Hochlochziegel: Eigenschaften, Varianten und Preise im Überblick

Hochlochziegel erklärt: Varianten, Wärmeleitfähigkeit, Wandstärken, Preise je Stein und Quadratmeter sowie Tipps zur Verarbeitung im Massivbau.

Last updated on Okt. 15, 2026

Veröffentlicht am Okt. 15, 2026

Wer massiv baut, kommt am Hochlochziegel kaum vorbei. Der Stein mit den charakteristischen Lochreihen ist der meistverwendete Wandbaustoff im deutschen Ein- und Mehrfamilienhausbau. Er dämmt, trägt, schützt vor Schall und Feuer und lässt sich mit einfachem Werkzeug verarbeiten. Aber: Hochlochziegel ist nicht gleich Hochlochziegel. Es gibt Unterschiede bei Rohdichte, Wärmeleitfähigkeit, Füllung und Preis, und nicht jeder Stein passt zu jedem Bauvorhaben. In diesem Ratgeber erfährst du, was einen Hochlochziegel ausmacht, welche Varianten es gibt, was sie kosten und worauf du bei Planung und Verarbeitung achten musst.

Was ist ein Hochlochziegel?

Ein Hochlochziegel (kurz HLz) ist ein gebrannter Tonziegel mit senkrecht durchgehenden Lochkanälen. Diese Löcher machen den Stein leichter, sparen Rohstoff und verbessern die Wärmedämmung, weil die ruhende Luft in den Kammern schlecht Wärme leitet. Hergestellt wird er aus Ton und Lehm, die gemischt, gepresst, getrocknet und bei über 900 °C gebrannt werden. Um die Dämmwirkung zu steigern, werden dem Ton häufig Porosierungsmittel wie Sägemehl oder Polystyrolkügelchen beigemischt, die beim Brennen verbrennen und feine Poren hinterlassen. Du kennst diese Produkte vielleicht unter dem Namen Poroton; das ist ein Markenname für porosierte Hochlochziegel. Einen allgemeinen Überblick über Ziegelarten findest du im Beitrag zu Ziegelsteinen und Mauerziegeln und im Basisartikel Ziegel.

Varianten: Welche Hochlochziegel gibt es?

Wärmedämmziegel (unverfüllt)

Das sind Ziegel mit sehr feinem Lochbild und niedriger Wärmeleitfähigkeit. In Wandstärken von 36,5 bis 49 cm erreichen sie Dämmwerte, die ohne zusätzliche Außendämmung auskommen können (monolithische Bauweise). Der Stein trägt und dämmt zugleich.

Verfüllte Ziegel

In die Lochkammern wird Dämmmaterial wie Mineralwolle, Perlite oder Holzfaser eingebracht, um den Wärmeschutz zu verbessern. Das erhöht die Dämmleistung bei gleicher Wandstärke, macht den Stein aber teurer und schwerer zu verarbeiten.

Planziegel

Planziegel sind an der Ober- und Unterseite plan geschliffen und werden mit Dünnbettmörtel oder Klebeschaum vermauert. Die Fugen sind nur etwa 1 bis 3 mm dick, was Wärmebrücken und Mörtelverbrauch reduziert und die Bauzeit verkürzt. Heute die Standardlösung bei Neubauten.

Schallschutzziegel und Statikziegel

Für Haustrennwände und tragende Wände mit hohen Lasten gibt es Ziegel mit hoher Rohdichte und Druckfestigkeit. Sie dämmen weniger gut, schützen aber besser vor Lärm und tragen mehr.

TypWärmeleitfähigkeit λ (ca.)Typische WandstärkeEinsatz
Wärmedämmziegel unverfülltca. 0,07–0,10 W/(mK)36,5–42,5 cmAußenwand, monolithisch
Mineralwollgefüllter Ziegelca. 0,06–0,08 W/(mK)30–36,5 cmAußenwand mit hohem Wärmeschutz
Standard-Hochlochziegelca. 0,14–0,18 W/(mK)24–30 cmInnenwand, mit WDVS
Schallschutzziegelca. 0,45–0,60 W/(mK)17,5–24 cmHaustrennwand, Innenwand
Planziegel-Kalksandstein-Mixsehr unterschiedlich11,5–24 cmInnenwand

Die Werte sind typische Bandbreiten; verbindlich sind die Angaben des jeweiligen Herstellers und die bauaufsichtliche Zulassung.

Eigenschaften im Überblick

Die wichtigsten Vorteile: Ziegel sind nicht brennbar (Baustoffklasse A1), diffusionsoffen, schalldämmend, wertbeständig und aus natürlichen Rohstoffen gefertigt. Die Wärmespeicherfähigkeit puffert Temperaturspitzen, im Sommer bleibt es im Haus meist angenehm kühl. Nachteile: Das Mauerwerk braucht Trocknungszeit, im Winter wird die Baustelle durch Frost empfindlich, und der Mauerwerksbau ist handwerklich anspruchsvoller als Fertigteilmontage. Wer zwischen Massiv- und Fertigbauweise schwankt, findet Entscheidungshilfen in den Beiträgen Massivhaus und Bungalow als Fertighaus.

Verbreitete Fehlannahme: „Ziegel atmet, deshalb braucht das Haus keine Lüftung.“ Die Diffusionsoffenheit sorgt für Feuchtepufferung, ersetzt aber nie das Lüften. Der Luftaustausch durch eine Wand ist so gering, dass er rechnerisch keine Rolle spielt. Ohne Lüftungskonzept steigt die Luftfeuchtigkeit, und es droht Schimmel – gerade in dichten Neubauten.

Was kostet ein Hochlochziegel?

Die Preise unterscheiden sich stark nach Format, Dämmwert, Hersteller und Region. Einfache Hochlochziegel für Innenwände kosten pro Stein nur wenige Euro oder weniger, Wärmedämmziegel mit hohem Dämmwert liegen höher. Entscheidend ist ohnehin der Preis pro Quadratmeter fertiger Wand.

PositionRichtwertHinweis
Hochlochziegel einfach (Innenwand)ca. 1–3 € je SteinFormat und Region
Wärmedämmziegel 36,5 cmca. 4–10 € je Steinje nach Füllung/Plan
Material je m² Außenwand (36,5 cm)ca. 35–80 €ohne Mörtel/Kleber
Lohnkosten Mauerwerk je m²ca. 25–50 €Planziegel schneller
Wand komplett je m² (Material + Lohn)ca. 60–130 €ohne Putz/Dämmung außen
Putz innen + außenca. 40–80 € je m²Wand beidseitig

Alle Preise sind grobe Größenordnungen und gelten ohne Gewähr. Preise für Baustoffe schwanken; hol dir stets aktuelle Angebote vom Baustoffhandel oder von Bauunternehmen ein. Wer das Haus schlüsselfertig kauft, zahlt den Stein indirekt mit; Hersteller nennen dazu eigene Preise. Beispiele und Anbieter findest du in unserer Übersicht der Top-Anbieter für Massivhäuser.

Verarbeitung: Worauf es auf der Baustelle ankommt

Hochlochziegel werden im Verband gemauert, das heißt, Stoßfugen liegen versetzt. Planziegel setzt du in Dünnbettmörtel oder Mörtelpads, die erste Schicht kommt in ein normales Mörtelbett auf der Bodenplatte, auf einer Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchte. Löcher dürfen nicht mit Mörtel zugesetzt werden, sonst verlieren sie ihre Dämmwirkung. Die Steine sollten bei Regen abgedeckt werden, da nasse Ziegel die Bauphase verlängern und das Haus feuchter machen.

Öffnungen für Fenster und Rollläden erfordern Stürze und Rollladenkästen; Hintergründe und Sanierungstipps dazu liefert der Beitrag Rolladenkasten öffnen. Schlitze und Aussparungen für Leitungen sollten möglichst vor dem Mauern geplant werden, denn nachträgliches Stemmen schwächt den Ziegel und ist je nach Wandstärke nur begrenzt zulässig.

Feuchteschutz und Abdichtung

Ziegel sind kapillar aktiv und saugen Wasser auf. Daher gehören eine Horizontalsperre und eine Abdichtung gegen Spritzwasser und Erdfeuchte zwingend dazu. Bei Kellern mit drückendem Wasser reichen Ziegel nicht, hier sind Betonkonstruktionen mit Weißer Wanne üblich; das Prinzip erklärt unser Beitrag zum hydrostatischen Druck. Auch Garagen und Nebengebäude lassen sich in Ziegelbauweise erstellen, die Kostenfrage klärt der Beitrag Fertiggaragen Preise im Vergleich zur gemauerten Variante.

Risse im Mauerwerk

Setzungsrisse, Schwindrisse oder Spannungsrisse können durch Fehler in Planung oder Ausführung entstehen. Was feine Haarrisse bedeuten und wann Handlungsbedarf besteht, erklärt der Beitrag Risse im Mauerwerk.

Wandaufbau: Monolithisch oder mit Wärmedämmverbundsystem?

Beim Massivbau gibt es zwei grundsätzliche Strategien. Bei der monolithischen Bauweise übernimmt der Ziegel Tragen und Dämmen zugleich. Die Wand besteht aus Innenputz, Ziegel und Außenputz. Das ist robust, wartungsarm und bietet eine einfache Konstruktion ohne Dämmstoffschichten, die altern oder beschädigt werden können. Bei der zweiten Strategie wird ein einfacher, tragfähiger Hochlochziegel mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) kombiniert, also Dämmplatten aus Mineralwolle oder Polystyrol, die außen angebracht und verputzt werden. Diese Lösung erlaubt schlankere Wände und höhere Dämmwerte, braucht aber mehr Wartung und ist empfindlicher gegen mechanische Schäden und Spechte.

Welche Variante besser ist, hängt vom Bauherrn ab. Wer Wert auf einfachen Wandaufbau und hohe Robustheit legt, bevorzugt meist den Dämmziegel. Wer einen sehr niedrigen Energiebedarf anstrebt oder dünne Wände möchte, kombiniert mit WDVS. In beiden Fällen sollten Planer den Wärmebrückennachweis führen, besonders an Fensteranschlüssen, Rollladenkästen, Deckenauflagern und Balkonen.

Brandschutz und Schallschutz

Ziegel sind nichtbrennbar und erreichen hohe Feuerwiderstandsklassen. Für den Schallschutz zählt vor allem die Masse: Je schwerer die Wand, desto besser die Dämmung. Leichte, hochdämmende Ziegel schneiden beim Luftschall etwas schlechter ab als schwere Steine, was bei Haustrennwänden zwischen Doppelhaushälften relevant ist. Für diese Fälle bieten Hersteller spezielle Schallschutzziegel an. Planer rechnen den Schallschutznachweis nach DIN 4109, und Bauherren sollten in der Baubeschreibung die gewünschte Schallschutzstufe festhalten, statt sich auf das gesetzliche Minimum zu verlassen.

Trocknungszeit und Baufeuchte

Ein gemauerter Rohbau bringt viel Wasser ins Haus, vor allem durch Mörtel und Putz. Plane ausreichend Trocknungszeit ein und lüfte die Räume kontrolliert, bevor Estrich und Bodenbeläge verlegt werden. Zu früh geschlossene Konstruktionen führen zu Schimmel und Schäden an Parkett. Bautrockner und Heizen mit niedriger Vorlauftemperatur unterstützen die Trocknung; Grundlagen dazu im Ratgeber zur Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung.

Qualität erkennen und Fehler vermeiden

Gute Hochlochziegel erkennst du an maßhaltigen Kanten, gleichmäßigem Brand und einer CE-Kennzeichnung mit Angaben zu Druckfestigkeitsklasse und Rohdichte. Lass dir Lieferscheine geben und kontrolliere, ob die bestellten Steine geliefert wurden, denn Verwechslungen zwischen Innen- und Außenwandziegeln kommen vor. Lagere die Paletten auf ebenem Grund und decke sie ab. Typische Ausführungsfehler sind zu dicke Fugen bei Planziegeln, nicht vermörtelte Stoßfugen (je nach Stein sind Nut-und-Feder-Systeme zulässig), fehlende Ringanker und mangelhafte Anschlüsse an Decken. Frag deinen Bauleiter nach den Details und lass die Rohbauabnahme von einem unabhängigen Sachverständigen begleiten. Die Kosten dafür liegen im Bereich einiger hundert Euro, verhindern aber Schäden, die später schnell fünfstellig werden.

Hochlochziegel im Vergleich mit anderen Baustoffen

BaustoffWärmeschutzSchallschutzSpeichermasseKosten
Hochlochziegel (Dämmziegel)sehr gutgutgutmittel
Porenbetonsehr gutmittelmittelmittel
Kalksandsteingering (braucht WDVS)sehr gutsehr gutmittel
Holzständerbau (Fertighaus)sehr gutgut mit Aufbaugeringmittel bis hoch
Betongeringsehr gutsehr gutmittel bis hoch

Es gibt nicht „den besten“ Baustoff. Hochlochziegel überzeugen durch ein ausgewogenes Gesamtpaket, Kalksandstein punktet bei Schall und Statik, Porenbeton beim Wärmeschutz und bei der Verarbeitung. Entscheidend sind Budget, Bauzeit, Energiestandard und Vorlieben.

FAQ: Hochlochziegel

Was ist der Unterschied zwischen Hochlochziegel und Vollziegel?

Der Hochlochziegel hat Lochkanäle und ist leichter und besser dämmend. Der Vollziegel ist massiv, schwerer und wird eher für Verblendmauerwerk oder Sichtmauerwerk eingesetzt.

Wie dick muss eine Außenwand aus Hochlochziegel sein?

Monolithische Außenwände werden meist mit 36,5 bis 49 cm Stärke ausgeführt. Welche Dicke nötig ist, hängt von Dämmwert und Energiestandard ab.

Was kostet eine Wand aus Hochlochziegel pro Quadratmeter?

Rechne grob mit etwa 60 bis 130 € je Quadratmeter für Material und Lohn, ohne Putz und Außendämmung.

Braucht ein Haus aus Wärmedämmziegel eine zusätzliche Dämmung?

Nicht zwingend, aber für höhere Effizienzstandards oder bei dünneren Wänden schon. Dämmziegel sind für den gesetzlichen Mindeststandard oft ausreichend.

Sind Hochlochziegel ökologisch?

Sie bestehen aus natürlichen Rohstoffen und sind langlebig. Der Brennprozess ist energieintensiv, was die Ökobilanz schmälert.

Kann ich Hochlochziegel selbst vermauern?

Mit Erfahrung ist das bei Planziegeln machbar, bei tragenden Außenwänden empfiehlt sich aber ein Fachbetrieb.

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