Barrierefrei bauen und wohnen: Maßnahmen, Kosten und Förderung

Barrierefreies Bauen und Wohnen: Was Barrierefreiheit konkret bedeutet, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie KfW und Pflegekasse den Umbau fördern.

Last updated on Juli 18, 2026

Veröffentlicht am Aug. 18, 2020

Ein barrierefreies Haus ist nicht nur für Menschen mit Behinderungen oder ältere Personen relevant – es ist ein Zugewinn an Komfort und Lebensqualität für alle. Wer beim Hausbau oder bei einer Sanierung Barrierefreiheit einplant, investiert in ein Zuhause, das ein Leben lang passt. Dieser Artikel erklärt, was Barrierefreiheit konkret bedeutet, was sie kostet und wie sie gefördert wird.

Was bedeutet barrierefrei?

Barrierefreiheit ist gesetzlich in der DIN 18040 geregelt (Teil 1: öffentliche Gebäude; Teil 2: Wohngebäude). Für den privaten Wohnungsbau sind die Anforderungen weniger streng als für öffentliche Gebäude, aber die DIN 18040-2 gibt einen guten Rahmen vor. Grundprinzip: Ein Gebäude ist barrierefrei, wenn es für Menschen mit körperlichen Einschränkungen (Rollstuhl, Rollator, Sehbehinderung) ohne fremde Hilfe und ohne besondere Erschwernis zugänglich und nutzbar ist.

Wichtige Maßnahmen für ein barrierefreies Haus

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BereichBarrierefreie Anforderung
Eingang / HaustürStufenlos oder Rampe (max. 6 % Steigung), Türbreite mind. 90 cm
Flure und DurchgängeMindestens 90 cm breit (für Rollstuhl: 120 cm)
Türen im HausMind. 80 cm lichte Breite (besser 90 cm)
BadezimmerBodenebene Dusche (keine Wanne), Haltegriffe, Bewegungsfläche 150 × 150 cm
TreppenBeidseitige Handläufe, kontrastreiche Stufenmarkierung
Aufzug / TreppenliftBei Mehrgeschossigkeit empfohlen oder geplante Vorrüstung
BodenbelagRutschfest, kein hochfloriger Teppich, keine losen Teppiche
Schalter und SteckdosenHöhe 85–105 cm (statt 40 cm für Steckdosen)

Barrierefreiheit im Neubau vs. Nachrüstung im Altbau

Im Neubau ist Barrierefreiheit mit vergleichsweise geringem Mehraufwand umsetzbar. Die entscheidenden Weichen werden in der Planungsphase gestellt: ebenerdige Dusche, breitere Türen, Rampe statt Stufen am Eingang. Mehrkosten im Neubau: ca. 3.000–10.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Im Altbau ist die Nachrüstung aufwendiger und teurer: Türverbreiterungen erfordern Wanddurchbrüche, die Umrüstung auf eine bodenebene Dusche erfordert Bodeneingriffe, und ein Treppenlift ist oft die günstigste Alternative zu einem Aufzug. Kosten für einen Rollstuhlgerechten Umbau eines Altbaus: 20.000–60.000 Euro.

Förderprogramme für barrierefreies Wohnen

Die KfW fördert altersgerechtes Umbauen mit dem Programm KfW 159 (Kredit) und KfW 455-B (Investitionszuschuss). Der Zuschuss beträgt bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit für einzelne Maßnahmen. Bei der vollständigen Umrüstung zu einem „Altersgerecht umgebauten Haus" (Standard) steigt der Zuschuss auf bis zu 12.500 Euro. Pflegekassen übernehmen bei pflegebedürftigen Personen Kosten bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme (§ 40 SGB XI). Gemeinden und Bundesländer bieten oft ergänzende Förderprogramme an.

Barrierefreiheit und Design: Kein Widerspruch

Modernes barrierefreies Design muss nicht nach Krankenhaus oder Pflegeheim aussehen. Bodenebene Duschen mit hochwertigen Fliesen, elegante Haltegriffe aus Edelstahl, breite Türen mit schönen Beschlägen – barrierefreie Elemente können ästhetisch anspruchsvoll gestaltet werden. Der Trend zum „Universal Design" (Design für alle) zeigt, dass Barrierefreiheit und gutes Design kein Widerspruch sind.

Barrierefreiheit vorausplanen: Die günstigste Investition

Wer im Neubau Barrierefreiheit nur vorbereitet (Verstärkungen in Wänden für spätere Haltegriffe, Leerrohr für späteren Aufzug, ausreichend breite Türöffnungen), zahlt jetzt wenig und hat später die Möglichkeit zur schnellen und günstigen Aufrüstung. Diese Vorrüstung kostet im Neubau oft nur 1.000–3.000 Euro extra, spart aber im Bedarfsfall 10.000–30.000 Euro gegenüber einem späteren Umbau.

FAQ

Was kostet es, ein Haus barrierefrei umzubauen?

Das hängt stark vom Umfang ab. Einzelne Maßnahmen wie eine bodenebene Dusche nachrüsten kosten 3.000–8.000 Euro. Ein rollstuhlgerechter Gesamtumbau eines Altbaus kann 20.000–60.000 Euro kosten. Im Neubau lässt sich Barrierefreiheit für nur 3.000–10.000 Euro Mehrkosten einplanen.

Welche Fördermittel gibt es für barrierefreies Wohnen?

Die KfW fördert altersgerechten Umbau mit Zuschüssen bis 12.500 Euro (KfW 455-B) oder günstigen Krediten (KfW 159). Pflegekassen zahlen bis zu 4.000 Euro pro Umbaumaßnahme bei Pflegebedürftigkeit (§ 40 SGB XI). Viele Bundesländer haben zusätzliche Programme – beim Pflegestützpunkt oder der Landesförderbank erfragen.

Müssen neue Wohnhäuser barrierefrei gebaut werden?

Für private Einfamilienhäuser gibt es in Deutschland keine gesetzliche Pflicht zur Barrierefreiheit. Bei öffentlich geförderten Wohngebäuden und Mehrfamilienhäusern ab einer bestimmten Größe ist Barrierefreiheit in den Landesbauordnungen oft vorgeschrieben. Für Einfamilienhäuser ist sie freiwillig – aber aus Vorsorge sehr empfehlenswert.

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