Wenn eine große Hornisse über die Terrasse brummt, stellt sich schnell die Frage: Was fressen Hornissen eigentlich – und sind es dein Obstkuchen, deine Bienen oder gar du selbst? Die Antwort ist überraschend unspektakulär. Hornissen sind in erster Linie Insektenjäger, die ihre Brut mit Fliegen, Wespen und Raupen versorgen, und sie ernähren sich selbst von zuckerhaltigen Säften. In diesem Ratgeber erfährst du, was auf dem Speiseplan steht, wie sich die Ernährung im Jahresverlauf verändert und was das für deinen Garten und dein Haus bedeutet.
Was fressen Hornissen? Die Kurzantwort
Die Ernährung der Europäischen Hornisse (Vespa crabro) ist zweigeteilt. Erwachsene Tiere leben von Zucker: Baumsäfte, überreifes Fallobst, Nektar und der süße Saft, den die Larven abgeben. Die Larven dagegen brauchen Eiweiß. Deshalb jagen die Arbeiterinnen andere Insekten, zerkauen sie zu einem Fleischbällchen und tragen es ins Nest. Ohne diese Doppelstrategie könnte ein Hornissenvolk nicht wachsen.
| Wer frisst? | Was steht auf dem Speiseplan? | Wozu? |
|---|---|---|
| Erwachsene Hornissen | Baumsaft (z. B. von Eichen und Eschen), reifes Obst, Nektar, süße Säfte | Energie für Flug und Nestbau |
| Larven im Nest | Zerkaute Insekten, die die Arbeiterinnen bringen | Wachstum und Entwicklung |
| Königin im Frühjahr | Zuckerhaltige Säfte, erste selbst gefangene Insekten | Gründung des Volkes |
| Arbeiterinnen | Beides: Zucker für sich, Beute für die Brut | Versorgung des gesamten Staates |
Der Speiseplan der Erwachsenen: Zucker statt Fleisch
Erwachsene Hornissen können feste Nahrung nur eingeschränkt verwerten. Sie zerkauen ihre Beute zwar, schlucken aber vor allem den Saft und geben das Eiweiß an die Larven weiter. Dafür bekommen sie von den Larven ein zuckerhaltiges Sekret zurück – ein echtes Tauschgeschäft im Nest. Für den eigenen Energiebedarf nutzen sie vor allem:
- Baumsäfte: Hornissen nagen die Rinde junger Zweige an, etwa bei Flieder, Esche oder Birke, und lecken den austretenden Saft. Dabei können sichtbare Ringelungen entstehen.
- Obst: Überreife Äpfel, Birnen, Pflaumen und Trauben werden angeflogen, besonders wenn sie bereits aufgeplatzt sind.
- Nektar: Efeublüten im Herbst sind ein beliebter Treffpunkt, ebenso Doldenblütler.
- Süße Getränke: Limonade und Fruchtsaft locken sie an, allerdings deutlich seltener als Wespen.
Wichtig für den Alltag: Hornissen interessieren sich kaum für deinen Teller. Wer im Sommer draußen isst, wird von Wespen sehr viel häufiger belästigt als von Hornissen.
Die Beute: Welche Insekten jagen Hornissen?
Für die Aufzucht der Brut jagen Hornissen ein breites Spektrum an Insekten. Sie sind Opportunisten und nehmen, was sich leicht fangen lässt. Zur Beute zählen:
- Fliegen und Bremsen – die häufigste Beute, oft an Viehweiden oder Komposthaufen erwischt
- Wespen – einschließlich Gemeiner und Deutscher Wespe, weshalb Hornissen für einen Garten durchaus nützlich sind
- Raupen und Schmetterlinge – auch Schädlinge im Obst- und Gemüsegarten
- Libellen, Heuschrecken und Käfer – seltener, aber belegt
- Honigbienen – gelegentlich, meist am Flugloch oder an Blüten
Ein starkes Hornissenvolk kann an einem Sommertag mehrere hundert Gramm Insekten eintragen; häufig werden Größenordnungen von bis zu einem halben Kilogramm genannt. Das ist ein bedeutender Beitrag zur natürlichen Schädlingsregulierung – ein Argument, das viele Gartenbesitzer überrascht.
Fressen Hornissen Bienen?
Ja, aber in einem Maß, das Imker in aller Regel verkraften. Einzelne Hornissen lauern vor Bienenstöcken und fangen Bienen im Flug. Ein gesundes Bienenvolk wehrt das ab, und der Anteil der Bienen an der Hornissenbeute ist vergleichsweise klein. Anders sieht es bei der eingeschleppten Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) aus, die gezielt Honigbienen jagt und für Imker ein echtes Problem ist. Verwechsle die beiden nicht: Die heimische Hornisse ist größer, rötlich-braun mit gelbem Hinterleib, die Asiatische dunkler mit gelben Beinspitzen.
Verbreitete Fehlannahme: Hornissen sind keine Grillgäste
Immer wieder heißt es, Hornissen seien aggressiv hinter Fleisch und Süßem her und würden gezielt Menschen angreifen. Das stimmt so nicht. Die Tiere gehören zu den friedlichsten Faltenwespen, solange du ihrem Nest nicht zu nahe kommst. Auch der oft zitierte Satz „Drei Stiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd“ ist ein Mythos. Der Stich ist schmerzhaft, das Gift aber nicht stärker als das einer Wespe. Gefährlich wird es nur bei Allergie – mehr dazu in unserem Ratgeber zum Thema Hornisse gefährlich und im Beitrag zum Hornissenstich.
Ernährung im Jahresverlauf
Die Nahrung verändert sich mit dem Lebenszyklus des Volkes. Im Frühjahr gründet die überwinterte Königin allein ein Nest und ernährt sich von Baumsaft und ersten Insekten. Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese die Jagd. Im Hochsommer erreicht das Volk seine maximale Größe von meist einigen hundert Tieren und braucht entsprechend viel Eiweiß. Im Spätsommer entstehen neue Königinnen und Drohnen, und der Zuckerbedarf steigt: Jetzt siehst du Hornissen häufiger an Fallobst und Efeu. Im Herbst stirbt das Volk, nur die begatteten jungen Königinnen überwintern.
| Zeitraum | Schwerpunkt der Nahrung | Was du im Garten siehst |
|---|---|---|
| April bis Mai | Baumsaft, erste Insekten | Einzelne Königin sucht Nistplatz |
| Juni bis Juli | Viel Insektenbeute für die Brut | Jagdflüge an Weiden, Komposthaufen, Hecken |
| August bis September | Zuckerreiche Nahrung nimmt zu | Hornissen an Fallobst und Rindenwunden |
| Oktober | Nektar von Efeu, Restverwertung | Volk löst sich auf |
Hornissen nachts und am Licht: Warum sie Lampen anfliegen
Anders als Wespen sind Hornissen auch in der Dämmerung und nachts aktiv. Sie fliegen dann gerne beleuchtete Fenster und Lampen an, weil sie sich am Licht orientieren und dort Nachtfalter erwischen. Wenn eine Hornisse abends ins Zimmer kommt, ist das also kein Angriff, sondern Orientierungslosigkeit. Mach das Licht aus, öffne das Fenster und warte ab; die Tiere finden fast immer von selbst wieder hinaus. Insektenschutzgitter und Rollos halten sie zuverlässig draußen.
Was bedeutet das für dein Haus und deinen Garten?
Ein Hornissennest an der Fassade, im Rollladenkasten oder im Dachstuhl sorgt für Unruhe. Rechtlich ist die Lage eindeutig: Hornissen sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Nester dürfen nicht eigenmächtig zerstört werden, Verstöße können mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Meist ist ein Zusammenleben möglich, weil das Volk nur einen Sommer lang besteht und das Nest im Folgejahr nicht wieder bezogen wird. Wenn das Nest doch ungünstig sitzt, ist der richtige Weg die Meldung bei der unteren Naturschutzbehörde oder einem anerkannten Hornissenberater. Wie das abläuft und was erlaubt ist, erklären wir in der Anleitung Hornissen: Wie entfernt man ein Nest?.
Pflege außerdem den Lebensraum, wenn du Hornissen im Garten tolerieren möchtest: Ein paar Obstbäume mit etwas Fallobst, naturnahe Hecken und Totholz bieten ihnen alles, was sie brauchen. Die Königin eines Volkes spielt dabei die entscheidende Rolle, wie du im Beitrag zur Hornissenkönigin nachlesen kannst. Und wenn dich interessiert, wie groß die Tiere werden, hilft dir unser Artikel zur Hornissen-Größe weiter.
So hältst du Hornissen vom Essen fern
- Decke Speisen und Getränke im Freien ab, besonders süße Getränke in offenen Gläsern.
- Sammle Fallobst zeitnah auf, sobald es zu gären beginnt.
- Stelle Mülleimer mit Deckel auf und halte sie sauber.
- Wedle nicht hektisch und schlage nicht nach den Tieren; ruhiges Verhalten verhindert Stiche.
- Montiere Insektenschutz an Fenstern, wenn abends Licht brennt.
Ehrliche Einordnung: Nutzen und Grenzen
Hornissen sind nützlich, aber kein Wundermittel gegen Schädlinge. Ein Volk jagt vor allem dort, wo viel Beute fliegt, und es unterscheidet nicht zwischen Schädling und Nützling. Auch Schwebfliegen und gelegentlich Bienen landen im Nest. Sie fressen außerdem Baumrinde an und können junge Ziersträucher beschädigen. Für die meisten Gärten überwiegt dennoch der Nutzen, zumal die Tiere ihr Nest nur einmal im Jahr bauen und im Herbst wieder verschwinden.
Wie fressen Hornissen? Der Ablauf bei der Jagd
Hornissen jagen im Flug oder lauern auf Blättern und Zweigen. Haben sie ein Insekt gepackt, töten sie es mit dem kräftigen Oberkiefer und beißen Flügel, Beine und Kopf ab. Übrig bleibt der eiweißreiche Brustabschnitt, den die Arbeiterin zu einem kompakten Bällchen verarbeitet. Dieses Bällchen wird ins Nest getragen und an die Larven verteilt. Die Larven verwerten das Eiweiß und scheiden dafür ein süßes Sekret aus, von dem sich die Arbeiterinnen ernähren. So entsteht ein geschlossener Nahrungskreislauf, der das gesamte Volk versorgt.
Auffällig ist dabei die Effizienz. Hornissen sind deutlich größere und kräftigere Jäger als Wespen und können auch wehrhafte Beute überwältigen. Gleichzeitig vermeiden sie unnötige Konflikte: Sie jagen vorwiegend in der Nähe ihres Nests, also in einem Radius von einigen hundert Metern, und kehren auf direktem Weg zurück. Wer den Flugweg kennt, kann Terrasse und Sitzplatz so legen, dass sie nicht im Flugkorridor liegen.
Wann Hornissen zum Problem für Obst und Bäume werden
Im Spätsommer fressen Hornissen verstärkt an reifem Obst und Rindenwunden. Das ist für einen Obstgarten selten ein Schaden, weil sie vor allem bereits aufgeplatzte oder faulende Früchte nutzen. Etwas anderes gilt für Ziergehölze: Wiederholtes Benagen junger Zweige kann einzelne Triebe schwächen. Wer empfindliche Sträucher hat, schützt sie notfalls mit einem Netz. Eine Vernichtung der Tiere ist dafür nie nötig – und wegen des Artenschutzes ohnehin verboten.
FAQ: Häufige Fragen
Was fressen Hornissen am liebsten?
Erwachsene Hornissen bevorzugen Zucker: Baumsaft, reifes Obst und Nektar. Die Larven werden mit Insekten wie Fliegen, Wespen und Raupen gefüttert.
Fressen Hornissen Wespen?
Ja, Wespen gehören zu ihrer Beute. Hornissen können dadurch Wespenpopulationen im Umfeld des Nests verringern, auch wenn das keine verlässliche Wespenbekämpfung ersetzt.
Fressen Hornissen Honigbienen?
Gelegentlich. Die heimische Hornisse fängt vereinzelt Bienen, für starke Völker ist das meist verkraftbar. Die Asiatische Hornisse ist für Imker deutlich problematischer.
Fressen Hornissen Holz?
Nein. Sie raspeln Holz und Rinde ab, um daraus Papier für das Nest herzustellen, ernähren sich davon aber nicht. An Zweigen nagen sie, um an den Saft zu kommen.
Gehen Hornissen an Fleisch und Wurst?
Selten und nur in kleinen Mengen. Sie sind deutlich weniger an Grillgut interessiert als Wespen.
Darf ich ein Hornissennest entfernen?
Nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde. Hornissen sind besonders geschützt, eigenmächtiges Beseitigen kann ein Bußgeld nach sich ziehen.