Rigipswand: Plattentypen, Aufbau, Kosten & Schallschutz
Rigipswand ist der umgangssprachliche Begriff für jede Wand aus Gipskartonplatten auf Metallständerwerk – egal ob die Platten von Rigips, Knauf, Saint-Gobain oder einem anderen Hersteller stammen. Diese Bauweise hat die Innenraumgestaltung revolutioniert: Schnell, günstig, trocken und mit enormer Gestaltungsfreiheit. Dieser Ratgeber erklärt alle Plattentypen, wann welcher passt, wie der Aufbau funktioniert und was häufige Fehler sind.
Gipskartonplatten: Der richtige Typ ist entscheidend
Den häufigsten Fehler machen Heimwerker bei der Wahl des falschen Plattentyps – besonders im Bad oder bei Brandschutzanforderungen:
- GKB (Gipskarton-Bauplatte, graue Farbe): Standard für alle trockenen Innenräume. Deckenschicht aus Karton, Gipskern. Dicken: 9,5 mm (für Bögen und Kurven), 12,5 mm (Standard, alle normalen Trennwände), 15 mm (Schallschutz, Deckenbeplankung), 18 mm (Großplatten mit höherer Druckfestigkeit). Maße Standard: 1,25 × 2,0 m und 1,25 × 2,6 m.
- GKBI (Feuchtraum-Imprägnierplatte, grün): Hydrophobiert – resistent gegen dauerhaft erhöhte Luftfeuchtigkeit bis 70 % rF. Für Bäder, Küchen, Keller. Niemals direktem Wasserauftrag aussetzen! Im Spritzbereich (Dusche, Wanne) zusätzlich Abdichtungsfolie (Schlüter DITRA, Wedi, Schlüter KERDI) nötig, dann erst fliesen.
- GKF (Feuerschutzplatte, rot): Faserverstärkter Gipskern mit erhöhtem Kristallwasseranteil – bei Brand wird Kristallwasser freigesetzt und kühlt. Brandschutzklasse F30 (bis F90 mit mehrfacher Beplankung). Für Treppenräume, Technikräume, Flucht- und Rettungswege. Pflicht nach Landesbauordnungen in diesen Bereichen.
- GKFI (Feuchtraum + Feuerschutz, grün-rot): Kombination beider Eigenschaften. Für Heizräume, technische Nassräume mit Brandschutzanforderungen.
- GKL (Lochplatte für Akustik): Perforierter Gipskern für Schallabsorption – verbessert Raumakustik (weniger Nachhall). Nicht für Trennwände, sondern für Deckenverkleidungen in Konferenzräumen, Studios, Büros.
Metallprofile: Aufgaben und Auswahl
- UW-Profil (U-Wandläufer): Bodenläufer und Deckläufer. Nimmt die senkrechten Ständer auf. Größtes Risiko: Schallbrücke durch direkten Metallkontakt zu Boden/Decke. Lösung: immer Akustik-Dämmstreifen auf der Rückseite des Profils aufkleben – ca. 5 mm Selbstklebestreifen, der das Metall akustisch vom Untergrund entkoppelt.
- CW-Profil (C-Ständerprofil): Senkrechte Stützen im Raster 62,5 cm. Schmalere Profile: 50 mm (Standard, Schallschutz ca. 38–45 dB), 75 mm (besser, ca. 45–52 dB), 100 mm (maximaler Schallschutz, ca. 52–60 dB mit doppelter Beplankung).
- UA-Profil (verstärkter Ständer): Für Türrahmen und höhere Belastungen. Dickere Stahlwandung als CW, deutlich stabiler.
Bauanleitung: Schritt für Schritt
- 1. Planung: Wandverlauf mit Laser markieren, Türöffnung und Steckdosen vorab festlegen, Elektro vorab planen
- 2. UW-Profile: Dämmstreifen aufkleben, alle 50 cm dübeln. Auf Beton: Vorbohrung + Kunststoffdübel. Ständer 10–15 mm kürzer als Raumhöhe einplanen
- 3. CW-Ständer: Im 62,5 cm Raster einclipsen, alle senkrecht ausrichten. Nicht verschrauben – senkrechtes Spiel muss erhalten bleiben
- 4. Türöffnung: UA-Profile als Türpfosten, Türsturzprofil auf Höhe, darüber 2 CW-Profile bis zur Decke
- 5. Elektro: Leitungen durch vorgestanzte Löcher führen, Hohlraumdosen setzen. Fachbetrieb für alles ab Verteilerkasten
- 6. Erste Beplankung: 3–4 mm Bodenabstand (Abstandskeile!), kein Kreuzfugenmuster (Platten versetzt!), Schraubenabstand 25 cm, Köpfe leicht eindrücken
- 7. Dämmung: Mineralwolle einlegen, Atemschutz tragen
- 8. Zweite Beplankung: 25 cm Fugenversatz, ausreichend lange Schrauben
- 9. Verspachteln: Grundierung → Gewebeband + Fugengips → Schraubenköpfe abdecken → schleifen → Tiefengrund → streichen
Schallschutzwerte: Was realistisch erreichbar ist
- CW-50, einfach beplankt: Rw ca. 38–42 dB (hörbare Gespräche)
- CW-50, doppelt beplankt + Wolle: Rw ca. 47–52 dB (Gespräche kaum verständlich)
- CW-75, doppelt beplankt + Wolle: Rw ca. 52–56 dB (DIN-4109-Anforderung erfüllt)
- Doppelständerwand entkoppelt: Rw ca. 60–68 dB (maximaler Schutz)
Tragfähigkeit: Was darf man aufhängen?
- Leichte Bilder, Spiegel bis 10 kg: normale Hohlraumdübel reichen
- Schränke, Regale bis 30 kg: spezielle GK-Dübel (Kippdübel, Metall-Spreizdübel)
- Küchenschränke, Heizkörper 50+ kg: beim Bau Holzriegel oder Stahlprofile zwischen Ständer einbauen
- Wandmontierte WCs, Waschtische: Unterkonstruktion beim Bau einplanen
Kosten 2026
- Material einfache Wand (10 m²): 70–160 €
- Komplett mit Handwerker: 40–80 €/m²
- Doppelt beplankt Schallschutz: 65–110 €/m²
- Feuchtraum GKBI: +5–12 €/m²
- Brandschutz GKF: +8–15 €/m²
FAQ
Warum reißen Fugen meiner Rigipswand?Häufigste Ursache: kein Gewebeband in den Fugen beim Verspachteln. Fugen ohne Gewebeband reißen durch Schwingungen innerhalb von Monaten auf. Reparatur: Putz herausschlagen, Gewebeband einbetten, neu verspachteln.
Kann man Rigipswände schleifen?Ja, nach dem Verspachteln die gesamte Fläche leicht anschleifen (120er Körnung). Vorsicht: nicht zu stark schleifen, da sonst der Karton beschädigt wird und Flecken entstehen.
Wann brauche ich GKF statt GKB?GKF ist Pflicht überall, wo die Landesbauordnung oder Baugenehmigung Brandschutz F30 oder mehr fordert: Treppenräume, Heizräume, Technikräume, Schächte. Im normalen Wohnbau reicht GKB.