Erdwärmepumpe Kosten: Was Bohrung, Gerät und Betrieb kosten

Erdwärmepumpe Kosten im Überblick: Gerät, Bohrung oder Kollektor, Betriebskosten, Förderung und wann sich die Investition lohnt.

Last updated on Okt. 10, 2026

Veröffentlicht am Okt. 10, 2026

Die Erdwärmepumpe gilt als effizienteste Variante der Wärmepumpe, weil das Erdreich ganzjährig eine fast konstante Temperatur liefert. Der Haken: Die Erschließung der Wärmequelle – Bohrung oder Flächenkollektor – macht den größten Teil der Mehrkosten aus. In diesem Ratgeber erfährst du, was eine Erdwärmepumpe kostet, wie sich die Kosten zusammensetzen, wann sie sich rechnet und worauf du beim Angebot achten musst. Einen allgemeinen Überblick über Wärmepumpen aller Art bietet der Beitrag Wärmepumpe Kosten.

Wie funktioniert eine Erdwärmepumpe?

Eine Erdwärmepumpe entzieht dem Boden Wärme und hebt sie mit einem elektrisch betriebenen Verdichter auf das Temperaturniveau der Heizung. In Tiefen ab etwa zehn Metern herrscht das ganze Jahr über eine Temperatur von rund zehn Grad Celsius. Diese konstante Quelle sorgt für hohe Jahresarbeitszahlen, oft zwischen 4 und 5. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden vier bis fünf Kilowattstunden Wärme. Zwei Systeme sind üblich:

  • Erdsonden (Tiefenbohrung): Senkrechte Bohrungen von 50 bis 150 Metern Tiefe, in die Rohre mit einer Sole-Flüssigkeit eingelassen werden. Sie benötigen wenig Grundstücksfläche.
  • Erdkollektoren (Flächenkollektor): Rohre werden in etwa 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe horizontal im Garten verlegt. Sie benötigen eine unbebaute Fläche, die etwa das Eineinhalb- bis Zweifache der beheizten Wohnfläche beträgt.

Daneben gibt es Grundwasser-Wärmepumpen, die Brunnenwasser nutzen. Sie sind sehr effizient, brauchen aber eine ergiebige, wasserrechtlich genehmigte Quelle. Was Brunnenbohrungen grundsätzlich kosten, beschreibt der Beitrag Brunnen bohren Kosten.

Was kostet eine Erdwärmepumpe?

Insgesamt liegen die Kosten für eine Erdwärmepumpe in einem Einfamilienhaus grob zwischen 25.000 und 45.000 Euro inklusive Erschließung und Installation, vor Abzug möglicher Förderung. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Kosten zusammensetzen. Die Angaben sind Richtwerte und regional unterschiedlich.

KostenpositionRichtwert (ca.)Hinweis
Wärmepumpe (Gerät, 8–12 kW)ca. 10.000–18.000 €je nach Hersteller und Leistung
Erdsondenbohrung (2 Sonden à ca. 100 m)ca. 8.000–16.000 €ca. 50–90 € pro Bohrmeter
Alternativ: Flächenkollektorca. 4.000–9.000 €Erdarbeiten und Rohre
Pufferspeicher, Warmwasserspeicherca. 1.500–4.000 €abhängig vom Konzept
Installation, Hydraulik, Inbetriebnahmeca. 4.000–9.000 €abhängig vom Aufwand
Genehmigung und Gutachtenca. 500–2.000 €Behörden, Geologe
Gesamt ohne Förderungca. 25.000–45.000 €Spanne

Als Faustwerte nennen Planer für Sonden etwa 50 Watt Entzugsleistung pro Meter Bohrtiefe; ein Haus mit 8 Kilowatt Heizlast benötigt damit rund 150 bis 200 Bohrmeter. Diese Zahl hängt aber stark vom Untergrund ab und muss durch den Bohrunternehmer oder Geologen geprüft werden. Die Förderung ändert sich laufend; prüfe den aktuellen Stand direkt bei KfW und BAFA, anstatt dich auf pauschale Prozentwerte zu verlassen.

Erdsonde oder Erdkollektor: Kosten und Eignung im Vergleich

KriteriumErdsondeErdkollektor
Platzbedarfgering, Bohrung punktuellgroß, unbebaute Fläche nötig
Kosten Erschließunghöherniedriger
Effizienzsehr hoch, konstanthoch, schwankt im Jahresverlauf
GenehmigungWasserrecht, Bergamtmeist einfacher, regional verschieden
Eignungenge Grundstücke, Neubau und Altbaugroße Gärten, Neubau

Der Kollektor ist günstiger, solange du Fläche hast und nicht darüber bauen oder tief wurzelnde Bäume pflanzen möchtest. Die Sonde ist die bessere Wahl bei kleinen Grundstücken und wenn du Wert auf maximale Effizienz legst. In manchen Gebieten, etwa in Wasserschutzzonen, sind Bohrungen eingeschränkt oder verboten. Prüfe daher früh bei der unteren Wasserbehörde, ob an deinem Standort Bohrungen möglich sind.

Voraussetzungen: Wann ist eine Erdwärmepumpe sinnvoll?

Eine Erdwärmepumpe spielt ihre Stärken in Gebäuden mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Im Neubau mit Fußbodenheizung sind Jahresarbeitszahlen von 4,5 und mehr realistisch. Wie du die Flächenheizung planst, erklärt der Beitrag Fußbodenheizung. Im Altbau sind Erdwärmepumpen möglich, benötigen aber eine genaue Planung der Heizlast, der Heizflächen und der Vorlauftemperaturen. Dann lohnt sich häufig ein Gesamtkonzept: Dämmung der obersten Geschossdecke, hydraulischer Abgleich, einzelne Heizkörper tauschen. Hilfreiche Hinweise zur Strategie findest du im Beitrag Heizung modernisieren.

  • Ausreichend Grundstücksfläche oder bohrfähiger Untergrund.
  • Geologische Eignung, gesicherte Genehmigung der Behörde.
  • Niedrige Heizlast und Vorlauftemperatur.
  • Planungssicherheit durch Heizlastberechnung und Entzugsleistung.
  • Bereitschaft, höhere Anfangsinvestitionen zu tragen.

Betriebskosten und Amortisation

Die Stromkosten einer Erdwärmepumpe sind wegen der hohen Effizienz niedrig. Beispiel: Ein Haus mit 12.000 Kilowattstunden Heizwärmebedarf benötigt bei einer Jahresarbeitszahl von 4,5 etwa 2.700 Kilowattstunden Strom. Bei einem Strompreis von 0,30 Euro je Kilowattstunde wären das etwa 800 Euro pro Jahr. Eine vergleichbare Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,3 braucht rund 3.600 Kilowattstunden. Die Ersparnis liegt also bei mehreren hundert Euro im Jahr – nicht überragend, aber dauerhaft. Die Mehrkosten der Erschließung amortisieren sich dadurch erst nach vielen Jahren, oft nach 12 bis 20. Das ist der Grund, warum die Erdwärmepumpe nicht in jedem Fall wirtschaftlicher ist als die Luft-Wasser-Variante. Die tatsächlichen Nachteile und Alternativen werden im Beitrag Wärmepumpe Nachteile ehrlich aufgezeigt.

Eine verbreitete Fehlannahme: „Erdwärme ist kostenlos“

Häufig heißt es, Erdwärme sei kostenlos, weil die Wärmequelle nichts kostet. Tatsächlich zahlst du die Quelle über die Erschließung, und der Verdichter braucht Strom. Auch ist Erdwärme nicht unerschöpflich: Werden Sonden zu knapp dimensioniert oder liegen sie zu dicht beieinander, kühlt das Erdreich im Winter aus, und die Effizienz sinkt. Eine fachgerechte Auslegung mit Abständen von mindestens fünf bis sechs Metern zwischen den Bohrungen verhindert das.

Förderung und Finanzierung

Wärmepumpen werden in Deutschland über Zuschüsse und zinsgünstige Kredite gefördert. Erdwärme- und Wasserwärmepumpen erhalten häufig höhere Zuschüsse, weil sie effizienter sind. Beträge, Boni und Voraussetzungen ändern sich allerdings, deshalb solltest du Antrag und Konditionen unbedingt vor Auftragsvergabe bei KfW und BAFA prüfen. Lass dir von einem Energieberater helfen, falls du Zusatzmaßnahmen planst. Wichtig: Mit dem Vorhaben darfst du in der Regel erst nach Antragstellung beginnen, sonst verfällt die Förderung.

Genehmigung und Ablauf

Für Erdsonden brauchst du eine wasserrechtliche Erlaubnis bei der unteren Wasserbehörde, in manchen Ländern zusätzlich eine bergrechtliche Anzeige. Ein Bohrunternehmen mit Zertifikat übernimmt meist die Antragsstellung. Nach der Genehmigung folgt die Bohrung, die je nach Tiefe ein bis drei Tage pro Sonde dauert, dann die Verlegung der Leitungen, der Anschluss der Wärmepumpe, Spülung und Befüllung des Solekreislaufs sowie die Inbetriebnahme. Insgesamt solltest du von der ersten Planung bis zur Inbetriebnahme mit drei bis sechs Monaten rechnen.

Worauf du beim Angebot achten solltest

  • Heizlastberechnung und Dimensionierung der Sonden nachvollziehbar dokumentiert.
  • Bohrunternehmen mit Zertifizierung und Haftpflicht.
  • Alle Positionen getrennt ausgewiesen: Gerät, Bohrung, Hydraulik, Inbetriebnahme.
  • Angabe der erwarteten Jahresarbeitszahl und des Stromverbrauchs.
  • Wartungsangebot und Garantiebedingungen.

Kühlen mit Erdwärme: Ein unterschätzter Bonus

Viele Erdwärmepumpen lassen sich im Sommer zum sanften Kühlen nutzen. Bei der passiven Kühlung zirkuliert die kühle Sole über einen Wärmetauscher durch die Flächenheizung, ohne dass der Verdichter läuft. Der Stromverbrauch ist dadurch minimal, die Raumtemperatur sinkt um ein bis drei Grad. Zusätzlich regeneriert sich das Erdreich, weil die abgeführte Wärme dort gespeichert wird, was langfristig die Effizienz stabilisiert. Wer eine Fußbodenheizung hat, bekommt diese Funktion oft für einen geringen Aufpreis. Beachte aber, dass bei der Kühlung über den Fußboden die Taupunkttemperatur überwacht werden muss, damit sich kein Kondensat bildet. Ein Fachbetrieb stellt die Regelung entsprechend ein.

Kombination mit Photovoltaik

Eine Photovoltaikanlage senkt die Betriebskosten zusätzlich, weil du einen Teil des Wärmepumpenstroms selbst erzeugst. Da die Heizperiode jedoch mit geringem Solarertrag zusammenfällt, deckt Photovoltaik meist nur 20 bis 40 Prozent des Wärmepumpenstroms. Ein Stromspeicher hilft, den Eigenverbrauch zu erhöhen, rechnet sich aber nicht in jedem Fall. Eine intelligente Regelung, die die Wärmepumpe bei Solarüberschuss etwas stärker laufen lässt und Wärme in den Pufferspeicher schiebt, ist eine günstige Optimierung. Prüfe außerdem, ob ein spezieller Wärmepumpenstromtarif mit separatem Zähler günstiger ist als ein Haushaltstarif.

Vorteile und Nachteile im Überblick

VorteileNachteile
Sehr hohe Jahresarbeitszahl, niedrige StromkostenHohe Anschaffungs- und Erschließungskosten
Leise, kein Außengerät nötigGenehmigung und Bohrung erforderlich
Konstante Quelle unabhängig vom WetterNicht überall erlaubt oder möglich
Passive Kühlung möglichAmortisation oft erst nach über zehn Jahren
Lange Lebensdauer der SondenErdreich kann bei falscher Auslegung auskühlen

Fazit: Wann sich der Aufwand lohnt

Die Erdwärmepumpe ist die effizienteste und leiseste Variante, verlangt aber ein höheres Budget und etwas mehr Planung. Sie lohnt sich vor allem für Neubauten mit Flächenheizung, für Häuser mit hohem Wärmebedarf und für Bauherren, die langfristig im Haus bleiben. Wer ein knappes Budget hat, ein kleines Grundstück ohne Bohrerlaubnis besitzt oder nur kurze Zeit im Haus wohnt, fährt mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe oft besser. Lass dir in jedem Fall mehrere Angebote machen, vergleiche Jahresarbeitszahl und Gesamtkosten über zwanzig Jahre und kläre die Genehmigung, bevor du Verträge unterschreibst. Eine gute Planung entscheidet am Ende mehr über den Erfolg als der Markenname auf dem Gerät. Frage deshalb auch nach den Referenzen des Bohrunternehmens, nach der dokumentierten Auslegung der Sondenfelder und nach den Konditionen für Wartung und Service. Wer diese Punkte schriftlich klärt, reduziert das Risiko von Nachträgen und Streit, und erhält eine Heizung, die über Jahrzehnte zuverlässig, leise und günstig arbeitet. Gerade bei einem Bauprojekt lohnt es sich, die Bohrung schon vor dem Rohbau zu erledigen, weil das Gelände dann noch frei zugänglich ist und keine fertigen Außenanlagen beschädigt werden.

Häufige Fragen (FAQ)

Was kostet eine Erdwärmepumpe für ein Einfamilienhaus?

Insgesamt etwa 25.000 bis 45.000 Euro inklusive Bohrung oder Kollektor, Installation und Speicher, vor Abzug der Förderung. Die Spanne hängt von Bohrtiefe, Hersteller und Region ab.

Was kostet die Bohrung für eine Erdsonde?

Üblich sind etwa 50 bis 90 Euro pro Bohrmeter. Bei insgesamt 150 bis 200 Metern kommst du auf rund 8.000 bis 16.000 Euro.

Ist eine Erdwärmepumpe besser als eine Luftwärmepumpe?

Sie arbeitet effizienter und leiser, ist aber teurer in der Anschaffung. Ob sie sich rechnet, hängt von Heizlast, Strompreis und Förderung ab.

Brauche ich eine Genehmigung für Erdwärme?

Ja, für Sondenbohrungen ist meist eine wasserrechtliche Erlaubnis nötig, in einigen Gebieten sind Bohrungen eingeschränkt.

Wie lange hält eine Erdwärmepumpe?

Die Wärmepumpe selbst etwa 20 Jahre, die Sonden oft 50 Jahre und länger.

Funktioniert eine Erdwärmepumpe im Altbau?

Ja, wenn Heizlast und Vorlauftemperatur passen. Eine genaue Planung und gegebenenfalls einzelne Sanierungsmaßnahmen sind erforderlich.

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