Fliesen bohren ohne Risse: Bohrer, Technik und Anleitung

Ein falscher Bohrer oder die Schlagfunktion, und die Fliese ist hin. So bohrst du Löcher in Wandfliesen und Feinsteinzeug sauber, sicher und ohne Risse.

Last updated on Sep. 24, 2026

Veröffentlicht am Sep. 24, 2026

Fliesen bohren gehört zu den Aufgaben, vor denen viele Heimwerker Respekt haben. Zu Recht: Eine gesprungene Fliese im Bad lässt sich nur mühsam austauschen, und oft gibt es genau diese Fliese nicht mehr zu kaufen. Trotzdem musst du irgendwann ein Loch in die Fliesen bohren, für den Handtuchhalter, den Spiegelschrank, die Duschstange oder eine Küchenreling. Mit dem richtigen Bohrer und der passenden Technik ist das kein Hexenwerk. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Fliesen beim Bohren springen, welche Fliesenart welchen Bohrer braucht und wie du Schritt für Schritt vorgehst.

Warum Fliesen beim Bohren springen

Fliesen bestehen aus gebranntem Ton, der auf der Sichtseite mit einer harten Glasur überzogen ist. Diese Glasur ist spröde wie Glas. Trifft ein Bohrer mit Schlag oder zu viel Druck darauf, entstehen Spannungsrisse, die sich durch die ganze Fliese ziehen können. Hinzu kommt: Hinter vielen Fliesen, vor allem bei älteren Bädern, gibt es Hohlstellen, an denen der Kleber fehlt. Dort liegt die Fliese nicht voll auf und bricht bei Druck besonders leicht. Klopf deshalb vor dem Bohren mit dem Fingerknöchel auf die Fliese. Klingt sie hohl, bohre besonders vorsichtig oder weiche auf eine andere Stelle aus.

Der größte Fehler ist dabei weit verbreitet: Viele schalten die Schlagfunktion ein, weil sie denken, harte Materialien bräuchten Schlag. Bei Fliesen ist das Gegenteil der Fall. Der Schlag zertrümmert die Glasur und sprengt die Fliese. Schlag oder Hammerfunktion kommt erst ins Spiel, wenn du vollständig durch die Fliese bist und im Mauerwerk oder Beton dahinter weiterbohrst.

Welche Fliese hast du?

Die Fliesenart entscheidet über den Bohrer. Die meisten Wandfliesen in Bädern und Küchen bis etwa zum Jahr 2000 sind Steingut. Moderne Bodenfliesen und großformatige Wandfliesen sind dagegen häufig Feinsteinzeug, das extrem hart und dicht ist.

FliesenartErkennungsmerkmalHärteGeeigneter Bohrer
SteingutRückseite porös, meist Wandfliese, farbiger Scherbenweich bis mittelFliesenbohrer mit Hartmetallspitze
SteinzeugDichter Scherben, oft BodenfliesehartFliesenbohrer oder Diamantbohrer
FeinsteinzeugSehr dicht, durchgefärbt, Kante sieht aus wie Oberflächesehr hartDiamantbohrer, ab 6 mm Diamant-Hohlbohrkrone
NatursteinUnregelmäßige Struktur, Marmor, Granitje nach SteinDiamantbohrer
GlasmosaikGlassprödeGlas- oder Diamantbohrer

Ein einfacher Test: Schau dir eine Schnittkante oder die Rückseite einer Restfliese an. Ist sie porös, rötlich oder weiß und deutlich anders als die Oberseite, ist es Steingut. Wirkt sie dicht und gleichfarbig durchgehend, ist es Feinsteinzeug.

Die richtigen Bohrer und was sie kosten

Fliesenbohrer mit Hartmetallspitze

Der klassische Fliesen- und Glasbohrer hat eine speerförmige Hartmetallschneide. Er schabt sich durch die Glasur, statt zu schlagen. Für Steingut ist er ideal und günstig. Bei Feinsteinzeug stößt er an seine Grenzen: Er wird heiß, stumpf und kommt kaum voran.

Diamantbohrer

Diamantbohrer haben eine mit Industriediamanten besetzte Spitze oder Krone. Sie schleifen sich durch das Material. Für Feinsteinzeug, Naturstein und sehr harte Fliesen sind sie die einzige vernünftige Wahl. Es gibt sie als Vollbohrer für kleine Durchmesser und als Hohlbohrkronen für größere Löcher. Viele moderne Diamantbohrer sind wachsgekühlt und können trocken verwendet werden, andere brauchen Wasserkühlung.

Diamant-Bohrkronen für große Löcher

Für Steckdosen, Rohrdurchführungen oder Abflüsse brauchst du Bohrkronen mit 20 bis 68 Millimetern Durchmesser. Profis führen sie mit einer Bohrschablone, damit sie beim Anbohren nicht wandern.

WerkzeugEinsatzPreis ca.
Fliesenbohrer Hartmetall, EinzelnSteingut, 5 – 10 mm4 – 10 €
Fliesenbohrer-Set (4 – 5 Stück)Steingut12 – 25 €
Diamantbohrer, Einzeln (6 – 8 mm)Feinsteinzeug, Naturstein12 – 30 €
Diamant-Bohrkrone (35 – 68 mm)Steckdosen, Rohre20 – 60 €
Bohrschablone mit SaugfußFührung für Kronen15 – 40 €
Akku-BohrschrauberOhne Schlag, gute Drehzahlregelung60 – 200 €

Fliesen bohren: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Leitungen prüfen

Bevor du bohrst, stell sicher, dass hinter der Fliese keine Strom- oder Wasserleitungen liegen. Im Bad verlaufen Leitungen meist senkrecht über und unter Schaltern, Steckdosen und Armaturen sowie waagerecht in etwa 30 Zentimetern Abstand zu Decke und Boden. Ein Leitungssucher gibt zusätzliche Sicherheit, ist bei Fliesen aber nicht immer zuverlässig.

2. Bohrloch markieren

Klebe ein Stück Malerkrepp oder Gewebeband auf die Stelle und markiere das Loch mit Bleistift. Das Band verhindert, dass die Bohrerspitze auf der glatten Glasur abrutscht, und schützt die Oberfläche vor Kratzern. Bei großen Kronen hilft eine Bohrschablone.

3. Bohrmaschine einstellen

Schlagfunktion aus. Stell eine niedrige Drehzahl ein, beim Hartmetallbohrer etwa 400 bis 800 Umdrehungen pro Minute, beim Diamantbohrer nach Herstellerangabe. Ein Akku-Bohrschrauber ist oft besser geeignet als eine große Schlagbohrmaschine, weil du ihn feiner dosieren kannst.

4. Anbohren

Setz den Bohrer senkrecht an. Bei Diamantbohrkronen beginnst du leicht schräg, bis sich eine kleine Rille gebildet hat, und richtest die Maschine dann langsam auf. Bohre mit wenig Druck und lass den Bohrer arbeiten. Die Glasur ist die kritische Stelle, danach geht es leichter.

5. Kühlen

Diamantbohrer und Hartmetallbohrer werden beim Bohren durch Feinsteinzeug schnell heiß. Überhitzte Diamanten brechen aus, der Bohrer wird unbrauchbar. Sprüh regelmäßig Wasser auf die Bohrstelle oder zieh den Bohrer kurz heraus und tauche ihn in ein Glas Wasser. Achte darauf, dass kein Wasser in die Maschine gelangt, und arbeite im Bad nie an einer Steckdose, an der gerade Wasser herunterläuft.

6. Durch die Wand

Sobald du durch die Fliese bist, wechselst du auf einen Steinbohrer im gleichen Durchmesser und bohrst im Mauerwerk weiter. Jetzt darfst du, je nach Untergrund, auch die Schlagfunktion nutzen. Bei Beton ist ein Bohrhammer die bessere Wahl. Mehr zum Bohren in harten Untergründen findest du im Ratgeber zum Beton bohren.

7. Dübel setzen

Den Dübel setzt du so tief, dass er nicht in der Fliese spreizt, sondern erst im Mauerwerk dahinter. Ein spreizender Dübel in der Fliese kann sie von innen sprengen. Welche Dübel zu welchem Untergrund passen, zeigt der Beitrag über Dübel.

In die Fuge oder in die Fliese bohren?

Ein häufiger Tipp lautet: Bohr immer in die Fuge, dann kann nichts passieren. Das ist nur teilweise richtig. Der Vorteil der Fuge: Ein falsch gesetztes Loch lässt sich später unsichtbar verschließen, und du beschädigst keine Fliese. Der Nachteil: Fugen sind meist nur zwei bis drei Millimeter breit. Ein 6- oder 8-Millimeter-Loch reicht also immer in die Fliesenkanten hinein, und genau die Kanten platzen beim Bohren besonders leicht ab. Außerdem passen die Befestigungspunkte deines Handtuchhalters selten genau auf das Fugenraster.

Unsere Empfehlung: Für kleine Löcher und einfache Befestigungen ist die Fuge eine gute Option, wenn sie passt. Wenn nicht, bohr lieber mit dem richtigen Werkzeug mittig in die Fliese, als die Fliesenkante zu riskieren. Bohr aber nie direkt am Fliesenrand, halte mindestens 15 Millimeter Abstand.

Alternativen zum Bohren

Wenn du gemietet wohnst oder die Fliesen schonen willst, gibt es Alternativen. Hochwertige Klebesysteme für Badaccessoires tragen je nach Produkt 5 bis 15 Kilogramm, sofern der Untergrund glatt, fettfrei und nicht strukturiert ist. Für Spiegel und Regale gibt es Montagekleber. Duschstangen und Eckregale lassen sich auch klemmen. Für Hängeschränke, schwere Spiegelschränke oder Haltegriffe bleibt Bohren aber die sichere Lösung. Grundlagen zur sicheren Montage findest du im Ratgeber zum Regal an der Wand befestigen.

Fehlbohrung: Was tun?

Ein falsch gesetztes Loch in der Fliese kannst du mit Fliesenreparaturmasse oder farblich passendem Silikon verschließen. Bei einer gesprungenen Fliese hilft nur der Austausch: Fuge rundherum auskratzen, Fliese von der Mitte aus vorsichtig zerschlagen, Kleberreste entfernen und eine neue Fliese einsetzen. Wie du Fliesen ohne Schäden an den Nachbarfliesen entfernst, liest du im Ratgeber zum Fliesen entfernen, und wie du danach die Fugen erneuern kannst, in einem eigenen Beitrag. Für neue Löcher in exakten Maßen oder Aussparungen in der Ersatzfliese musst du die Fliesen schneiden. Hebe deshalb bei jeder Renovierung ein paar Ersatzfliesen auf.

Große Löcher für Steckdosen und Rohre

Für Aussparungen mit 35 bis 68 Millimetern Durchmesser, etwa für eine neue Unterputzdose oder eine Rohrdurchführung am Waschtisch, brauchst du eine Diamant-Bohrkrone. Die Krone schleift nur einen schmalen Ring aus, der Kern bleibt stehen. Setz die Bohrschablone mit Saugfuß auf die Fliese oder bohre durch eine Holzplatte mit vorgebohrtem Loch als Führung. Beginne leicht schräg, damit die Krone greift, und richte sie dann senkrecht aus. Kühle ununterbrochen mit Wasser, bei trockenen Kronen mit Wachskühlung zumindest mit Pausen. Nach dem Durchbohren der Fliese entfernst du den Kern und arbeitest im Mauerwerk mit einer normalen Dosenbohrkrone weiter. Hier gilt besondere Sorgfalt bei Leitungen, denn gerade an Steckdosenpositionen liegen Kabel.

Die häufigsten Fehler beim Fliesen bohren

  • Schlagfunktion eingeschaltet: Der häufigste Grund für gesprungene Fliesen.
  • Zu hohe Drehzahl: Der Bohrer überhitzt, wird stumpf oder die Diamanten brechen aus.
  • Zu viel Druck: Die Fliese bricht oder der Bohrer verläuft.
  • Falscher Bohrer: Ein Hartmetallbohrer in Feinsteinzeug dauert ewig und wird glühend heiß.
  • Dübel zu flach gesetzt: Der Dübel spreizt in der Fliese und sprengt sie.
  • Keine Kühlung: Besonders bei Diamantkronen der schnellste Weg zum kaputten Werkzeug.

FAQ: Häufige Fragen zum Fliesen bohren

Welchen Bohrer brauche ich für Fliesen?

Für Steingut-Wandfliesen reicht ein Fliesenbohrer mit Hartmetallspitze. Für Feinsteinzeug und Naturstein brauchst du einen Diamantbohrer.

Kann ich mit einem normalen Steinbohrer in Fliesen bohren?

Bei weichem Steingut funktioniert es ohne Schlag manchmal, das Risiko von Abplatzungen an der Glasur ist aber hoch. Ein spezieller Fliesenbohrer kostet nur wenige Euro und ist die sichere Wahl.

Mit oder ohne Schlag bohren?

Durch die Fliese immer ohne Schlag. Erst im Mauerwerk dahinter darfst du die Schlagfunktion zuschalten.

Was kostet ein Diamantbohrer für Feinsteinzeug?

Ein einzelner Diamantbohrer mit 6 bis 8 Millimetern kostet etwa 12 bis 30 Euro, Bohrkronen für große Löcher 20 bis 60 Euro.

Hilft Klebeband wirklich?

Ja, es verhindert das Abrutschen beim Anbohren und schützt die Glasur vor Kratzern. Gegen Risse durch Schlag oder Druck hilft es aber nicht.

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