MEM Dichtschlämme: Anwendung, Verbrauch und Kosten

MEM Dichtschlämme richtig anwenden: Einsatzgebiete, Schichten, Verbrauch, Kosten, Grenzen bei aufsteigender Feuchte und Praxistipps.

Last updated on Okt. 23, 2026

Veröffentlicht am Okt. 23, 2026

Feuchte Kellerwand, undichte Dusche, Wasser im Schacht der Zisterne: Wer mineralisch abdichten will, landet früh bei der Dichtschlämme. Unter den Markenprodukten taucht dabei besonders oft der Name MEM auf. In diesem Ratgeber erfährst du, was eine MEM Dichtschlämme ist, wofür sie sich eignet, wo ihre Grenzen liegen, wie du sie Schritt für Schritt verarbeitest und mit welchen Kosten du rechnen musst. Auch die häufigsten Fehler – und die verbreitetste Fehlannahme – kommen zur Sprache.

Wenn du dich zuerst allgemein mit dem Material beschäftigen willst, lohnt der Blick in unseren Grundlagenbeitrag zur Dichtschlämme als Schlüssel zu effektivem Abdichten. Hier geht es um das Markenprodukt und die praktische Anwendung. Beachte: Wir geben nur allgemeine Hinweise. Verbindlich sind immer das technische Merkblatt und die Verarbeitungsanleitung des Herstellers für das konkrete Produkt, das du kaufst.

Was ist eine MEM Dichtschlämme?

Dichtschlämmen sind mineralische, zementgebundene Beschichtungen. Du rührst ein Pulver mit Wasser (bei manchen Systemen auch mit einer Flüssigkomponente) an und trägst die streichfähige Masse mit Quast oder Bürste auf. Nach dem Aushärten entsteht eine wasserundurchlässige, mineralische Schicht, die mit dem Untergrund fest verbunden ist. Das Unternehmen MEM Bauchemie bietet solche Produkte für den Heimwerker- und Baumarkt-Bereich an; sie werden sowohl für Innen- als auch Außenanwendungen beworben, je nach Variante.

Typische Einsatzbereiche sind Kellerwände und -böden, Sockelbereiche, Schwimmbäder, Wasserbehälter, Duschen und Bäder (als Verbundabdichtung unter Fliesen), Balkone und Terrassen sowie Brunnenschächte und Zisternen. Ob ein bestimmtes Produkt für den jeweiligen Einsatz freigegeben ist, steht ausschließlich in dessen Produktdatenblatt. Das ist kein Detail, sondern der wichtigste Prüfpunkt: Manche Varianten sind für Trinkwasserkontakt oder drückendes Wasser ausgelegt, andere nicht.

Starr oder flexibel? Die Wahl der richtigen Variante

Dichtschlämmen unterscheiden sich vor allem in der Elastizität. Starre Produkte eignen sich für stabile, rissfreie Untergründe wie Beton und Mauerwerk im Keller. Flexible, kunststoffvergütete Varianten können feine Risse überbrücken und kommen häufiger bei Balkonen, Terrassen und Nassräumen mit Verbundabdichtung zum Einsatz. Die Entscheidung hängt von Untergrund, Bewegungen und Belastung ab.

EinsatzEmpfohlener Typ (allgemein)Wichtig zu prüfen
Keller innen, Mauerwerk/Betonstarre oder flexible mineralische DichtschlämmeFreigabe für den Einsatzzweck, Untergrund tragfähig
Dusche/Bad unter Fliesenflexible VerbundabdichtungDichtband in Ecken, Fliesenkleber-Verträglichkeit
Balkon/Terrasseflexible DichtschlämmeRissüberbrückung, Frostbeständigkeit
Zisterne, WasserbehälterProdukt mit Freigabe für den BehälterBrauchwasser oder Trinkwasser? Herstellerfreigabe nötig
Außenabdichtung erdberührtnur wenn für die Außenabdichtung freigegebenIn der Regel zusätzliche Schutzschicht und Planung nötig

Anwendung Schritt für Schritt

  • Untergrund prüfen und vorbereiten: Er muss fest, sauber, tragfähig und frei von Öl, Farbresten und losen Teilen sein. Alte Anstriche und Schlämmen entfernen, Ausblühungen abbürsten.
  • Fehlstellen reparieren: Löcher, Risse und Mörtelfugen mit geeignetem Reparaturmörtel schließen. Hohlkehlen in Ecken und Übergängen ausbilden.
  • Untergrund vornässen: Mineralische Untergründe werden mattfeucht gemacht, damit sie der Schlämme nicht zu schnell Wasser entziehen. Stehendes Wasser darf nicht vorhanden sein.
  • Anmischen: Mischverhältnis laut Datenblatt einhalten, klumpenfrei rühren und kurz reifen lassen, bevor du erneut aufrührst.
  • Erste Schicht auftragen: Gleichmäßig mit Quast oder Bürste kreuzweise verstreichen, nicht zu dünn. Ecken und Kanten besonders sorgfältig.
  • Zweite Schicht nach dem Anziehen: Erst auftragen, wenn die erste begehbar bzw. angezogen ist (Zeitangaben im Datenblatt). Insgesamt sind meist mindestens zwei Arbeitsgänge nötig.
  • Nachbehandlung: Frisch aufgetragene Flächen vor zu schneller Austrocknung, Zugluft und Frost schützen und bei Bedarf feucht halten.
  • Aushärten lassen: Erst nach der vom Hersteller genannten Zeit belasten, fliesen oder mit Wasser beaufschlagen.

Typische Fehler sind zu dünner Auftrag, fehlende zweite Schicht, ein nicht gereinigter Untergrund und Arbeiten bei Frost oder praller Sonne. Wer mehrere Schichten benötigt, sollte die Zwischentrocknungszeiten genau einhalten, sonst leidet die Haftung.

Grenzen der Dichtschlämme: Was sie nicht kann

Die häufigste Fehlannahme lautet: „Mit Dichtschlämme ist jeder feuchte Keller dauerhaft trocken.“ Das stimmt so nicht. Eine mineralische Schlämme kann Wasser an einer Oberfläche zurückhalten – sie behebt aber nicht die Ursache der Feuchtigkeit. Steigt Wasser kapillar im Mauerwerk auf, weil die Horizontalsperre fehlt oder defekt ist, drückt es hinter der Schlämme weiter nach oben oder seitlich aus. Salze lagern sich ab, der Putz oberhalb der abgedichteten Zone wird feucht. Auch bei Wasser, das von außen mit hohem Druck gegen die Wand steht, ersetzt eine Innenabdichtung keine fachgerechte Außenabdichtung nach der einschlägigen Norm. Wie du Ursachen systematisch einordnest, steht in unseren Beiträgen zum feuchten Keller und zur Kellerabdichtung.

Weitere Grenzen: Auf stark salzbelastetem oder durchfeuchtetem Mauerwerk haftet die Schlämme schlecht. Auf Gipsputz, Holz, Metall und Anstrichen funktioniert sie in der Regel nicht ohne Spezialvorbehandlung. Bei bewegten Rissen helfen starre Produkte nicht. Und bei Schimmel an der Wand musst du zuerst die Ursache beseitigen – mehr dazu im Ratgeber Schimmel entfernen.

Kosten und Verbrauch

Der Verbrauch hängt von der Schichtdicke ab und unterscheidet sich je nach Produkt. Als grober Anhaltspunkt für mineralische Dichtschlämmen wird oft von etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Pulver pro Quadratmeter und Millimeter Schichtdicke gesprochen; bei zwei Arbeitsgängen mit insgesamt rund 2 bis 3 Millimetern ergibt das einen Materialbedarf von etwa 3 bis 6 Kilogramm pro Quadratmeter. Den genauen Wert findest du im Datenblatt deines Produkts.

PostenCa.-SpanneHinweis
Dichtschlämme (Material)ca. 3–8 €/m²bei zwei Schichten, abhängig von Produkt und Gebindegröße
Grundierung/Voranstrich, falls nötigca. 1–3 €/m²je nach Untergrund
Dichtband für Ecken/Anschlüsseca. 2–6 € je lfmbei Bad und Dusche Pflicht
Werkzeug (Quast, Rührer, Eimer)ca. 20–50 € einmaligoft schon vorhanden
Fachbetrieb inkl. Materialca. 30–80 €/m²Regionen, Untergrund und Aufwand unterscheiden sich stark

Für einen 15 Quadratmeter großen Kellerraum mit Wand- und Bodenflächen kommst du bei Eigenleistung also oft mit einigen hundert Euro Materialkosten aus. Bei Beauftragung eines Fachbetriebs sind mehrere tausend Euro realistisch, vor allem wenn Untergrundsanierung dazukommt. Alle Werte sind Orientierung – hole für größere Flächen echte Angebote ein.

Einsatz in Bad, Keller, Zisterne und Bodenaufbau

Im Bad wird die Dichtschlämme als Verbundabdichtung unter Fliesen verwendet. Sie ersetzt dort die früher übliche Abdichtung mit Bahnen. Wichtig sind passende Dichtbänder an Wand-Boden-Übergängen und Rohrdurchführungen, sonst bleibt die Schwachstelle offen. Im Keller dichtest du Wandfüße, Bodenflächen und Fugen ab, bevor du Estrich oder Bodenbelag aufbringst. Soll später Parkett oder ein anderer feuchteempfindlicher Belag darauf, ist ein trockener Untergrund Pflicht – welche Kosten und Anforderungen dabei anfallen, zeigt unser Artikel zu den Kosten beim Parkett verlegen.

Bei Zisternen und Wasserbehältern verwenden Heimwerker mitunter eine Dichtschlämme zur Nachbesserung von Fugen und Undichtigkeiten. Prüfe die Freigabe für Brauch- oder Trinkwasser im Datenblatt; mehr zur Bauweise findest du im Ratgeber zur Zisterne aus Beton. Für Dachflächen und Flachdächer gelten andere Systeme, mehr dazu im Beitrag Flachdach abdichten.

Dichtschlämme im Vergleich zu Alternativen

  • Bitumendickbeschichtung: Klassiker für erdberührte Außenabdichtung, flexibel, aber nicht für den Sichtbereich oder als Fliesenuntergrund.
  • Flüssigkunststoff/Abdichtungsfolie: Gut für Balkone, Dächer und Detailpunkte, meist teurer und aufwendiger.
  • Dichtungsbahnen: Zuverlässig bei Planung durch Fachleute, aber für Heimwerker schwierig zu verarbeiten.
  • Sperrputz/Sanierputz: Reguliert Feuchtigkeit und Salze, dichtet aber nicht gegen Druckwasser ab.

Mineralische Dichtschlämmen punkten durch einfache Verarbeitung, gute Haftung auf mineralischen Untergründen und ihren Preis. Ihre Schwächen sind die begrenzte Rissüberbrückung bei starren Varianten und die Abhängigkeit vom Untergrund. Wer mehr zur Auswahl wissen möchte, kann sich im Beitrag Dichtschlämme einen Überblick verschaffen.

Arbeitsschutz und Praxistipps

Zementgebundene Produkte reagieren alkalisch. Trage deshalb Handschuhe, eine Schutzbrille und bei Staubentwicklung beim Anmischen eine Atemschutzmaske. Spritzer auf der Haut sofort mit viel Wasser abspülen. Arbeite bei Temperaturen im vom Hersteller genannten Bereich – meist deutlich oberhalb des Gefrierpunkts, aber auch nicht in praller Sonne oder bei starker Zugluft, denn zu schnelle Austrocknung führt zu Rissen und schlechter Haftung.

Ein paar Praxistipps aus der Erfahrung vieler Heimwerker: Rühre immer nur so viel an, wie du innerhalb der Verarbeitungszeit aufbringen kannst. Ein Rührquirl auf der Bohrmaschine mit niedriger Drehzahl verhindert Lufteinschlüsse. Dokumentiere bei größeren Projekten die Arbeitsschritte mit Fotos, am besten samt Schichtdickenkontrolle, falls später Gewährleistungsfragen auftauchen. Und bedenke: Bei schweren Feuchteschäden, Schimmelbefall in großem Umfang oder statisch relevanten Rissen gehört die Beurteilung in die Hand eines Sachverständigen. Die beste Abdichtung hilft nichts, wenn die Ursache unerkannt bleibt.

Zum Schluss noch eine Entscheidungshilfe: Frage dich vor dem Kauf, ob du eine reine Oberflächenabdichtung, eine Verbundabdichtung unter Fliesen oder eine Reparatur an einem Wasserbehälter brauchst. Je nach Antwort unterscheiden sich Produkt, Schichtdicke und Zubehör. Wer unsicher ist, spart mit einer kurzen Beratung im Fachhandel oft mehr, als die Fehlkäufe an Material kosten würden.

Häufige Fragen (FAQ)

Wofür eignet sich die MEM Dichtschlämme?

Für mineralische Untergründe wie Beton und Mauerwerk im Keller, für Bäder, Duschen, Balkone und Wasserbehälter – je nach Produktvariante. Die genaue Eignung steht im technischen Merkblatt des Produkts, nicht in allgemeinen Ratgebern.

Wie viele Schichten braucht Dichtschlämme?

In der Regel mindestens zwei Arbeitsgänge, damit eine geschlossene, ausreichend dicke Schicht entsteht. Halte die Zwischentrocknungszeit aus dem Datenblatt ein.

Hilft Dichtschlämme gegen aufsteigende Feuchtigkeit?

Nicht zuverlässig. Aufsteigende Feuchte ist ein Problem der fehlenden oder defekten Horizontalsperre. Eine Dichtschlämme kann das Wasser nur verlagern. Eine Ursachenanalyse ist nötig.

Kann ich Fliesen direkt auf Dichtschlämme kleben?

Bei geeigneten Verbundabdichtungen ja – mit dem vom Hersteller freigegebenen Fliesenkleber und nach Ablauf der Trocknungszeit. Dichtbänder an Anschlüssen sind Pflicht.

Wie lange muss die Dichtschlämme trocknen?

Das hängt von Produkt, Schichtdicke, Temperatur und Luftfeuchte ab. Typisch sind Wartezeiten von einigen Stunden zwischen den Schichten und mehrere Tage bis zur Vollbelastung. Verbindlich ist das Datenblatt.

Was kostet die Abdichtung mit Dichtschlämme?

Als Material oft ca. 3 bis 8 Euro pro Quadratmeter bei zwei Schichten. Mit Fachbetrieb liegen die Gesamtkosten häufig bei ca. 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter, abhängig vom Aufwand.

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