Abwasserentsorgung - so geht es richtig

Was ist eine Abwasserentsorgung? Die Abwasserentsorgung stellt ein Abwassersystem im Haus dar, durch welches der Ablauf des Abwassers erfolgt. Dieses wird im Volksmund auch Schmutz- oder Brauchwasser genannt.

Last updated on Jan. 8, 2022

Posted on Dez. 25, 2021

Über die Abwasserentsorgung machen sich die meisten Hausbesitzer kaum Gedanken. Dabei ist es im Zeitalter der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes wichtig, sich darüber zu informieren. Vor allem für Hausbauer und Hauseigentümer, die eine Sanierung planen, ist es interessant zu wissen, worauf bei der Abwasserentsorgung zu achten ist und wie teure Abwassergebühren zu sparen sind.


Was ist eine Abwasserentsorgung?

Die Abwasserentsorgung stellt ein Abwassersystem im Haus dar, durch welches der Ablauf des Abwassers erfolgt. Dieses wird im Volksmund auch Schmutz- oder Brauchwasser genannt. Für die Abwasserentsorgung sind Wasserrohre im Haus verlegt, die mittels Verzweigungen und Bögen dort angeschlossen sind, wo Abwasser entsteht. Das ist zum Beispiel am Waschbecken im Badezimmer oder an der Waschmaschine im Hauswirtschaftsraum der Fall.

Aber auch im Außenbereich von Häusern ist das System für die Abwasserentsorgung vorhanden. Dies dient dem Ablauf von Regenwasser aus beispielsweise Regenrinnen. In der Regel werden die Leitungen für die Rohre bereits beim Hausbau unsichtbar ins Mauerwerk verlegt, können aber auch nachträglich ergänzt, umgelegt oder ganz neu verlegt werden.


Was ist der Unterschied zwischen Grau- und Schwarzwasser?

Bei Grauwasser handelt es sich um fäkalienfreies Abwasser. Damit sind solches gemeint, das beispielsweise aus der Badewanne, dem Waschbecken und der Küchenspüle oder der Waschmaschine durch den Abfluss in das Abwassersystem gelangt.

Schwarzwasser ist hingegen immer Abwasser mit Fäkalien und Urin, das über die Abwasserinstallation der Toiletten und Urinale/Pissoirs abfließt. Beide Abwasserarten werden strikt getrennt voneinander entsorgt, weil sie verschiedene Reinigungs- und Klärprozesse zu durchlaufen zu haben. Zudem ist die Trennung wichtig, weil Schwarzwasser keine Aufbereitung für die erneute Wasserversorgung erhalten kann. Anders sieht es bei Grauwasser aus, das aufgrund des Verlaufweges sehr nützlich für den Wasserkreislauf ist.

Abwasser gelangt in die Kläranlage
Abwasser gelangt in die Kläranlage

Wie funktioniert das Abwassersystem im Haus?

Grauwasser
Wasserquellen werden im Haus mit entsprechender Abwasserinstallation versehen. Dazu zählen auch Regenwasserabläufe von Garagen, Balkonen und Dächern. Durch die Anschlussleitungen läuft das Abwasser über Wasserrohre. Damit ein störungsfreier und zuverlässiger Abwasser-Ablauf gegeben ist, haben die Leitungen einen Neigungswinkel aufzuweisen, der nach unten in Richtung Bodengrund verläuft (Erdanziehungskraft). Üblicherweise sind diese direkt an den Anschlussverbindungen gelegen, bevor sie in ein sogenanntes Fallrohr übergehen. Fallrohre verlaufen (nahezu) senkrecht nach unten.

Alle Abwasserleitungen des Hauses treffen an einem zentralen Punkt zusammen. Je nach Größe und Lage der Wasserquellen können auch zwei oder mehrere zentrale "Sammelpunkte" vorhanden sein. Diese werden als Kontrollschächte bezeichnet. Sie befinden sich im Idealfall an der tiefsten Stelle im Haus. Das ist entweder der Bodenbereich in der Parterre oder bei unterkellerten Gebäuden der Keller. Mittlerweile werden Kontrollschächte aber auch im Außenbereich von Häusern angelegt. Diese können mit ein wenig handwerklichem Geschick leicht selbst eingebaut werden.

Jeder Kontrollschacht bildet das "Herzstück" der Abwasserinstallation, weil von hieraus die gesamte Abwasserentsorgung aus dem Haus in die öffentliche Kanalisation abfließt. Das geschieht über den Abwasserkanal-Anschluss an den Kontrollschacht, der auf direktem Wege in die Kanalisation der zuständigen Wasserwerke führt. Die Wasserwerke fordern in der Regel immer einen Standort der Kontrollschächte, der am nächsten an dem öffentlichen Abwasserkanal gelegen ist.

Schwarzwasser
Die Abwasserentsorgung aus Toiletten und Urinalen/Pissoirs funktioniert im Prinzip gleich, wie die des Grauwassers - nur separat. Auch hierbei führen die Anschlussleitungen vom Sanitärobjekt auf kürzestem Wege in senkrechte Fallleitungen, die in einem Sammelschacht enden und durch das "Haus-Hauptrohr" zum öffentlichen Abwasserkanal für Schwarzwasser abfließt. Wenngleich beide Systeme eine hohe Dichtigkeit besitzen, so wird bei der Schwarzwasserentsorgung zusätzlich auf eine hohe Geruchsdichte geachtet.


Was passiert mit dem Abwasser?

Das schwarze Schmutz- und Grauwasser wird weiterverarbeitet beziehungsweise geklärt/gereinigt. Das sichert die Weiter-/Wiederverwendung.

Grauwasser
Bei der Abwasserentsorgung über das städtische Abwassersystem gelangt das Grauabwasser in Reinigungs- und Kläranlagen. Dort wird es zuerst von groben Verschmutzungen getrennt, Fette und Öle werden von der Oberfläche gesaugt, anschließend werden kleinste Verunreinigungen herausgefiltert und mittels Zuführung verschiedener Stoffen von Bakterien und anderen eventuell vorhandenen Krankheitserregern sowie möglichen Gift- und Schadstoffen befreit. Der meiste Teil wird durch Versickerung dem Grundwasser zugefügt. In der Regel sind das knapp über 60 Prozent des Wasseraufkommens. Der Rest wird in Flüsse und Seen abgeführt.

Da das Grundwasser in Deutschland nahezu Trinkwasserqualität bereits besitzt, wird es zusammen mit dem zuvor gereinigten Wasser in die Wasserwerke gepumpt und nochmals leicht aufbereitet. Von dort aus geht es dann für den erneuten Gebrauch als Leitungswasser in die Wasserversorgungskanäle und folglich zu den einzelnen Haushalten.

Schwarzes Schmutzwasser
Beim Schmutzwasser aus Toilettenanlagen wird nochmals zwischen Gelb- und Braunwasser unterschieden. Das Gelbwasser beinhaltet Urin, während das Braunwasser sich aus den Fäkalien zusammensetzt. Überwiegend werden beide Arten zusammen der Reinigung unterzogen. Bei dieser geht es hauptsächlich darum, Schadstoffe aus beispielsweise Medikamentenresten und Keimen herauszufiltern.

Diese werden durch die Reinigung aber erst nur reduziert. Anschließend kommt das Wasser in eine Klärschlammverbrennungsanlage. Dort werden alle Mikroschadstoffe durch eine hohe Hitzeentwicklung zerstört. Im Anschluss wird die übrige Masse als organischer Stoff zur Verrottung ausgelegt oder weiterverarbeitet. Vor allem in Düngemitteln finden sich die Reste.

Ressourcenschonend, nachhaltig und umweltfreundlich gehen bereits viele Kläranlagenbetreiber vor. Ist eine Trennung aus herkömmlichen Toiletten mit Fäkalien mit Gelbwasser aus reinen Urinalen und Pissoirs möglich, wird das Gelbwasser nach Befreiung von Mikroschadstoffen Düngern zugeführt.

Das Gelbwasser ist sehr nährstoff-, stickstoff- und phosphorhaltig und damit ideal zum Düngen von Pflanzen geeignet. Das Braunwasser wird wir gewohnt der Klärschlammverbrennungsanlage zugeführt. Aber durch die Schlammverbrennung des Braunwassers entsteht hingegen nutzbare gebundene chemische Energie. In modernen Anlagen wird diese aufgefangen, vergärt dann anaerob und ist in der Folge beispielsweise für den Betrieb von Biogasanlagen zu gebrauchen.

Erklärung zur Abwasserentsorgung 

Eigene Kläranlage zu Hause
Wer nicht an der zentralen Abwasserbeseitigung der Stadt angeschlossen ist, hat per Gesetz die Reinigung, Klärung und/oder ordnungsgemäße Abwasserentsorgung selbst vorzunehmen. Das kann über eine Sammelgrube und den regelmäßigen Abtransport durch ein Grubenreinigungsunternehmen oder über eine eigene Kläranlage erfolgen. Die Kläranlagen haben den gesetzlichen Bestimmungen gerecht zu werden. Das bezieht sich insbesondere auf das Reinigungsergebnis beim Kläranlagenablauf. Es gibt aber auch Anlagen, mit denen das Brauchwasser aufbereitet wird, um es wieder in die Hausleitung zum Gebrauch zurückzuführen.


Welche Kläranlagen für Zuhause gibt es?

Kläranlage
Wer unabhängig von den Abwassergebühren an die Stadt beziehungsweise Wasserwerke sein oder viel Geld für den gegebenenfalls sehr teuren Abwasseranschluss sparen möchte, kann sich eine eigene Kleinkläranlage zulegen. Mit dieser finden Hausbesitzer eine Möglichkeit, Schmutz- und Brauchwasser von vier bis 50 Personen auf dem eigenen Grundstück aufzubereiten. Sie funktioniert im Prinzip gleichermaßen, wie eine städtische Kläranlage, ist aber deutlich kleiner als die Exemplare der Klärbetreiber öffentlicher Abwasserentsorgungen.

Sie setzt sich zusammen aus einem Klärbehälter mit einem Zwei- oder Drei-Kammersystem. In der ersten Kammer erfolgt die grobe Vorklärung von größeren Schmutzpartikeln und die Abscheidung von Fettstoffen, die auf der Oberfläche schwimmen. Wo Fette gesondert aufgefangen werden sollten, wird in der Regel eine zusätzliche Kammer (Absetzkammer) gewählt. Üblich sind für den normalen Haushalt aber zwei Kammern. In der zweiten beziehungsweise dritten Kammer erfolgt dann die mechanische Abwasserreinigung. Hierbei sind verschiedene Werte zu erreichen, die vom Umweltamt beziehungsweise dem Gesetzgeber vorgeschrieben werden.

Läuft die Abwasserentsorgung in die Kleinkläranlage und das Wasser ist ausreichend gut gereinigt, läuft es in der Regel durch ein oder mehrere gelöcherte/Rohre, die sich je nach Abwassermenge auch mehrere Meter Länge erstrecken können. Auf diese Weise wird das gesäuberte Wasser wieder der Natur zugeführt und ins Grundwasser geleitet. Eine Alternative bietet die Ableitung in ein Gewässer.

In beiden Fällen ist eine vorherige Genehmigung der zuständigen Behörde erforderlich. Diese überprüft den vorliegenden Reinigungsgrad und erlaubt oder verbietet die Abwasserentsorgung in die Natur. Bei einer Genehmigung ist eine Abmeldung der Abwassergebühren möglich.

Manche Hauseigentümer nutzen die Kleinkläranlage auch zum Wasserrecycling. Dabei wird es anstelle der Natur zurückgeführt, zum erneuten Gebrauch genutzt. Weil die Reinigungsintensität einer Kleinkläranlage keine Trinkwasserqualität gewährleistet, ist dazu ein weiteres Reinigungssystem zwischen die Anlage und dem Wasseranschluss des Hauses zu installieren.

Meist wird dazu ein UV-Licht-Gerät gewählt, das zuverlässig Keime abtötet. Allerdings reicht die Kläranlagen-Wasserqualität dafür aus, Pflanzen zu bewässern. Auf diese Weise gelangt das geklärte Wasser nicht direkt in dem Grundwasser, sondern über Umwege durch die oberen Erdschichten beim Gießen und Sprengen.

Preis
Der Preis einer Kleinkläranlage richtet sich vor allem nach den spezifischen Anforderungen in Bezug auf die Geräteart. Aber mit einem Preis zwischen 3.000 und 4.000 Euro für ein Einfamilienhaus mit einem Vier- oder Fünf-Personenhaushalt ist zu rechnen.

Pflanzenkläranlage
Die Pflanzenkläranlage funktioniert ähnlich wie eine Kleinkläranlage. Lediglich wird erfolgt die Säuberung bei der Abwasserentsorgung nicht durch mechanische Verfahren, sondern über ganz natürlich und biologisch über verschiedene Pflanzen mit Filterfunktion. Dazu gehören vor allem:

  • Schilf
  • Rohrkolben
  • Sumpfschwertlilien
  • Binsen
  • Seggen

Die Abwasserentsorgung wird in eine Art Teich geführt, in dem sich die Filterpflanzen befinden. Davor ist eine Vorklärungsanlage geschaltet, um erste grobe Schmutz- und Fettpartikel dem Wasser zu entnehmen. Dann fließt es mittels Pumpe weiter in den "Teich", dessen Boden mit einer dicken Kiesschicht mit weiterer Filterfunktion ausgelegt ist. Die einfachste Methode ist die Versickerung, für die eine flache Mulde angelegt wird. In diese fließt das Wasser ein und läuft langsam in das Grundwasser. Aber auch eine Weiterleitung in ein Gewässer ist möglich.


Wird Regenwasser und Abwasser getrennt?

Während Grau- und Schwarzwasser in ihre jeweiligen Leitungen zur Abwasserentsorgung fließen, hat Regenwasser darin nichts zu suchen. Wenngleich die Abwasserinstallation auch für Regenwasser vorgesehen ist, so ist es separat zu entsorgen - falls eine Entsorgung notwendig und erwünscht ist.

Immer häufiger sammeln Hauseigentümer das Regenwasser, um es beispielsweise für die Gartenbewässerung zu nutzen. Nicht gemeint ist allerdings Niederschlagswasser, wie Regenwasser auch genannt wird, das als Gebrauchswasser in Bad und/oder Küche sowie als Toilettenspülung genutzt wird. Das ist über das jeweilige Abwassersystem zu entsorgen.

Der Grund für die Trennung von "direktem" Niederschlagswasser und Grau- sowie Schwarzwasser ist der mögliche Verschmutzungsgrad. Laub, Tierkot, eventuell tote Tierchen sowie sperrige Elemente wie beispielsweise abgebrochene Dachziegelteile gehören nicht in die Abwasserleitungen mit Vorfluter, der dadurch deutlich mehr belastet werden und es zusätzlich zu Verstopfungen der Leitungen kommen kann.

Regenwasser für Gartenbewässerung nutzen
Regenwasser für Gartenbewässerung nutzen

Wann braucht man eine Rückstausicherung?

Eine Rückstausicherung dient der Verhinderung von zurückfließendem Wasser und einer möglichen Überflutung. Das Risiko ist besonders hoch, wenn eine Abwasserinstallation wie beispielsweise eine Toilette oder ein Kontrollschacht, unterhalb des Niveaus des Straßenanschlusses beziehungsweise dem Zugang zur Kanalisation liegt.

Dann entsteht ein sogenanntes negatives Gefälle. Das bedeutet, die Neigung verläuft zum Haus runter, was den Abfluss erschwert bis unmöglich machen kann. Damit der Wasserspiegel in Toiletten und Co. nicht ansteigt oder es gar zu Überschwemmungen kommt, ist die Rückstausicherung unbedingt angeraten.


Was kostet eine Rückstausicherung?

Mit welchen Kosten für eine Rückstausicherung zu rechnen ist, kann pauschal nicht beantwortet werden. Dies ist vor allem abhängig von den Gegebenheiten Vorort. Die Kosten erstrecken sich aber etwa zwischen 200 Euro für eine Kleinhebeanlage und kann weit über 1.000 Euro bei Sanierungsarbeiten des Systems der Abwasserentsorgung betragen.


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