Ankleidezimmer planen: Grundriss, Maße, Ausstattung und Kosten

Ankleidezimmer planen mit System: Mindestmaße, Grundriss-Typen, Innenaufteilung nach Kleidungsart, Licht, Belüftung und realistische Kosten pro laufendem Meter.

Last updated on Sep. 17, 2026

Veröffentlicht am Sep. 17, 2026

Ein Ankleidezimmer gilt als Luxus. Rechnerisch ist es oft das Gegenteil: Ein begehbarer Kleiderschrank von 6 Quadratmetern nimmt weniger Fläche in Anspruch als die Schrankfront plus Öffnungsfläche, die dieselbe Kleidungsmenge im Schlafzimmer belegen würde – und er kostet pro Kubikmeter Stauraum deutlich weniger als ein hochwertiger Schrank.

Diese Anleitung zeigt dir, ab welcher Fläche eine Ankleide funktioniert, welche Grundrisse sich eignen, wie du die Innenaufteilung berechnest und was das Ganze realistisch kostet.

Ab wann lohnt sich ein Ankleidezimmer?

Die Untergrenze liegt bei etwa 4 Quadratmetern. Darunter entsteht ein Schlauch, in dem du dich nicht drehen kannst. Angenehm wird es ab 6 bis 8 Quadratmetern, mehr als 10 braucht kaum ein Haushalt.

Der Vergleich mit dem Kleiderschrank fällt eindeutiger aus, als viele erwarten. Ein Paar braucht rund 2,50 Meter Schrankbreite bei 60 cm Tiefe. Inklusive der 90 cm Öffnungsfläche davor bindet dieser Schrank im Schlafzimmer rund 3,8 Quadratmeter. Eine Ankleide mit derselben Kapazität kommt mit 4 bis 5 Quadratmetern aus – und nimmt dabei den optischen Ballast komplett aus dem Schlafzimmer heraus. Wie du den Schlafbereich dann gestaltest, steht im Ratgeber Schlafzimmer einrichten.

Die vier Grundriss-Typen

TypMindestmaßStauraumGeeignet für
Einzeilig160 × 250 cmca. 2,5 lfmschmale Räume, eine Person
Zweizeilig220 × 250 cmca. 5 lfmPaare, effizienteste Variante
U-Form240 × 260 cmca. 6,5 lfmquadratische Räume
L-Form200 × 240 cmca. 4 lfmRäume mit Fenster oder Schräge

Die zweizeilige Variante ist fast immer die beste Wahl. Wichtig ist dabei die Gangbreite zwischen den Zeilen: 90 cm sind das Minimum, 100 bis 110 cm sind komfortabel. Bei 80 cm stößt du mit dem Rücken gegen die gegenüberliegende Kleidung, sobald du dich bückst.

Bei 60 cm Schranktiefe pro Zeile ergibt sich daraus ein Raum von mindestens 2,10 Meter Breite. Lässt der Grundriss das nicht zu, reduziere eine Zeile auf 40 cm Tiefe und nutze sie für Regale und Schuhe statt für hängende Kleidung.

Innenaufteilung: die Maße, nach denen du planst

Der häufigste Planungsfehler ist eine durchgehende Kleiderstange auf 1,80 Meter Höhe über die gesamte Länge. Damit verschenkst du in jedem zweiten Abschnitt die Hälfte der Höhe. Plane stattdessen nach Kleidungsart:

KleidungsartBenötigte HängehöheTiefePlatzbedarf
Hemden, Blusen, Jacketts100–110 cm55–60 cmca. 2 cm pro Teil
Hosen hängend, lang120–130 cm55–60 cmca. 3 cm pro Teil
Hosen über Bügel geklappt70–80 cm55–60 cmca. 4 cm pro Teil
Kleider, Mäntel150–180 cm60 cmca. 4 cm pro Teil
Gefaltete Wäsche im Fach30–35 cm Fachhöhe40–50 cm
Schuhe, flach20 cm Fachhöhe35 cmca. 25 cm pro Paar
Stiefel45–55 cm Fachhöhe35 cmca. 30 cm pro Paar

Mit doppelten Hängestangen übereinander verdoppelst du in den Abschnitten für kurze Kleidung die Kapazität. Rechne für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen grob mit 4 bis 5 laufenden Metern Hängefläche, 2 Metern Fachbreite und Platz für 25 bis 40 Paar Schuhe.

Die oberste Ebene ab etwa 2,00 Meter Höhe gehört saisonalen Sachen in beschrifteten Boxen. Sie ist nur mit Tritt erreichbar und deshalb für Alltagskleidung ungeeignet – aber sie ist die günstigste Lagerfläche im Haus. Mehr zum systematischen Ausnutzen von Raumhöhe steht im Beitrag zur optimalen Raumnutzung.

Offen oder geschlossen: der Punkt, an dem viele umplanen

Offene Systeme mit sichtbaren Kleiderstangen und Regalen sehen gut aus und kosten deutlich weniger als Schranklösungen mit Fronten. Sie haben aber zwei Nachteile, die in Katalogbildern nicht auftauchen.

Erstens verstaubt offen hängende Kleidung messbar. Nach wenigen Monaten sitzt auf Schultern und oberen Regalen eine feine Schicht, die sich nur durch Waschen entfernen lässt. Zweitens bleicht alles aus, was Tageslicht abbekommt – dunkle Baumwolle besonders schnell.

Die ehrliche Empfehlung lautet deshalb: offen nur für das, was du innerhalb von zwei Wochen ohnehin trägst. Alles Saisonale, alles Empfindliche und alle Schuhe gehören hinter eine Front oder zumindest hinter einen Vorhang. Wer das von Anfang an einplant, spart sich die Nachrüstung, die in offen geplanten Ankleiden erfahrungsgemäß nach ein bis zwei Jahren folgt.

Licht: entscheidender als in jedem anderen Raum

In der Ankleide triffst du Farbentscheidungen. Dafür brauchst du Licht mit einer Farbwiedergabe von mindestens CRI 90, besser CRI 95. Unter billigen LEDs mit CRI 80 lassen sich Marineblau und Schwarz nicht unterscheiden – ein Problem, das erst im Tageslicht draußen auffällt.

Plane mindestens 300 Lux in der Fläche und zusätzlich Licht in den Schrankzonen. Bewährt haben sich LED-Bänder unter den Fachböden oder in den Nischen, geschaltet über Türkontakt oder Bewegungsmelder. Die Farbtemperatur sollte mit 3000 bis 4000 Kelvin etwas neutraler sein als im Wohnbereich, damit Farben realistisch wirken. Grundlagen dazu findest du im Ratgeber zur Hausbeleuchtung.

Ein Ganzkörperspiegel gehört so montiert, dass Licht von vorn kommt, nicht von hinten. Steht der Spiegel gegenüber der Lichtquelle, siehst du nur eine Silhouette.

Belüftung: das Thema, das über den Geruch entscheidet

Die meisten Ankleidezimmer haben kein Fenster, weil sie im Kern des Grundrisses liegen. Getragene Kleidung gibt Feuchtigkeit und Geruchsstoffe ab; ohne Luftwechsel setzt sich beides in den Textilien fest. Das ist der Grund, warum Kleidung aus fensterlosen Ankleiden häufig muffig riecht, obwohl sie frisch gewaschen wurde.

Plane deshalb eine mechanische Entlüftung mit 30 bis 60 Kubikmetern pro Stunde, idealerweise mit Nachlauf, oder schließe den Raum an eine vorhandene Belüftung im Haus an. Ein Lüftungsgitter in der Tür allein reicht nicht – es sorgt nur für Druckausgleich, nicht für Luftwechsel.

Die Raumtemperatur sollte zwischen 16 und 20 Grad liegen und darf nicht deutlich unter der des Nachbarraums liegen, sonst schlägt sich Feuchtigkeit an den Wänden nieder. Ein ungeheizter Ankleideraum neben einem warmen Schlafzimmer ist ein klassischer Schimmelkandidat – wie du im Ernstfall vorgehst, erklärt der Beitrag Schimmel entfernen.

Tür, Boden und Wand

Bei der Tür ist eine Schiebetür fast immer die bessere Wahl, weil eine aufschlagende Drehtür in der Ankleide rund 0,8 Quadratmeter Stellfläche blockiert. Achte bei Schiebetüren allerdings auf den Schallschutz: Sie schließen nicht dicht, was zwischen Schlafzimmer und Ankleide meist unproblematisch ist. Eine Übersicht der Bauarten gibt der Ratgeber zu Innentüren.

Der Boden sollte leise und fußwarm sein – hier stehst du barfuß. Ein textiler Belag oder Holz ist angenehmer als Fliesen. Details zum Aufbau stehen im Ratgeber Fußboden verlegen. An den Wänden reicht ein heller, matter Anstrich; auf kräftige Farben solltest du verzichten, weil sie das Licht einfärben und die Farbbeurteilung der Kleidung verfälschen. Ideen dazu findest du unter Wandgestaltung.

Was kostet ein Ankleidezimmer?

Die Spannen gelten für die Einrichtung eines vorhandenen Raums von etwa 6 Quadratmetern mit rund 5 laufenden Metern Stauraum.

LösungPreis pro lfmGesamt (5 lfm)Eigenschaften
Offenes Rohrsystem, selbst montiert60–150 €300–750 €günstig, staubanfällig
Regalsystem aus dem Möbelhaus150–350 €750–1.750 €flexibel, begrenzte Maße
Modulsystem mit Fronten350–700 €1.750–3.500 €guter Kompromiss
Schreinerlösung nach Maß700–1.500 €3.500–7.500 €nutzt jede Nische, langlebig
Beleuchtung inkl. Schrankbeleuchtung250–900 €CRI 90 oder besser
Entlüftung inkl. Einbau250–800 €bei fensterlosen Räumen Pflicht
Schiebetür inkl. Montage500–2.000 €spart 0,8 m² Stellfläche

Für eine vollständige Ankleide von 6 Quadratmetern liegst du damit realistisch zwischen 1.300 Euro in der Selbstbauvariante und 11.000 Euro bei einer Schreinerlösung mit allem Zubehör. Der größte Hebel ist die Entscheidung zwischen Modulsystem und Maßanfertigung – letztere lohnt vor allem bei Dachschrägen und ungewöhnlichen Grundrissen, wo Standardmaße viel Volumen verschenken.

Wenn du gerade mehrere Funktionsräume planst, lohnt der Blick in die Ratgeber Hauswirtschaftsraum und Arbeitszimmer einrichten – beide Räume konkurrieren im Grundriss häufig um dieselbe Fläche.

Ordnung halten: drei Regeln, die dauerhaft tragen

Eine Ankleide bleibt nur ordentlich, wenn das Einräumen weniger Aufwand kostet als das Liegenlassen. Drei Prinzipien haben sich bewährt.

Erstens: eine feste Zone für getragene, aber nicht schmutzige Kleidung. Ohne diesen Platz landet sie auf dem Stuhl im Schlafzimmer. Ein Haken an der Innenseite der Tür oder eine kurze Stange von 40 cm genügt.

Zweitens: gleiche Bügel für alles. Das klingt nach Kosmetik, spart aber tatsächlich Platz, weil der Abstand zwischen den Teilen konstant bleibt – bei gemischten Bügeln verlierst du rund 15 Prozent der Hängefläche.

Drittens: einmal im Jahr aussortieren, bevor die Saisonware umzieht. Eine Ankleide, die zu 100 Prozent gefüllt ist, funktioniert nicht mehr; die Belegung sollte bei etwa 80 Prozent liegen, damit Kleidung sich entnehmen und zurückhängen lässt, ohne zu knittern.

Häufige Fragen zum Ankleidezimmer

Wie groß muss ein Ankleidezimmer sein?
Ab etwa 4 Quadratmetern funktioniert es, angenehm wird es bei 6 bis 8. Bei zweizeiliger Aufteilung brauchst du mindestens 2,10 Meter Raumbreite, damit zwischen den Zeilen 90 cm Gang bleiben.

Was kostet ein begehbarer Kleiderschrank?
Je nach System zwischen rund 300 Euro für ein offenes Rohrsystem und 7.500 Euro für eine Schreinerlösung bei 5 laufenden Metern. Mit Licht, Lüftung und Schiebetür liegt die Gesamtspanne bei etwa 1.300 bis 11.000 Euro.

Wie breit muss der Gang zwischen zwei Zeilen sein?
Mindestens 90 cm, komfortabel sind 100 bis 110 cm. Bei weniger stößt du beim Bücken gegen die gegenüberliegende Kleidung.

Braucht ein Ankleidezimmer ein Fenster?
Nicht zwingend, aber dann eine mechanische Entlüftung mit 30 bis 60 Kubikmetern pro Stunde. Ohne Luftwechsel nimmt die Kleidung Gerüche an, und an kalten Außenwänden kann sich Feuchtigkeit niederschlagen.

Offene oder geschlossene Schranksysteme?
Offen nur für Kleidung, die du innerhalb von zwei Wochen trägst. Alles Saisonale und Empfindliche gehört hinter Fronten oder einen Vorhang, sonst verstaubt und bleicht es aus.

Wie viel Hängefläche brauche ich?
Für zwei Erwachsene grob 4 bis 5 laufende Meter Hängefläche, 2 Meter Fachbreite und Platz für 25 bis 40 Paar Schuhe. Doppelte Stangen übereinander verdoppeln die Kapazität bei kurzer Kleidung.

Welches Licht ist im Ankleidezimmer richtig?
Mindestens 300 Lux, Farbwiedergabe CRI 90 oder besser, Farbtemperatur 3000 bis 4000 Kelvin. Zusätzlich Licht in den Schrankzonen, geschaltet über Türkontakt oder Bewegungsmelder.

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