Glaswolle gehört zu den am häufigsten verbauten Dämmstoffen in Deutschland. Sie steckt in Dachschrägen, Trockenbauwänden und Geschossdecken, ist günstig, nicht brennbar und lässt sich einfach verarbeiten. Gleichzeitig hat sie einen schlechten Ruf: Sie juckt, staubt und wird oft mit der alten, kritisch bewerteten Mineralwolle verwechselt. In diesem Ratgeber erfährst du, was Glaswolle genau ist, wie sie sich von Steinwolle unterscheidet, wo du sie einsetzt, was sie kostet und wie du sie sicher verarbeitest.
Was ist Glaswolle?
Glaswolle ist ein Dämmstoff aus feinen Glasfasern. Hergestellt wird sie aus Quarzsand, Altglas und weiteren mineralischen Zusätzen, die bei rund 1.300 bis 1.500 °C geschmolzen, zu Fasern gezogen und mit einem Bindemittel zu Matten, Filzen oder Platten verfestigt werden. Durch die Luft zwischen den Fasern dämmt sie gut gegen Wärme und Schall. Sie zählt zusammen mit der Steinwolle zur Gruppe der Mineralwolle. Den Überblick über die gesamte Gruppe findest du in unserem Beitrag zur Mineralwolle.
Produktarten, Preise und Einsatzgebiete einer bekannten Glaswolle-Marke findest du im Artikel zu Isover.
Typische Eigenschaften sind eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0,032 bis 0,040 W/(mK), die Einstufung als nicht brennbarer Baustoff (Baustoffklasse A1 beziehungsweise A2, je nach Produkt) und eine gute Schallabsorption. Auf Wasser reagiert Glaswolle empfindlich: Nasse Dämmung verliert einen Großteil ihrer Wirkung und muss getrocknet oder ersetzt werden.
Glaswolle oder Steinwolle: Die Unterschiede
| Eigenschaft | Glaswolle | Steinwolle |
|---|---|---|
| Rohstoff | Quarzsand, Altglas | Basalt, Diabas, Kalkstein |
| Farbe | gelb, weißlich | grau bis braun |
| Rohdichte | niedrig, ca. 15 bis 50 kg/m³ | höher, ca. 30 bis 150 kg/m³ |
| Wärmeleitfähigkeit | ca. 0,032 bis 0,040 W/(mK) | ca. 0,035 bis 0,040 W/(mK) |
| Temperaturbeständigkeit | ab ca. 700 °C Schmelzen | über 1.000 °C |
| Brandschutz | nicht brennbar (A1/A2) | nicht brennbar (A1) |
| Schallschutz | sehr gut in leichten Wänden | sehr gut, besonders bei Fassaden |
| Preis | meist etwas günstiger | meist etwas teurer |
| Verarbeitung | leicht, reizt aber die Haut | schwerer, etwas steifer |
Eine verbreitete Fehlannahme lautet: „Glaswolle dämmt besser als Steinwolle.“ Das ist so pauschal falsch. Beide erreichen ähnliche Dämmwerte. Die Unterschiede liegen im Gewicht, in der Temperaturbeständigkeit und im Preis. Für die Dämmung zwischen Dachsparren oder in Trockenbauwänden ist Glaswolle wegen ihrer geringen Dichte oft die praktischere Wahl, für Fassaden und Brandschutzanforderungen eher Steinwolle. Mehr dazu liest du im Beitrag zur Steinwolle-Dämmung.
Wo wird Glaswolle eingesetzt?
- Zwischensparrendämmung im Dach: Klemmfilze passen sich dem Sparrenabstand an. Mehr dazu im Ratgeber zur Zwischensparrendämmung.
- Oberste Geschossdecke: Auf dem Dachboden verlegt, spart sie Heizenergie. Hinweise zum Vorgehen gibt der Beitrag Oberste Geschossdecke dämmen.
- Trockenbauwände: Im Ständerwerk verbessert sie den Schallschutz deutlich. Die passenden Profile erklärt der Beitrag Rigips Profile.
- Holzständerwände und Fertighäuser: Als Gefachdämmung in der Außenwand.
- Akustik: Als Absorber hinter Paneelen oder in Zwischendecken.
Dämmstärke und Wärmeleitgruppe: Welche Glaswolle brauchst du?
Auf jeder Verpackung steht eine Wärmeleitgruppe (WLG), zum Beispiel 035 oder 032. Je kleiner die Zahl, desto besser dämmt das Material bei gleicher Dicke. Die Dicke bestimmt daneben den U-Wert deines Bauteils. Für Dachschrägen werden im Bestand häufig Dicken zwischen 14 und 20 cm eingebaut, bei Neubauten und Sanierungen nach aktuellem Standard oft mehr. Welche U-Werte erreicht werden müssen, hängt von Gebäudeenergiegesetz und Förderprogramm ab. Prüfe vor der Planung die aktuellen Anforderungen und, wenn du Förderung nutzen willst, die Bedingungen von KfW oder BAFA.
Die Kosten für die Dämmung eines gesamten Daches findest du im Beitrag Dachdämmung Kosten. Hier konzentrieren wir uns auf den Material- und Verarbeitungsaspekt.
Was kostet Glaswolle?
| Produkt | Dicke | Preis ca. pro m² |
|---|---|---|
| Klemmfilz WLG 035 | 100 mm | 5 bis 9 € |
| Klemmfilz WLG 035 | 160 mm | 8 bis 14 € |
| Klemmfilz WLG 032 | 200 mm | 12 bis 20 € |
| Rolle für Dachboden (ungekaschiert) | 200 mm | 8 bis 14 € |
| Trockenbau-Dämmplatte | 40 bis 60 mm | 4 bis 8 € |
| Zubehör: Dampfbremse, Klebeband | Gesamtfläche | 2 bis 5 € |
Die Preise unterscheiden sich je nach Händler, Hersteller (zum Beispiel Isover, Knauf Insulation oder Ursa) und Menge deutlich. Bei größeren Projekten lohnt ein Angebot vom Baustoffhandel. Für ein Dach von 100 m² Dämmfläche rechnest du bei 16 cm Klemmfilz allein für das Material mit etwa 800 bis 1.400 €, dazu kommen Unterkonstruktion, Dampfbremse und Verkleidung.
Glaswolle sicher verarbeiten
Glaswolle ist in der Verarbeitung unangenehm, aber mit der richtigen Ausrüstung gut zu beherrschen. Die feinen Fasern können die Haut reizen und Atemwege und Augen irritieren. Das ist eine mechanische Reizung durch Faserstaub, kein Giftstoff. Trage deshalb:
- Langärmelige Kleidung oder Einmal-Overall,
- Handschuhe, Schutzbrille und eine Staubschutzmaske der Klasse FFP2,
- bei Überkopfarbeiten zusätzlich eine Kopfbedeckung.
Schneide die Matten mit einem langen Dämmstoffmesser, nicht mit der Schere. Lege die Dämmung leicht überstehend in das Gefach, damit sie klemmt und keine Wärmebrücken entstehen. Sorge anschließend für eine luftdichte Ebene; sie schützt die Dämmung vor Feuchtigkeit aus der Raumluft.
Alte Mineralwolle: Vorsicht bei Altbauten
In Gebäuden, die vor etwa dem Jahr 2000 gedämmt wurden, kann Mineralwolle verbaut sein, deren Fasern nicht die heutigen Anforderungen an biolösliche Fasern erfüllen. Sie gilt als möglicherweise krebserzeugend, wenn sie in Form von lungengängigem Staub freigesetzt wird. Neue Produkte mit dem RAL-Gütezeichen oder einem entsprechenden Kennzeichen nach der Gefahrstoffverordnung sind dagegen als unbedenklich eingestuft. Wenn du Altdämmung ausbaust, sollte sie feucht gehalten, nicht zerstoßen und in dichten Säcken entsorgt werden. Erkundige dich bei deinem Entsorgungsbetrieb, wie Altbestände zu behandeln sind. Bei größeren Mengen ist ein Fachbetrieb ratsam.
Nachhaltigkeit und Alternativen
Glaswolle besteht zu einem erheblichen Teil aus Recyclingglas und lässt sich am Ende der Nutzung grundsätzlich recyceln, praktisch landet gebrauchte Dämmung aber meist auf der Deponie. Der Energieaufwand bei der Herstellung ist höher als bei Holzfaser oder Zellulose, wird aber durch die Einsparungen im Betrieb schnell kompensiert. Wer auf Naturdämmstoffe setzt, findet Alternativen etwa mit Holzfaser, Hanf oder Zellulose, die in der Regel teurer sind, dafür im Sommer besseren Hitzeschutz bieten.
Glaswolle im Dach verlegen: Schritt für Schritt
- Sparrenabstand messen: Klemmfilze werden mit Übermaß von etwa 1 bis 2 cm zugeschnitten, damit sie ohne Befestigung zwischen den Sparren halten.
- Zuschneiden: Mit einem langen Dämmstoffmesser auf einer festen Unterlage schneiden. Für gerade Kanten hilft ein Brett als Führung.
- Einklemmen: Den Filz von oben nach unten in das Gefach drücken, ohne ihn zu quetschen. Er soll die ganze Fläche ausfüllen, aber nicht ausbeulen.
- Fehlstellen schließen: Spalten an Sparren, Pfetten und Durchdringungen mit Reststücken füllen. Lücken sind Wärmebrücken.
- Dampfbremse anbringen: Raumseitig luftdicht, an Wänden und Durchdringungen mit Klebebändern sauber abgeklebt.
- Innenverkleidung: Danach folgt die Beplankung, etwa mit Gipskarton auf Lattung.
Plane für 40 m² Dachfläche einen Arbeitstag zu zweit ein, wenn die Sparren frei zugänglich sind.
Häufige Fehler mit Glaswolle
Der häufigste Fehler ist, die Dämmung zu stark zu stauchen. Zusammengedrückte Wolle verliert ihre Luftpolster und damit Dämmwirkung. Ebenso problematisch sind fehlende Luftdichtheit, bei der warme Raumluft in die Dämmung strömt und dort kondensiert, und Lücken an den Rändern. Nicht zuletzt wird Glaswolle manchmal in offenen Fassaden oder an Orten ohne Wetterschutz verbaut, wo sie nass wird. Prüfe außerdem, ob die Dämmung dort, wo sie Nässe ausgesetzt sein könnte, ein geeignetes Produkt ist, etwa als Perimeterdämmung (dafür nimmst du besser Hartschaum, siehe Perimeterdämmung).
Sommerlicher Hitzeschutz und Schallschutz mit Glaswolle
Im Dachgeschoss entscheidet nicht nur der Winter-U-Wert über den Komfort. Leichte Dämmstoffe wie Glaswolle speichern kaum Wärme und lassen die Sommerhitze schneller durch die Dachfläche als schwere Materialien wie Holzfaser. Wer ein Dachgeschoss als Wohnraum nutzt, sollte deshalb zusätzlich auf Verschattung, Aufdachdämmung oder eine Kombination mit einem schwereren Dämmstoff achten. Bei Schall sieht es umgekehrt aus: Im Ständerwerk von Innenwänden und Zwischendecken punktet Glaswolle, weil sie Schall in den Hohlräumen absorbiert und die Resonanz der Platten dämpft. Entscheidend ist ein passender Strömungswiderstand, den die Hersteller in den Datenblättern angeben.
Lagerung und Transport auf der Baustelle
Glaswolle wird meist komprimiert in Folie geliefert und geht beim Öffnen wieder auf. Lagere die Pakete trocken, am besten unter Dach, und öffne sie erst kurz vor der Verarbeitung. Gequetschte Rollen brauchen einige Zeit, bis sie wieder ihre volle Dicke erreichen. Schütze angebrochene Ballen vor Regen, denn nasse Wolle trocknet nur langsam und ist danach oft nicht mehr nutzbar. Beim Transport im Auto die Pakete nicht übereinanderstapeln, damit sie nicht dauerhaft verformt werden.
Brandschutz: Was „nicht brennbar“ wirklich bedeutet
Glaswolle trägt in vielen Produkten die Brandklasse A1 oder A2. Das heißt, der Dämmstoff selbst trägt nicht zum Brand bei. Allerdings sind die Bindemittel organisch und können bei sehr hoher Hitze verschwelen, und die Fasern schmelzen ab etwa 700 °C. Für Brandwände oder Bauteile mit Feuerwiderstandsdauer reicht deshalb nicht allein der Hinweis „nicht brennbar“. Hier zählt das geprüfte Gesamtsystem aus Dämmung, Platten und Befestigung. In Trockenbauwänden mit Anforderungen an den Feuerwiderstand nutzt du daher Produkte, die der Hersteller für das jeweilige System freigegeben hat, und achtest auf die vorgeschriebene Dicke und Rohdichte der Wolle.
FAQ: Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Glaswolle und Steinwolle?
Glaswolle besteht aus Quarzsand und Altglas, Steinwolle aus Basalt. Glaswolle ist leichter und etwas günstiger, Steinwolle dichter und hitzebeständiger. Beide dämmen vergleichbar gut und sind nicht brennbar.
Ist Glaswolle gesundheitsschädlich?
Moderne Glaswolle gilt nach heutigem Stand als unbedenklich, kann aber Haut, Augen und Atemwege reizen. Mit Schutzausrüstung ist die Verarbeitung problemlos. Bei Altmaterial aus der Zeit vor 2000 ist Vorsicht geboten.
Was kostet Glaswolle pro Quadratmeter?
Je nach Dicke und Wärmeleitgruppe etwa 5 bis 20 € pro m² Material. Für ein ganzes Dach kommen Unterkonstruktion und Dampfbremse hinzu.
Kann ich Glaswolle selbst verlegen?
Ja, in Dach, Decke und Trockenbau ist das ein typisches Eigenleistungsprojekt. Wichtig sind Schutzausrüstung, saubere Passung und eine luftdichte Ebene.
Wird Glaswolle mit der Zeit schlechter?
Bei trockenem Einbau bleibt die Dämmwirkung über Jahrzehnte erhalten. Feuchtigkeit und Setzungen in senkrechten Flächen können sie verringern.
Ist Glaswolle als Schalldämmung geeignet?
Ja, besonders in Wänden und Decken im Ständerwerk. Sie verbessert den Schallschutz, ersetzt aber keine schwere Masse. Die baulichen Anforderungen findest du in der DIN 4109.