht steigt um etwa die Hälfte. Bei üblichen Fenstergrößen ist das für moderne Beschläge unproblematisch, bei großen Schiebeelementen muss es der Hersteller einrechnen.
Kann ich nur die Scheiben tauschen und die Rahmen behalten?
Nur selten. Alte Rahmen sind für den dickeren Glasaufbau meist nicht ausgelegt, und der Rahmen selbst ist dann der schwache Punkt. In Einzelfällen bei stabilen Holzrahmen ist eine Aufdopplung möglich, das muss aber ein Tischler beurteilen.
Wie erkenne ich, welche Verglasung ich aktuell habe?
Halte eine Flamme vor die Scheibe und zähle die Spiegelbilder. Zwei Spiegelbilder bedeuten Einfachglas, vier Zweifachglas, sechs Dreifachglas. Eine Beschichtung erkennst du daran, dass eines der Spiegelbilder leicht andersfarbig ist.
Muss ich nach dem Fenstertausch anders lüften?
Ja. Neue Fenster sind deutlich dichter. Plane feste Stoßlüftungen morgens und abends ein, im Bad und in der Küche zusätzlich nach Nutzung. Alternativ sorgt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung dauerhaft dafür.