Im Mai summt es plötzlich im Dachüberstand, im Rollladenkasten oder im alten Vogelhaus: Eine Hornissenkönigin hat sich ihr Revier ausgesucht. Viele Hausbesitzer erschrecken, dabei sind Hornissen deutlich friedlicher als ihr Ruf. Wer versteht, wie der Hornissen-Nestbau abläuft, kann besser einschätzen, ob ein Nest ein Problem ist, wann es von selbst wieder verschwindet und was rechtlich erlaubt ist. In diesem Ratgeber erfährst du den Ablauf von der Gründung im Frühjahr bis zum Ende im Herbst, die typischen Nistplätze am Haus, die Rechtslage und konkrete Maßnahmen.
Der Nestbau im Jahresverlauf
Ein Hornissenvolk ist ein Jahresstaat. Im Gegensatz zu Honigbienen überwintert das Volk nicht, sondern gründet jedes Jahr neu.
| Zeitraum | Was passiert | Volksgröße |
|---|---|---|
| Ende April bis Mai | Die überwinterte Jungkönigin sucht eine Höhle und baut ein erstes Nest | 1 Tier |
| Juni | Erste Arbeiterinnen schlüpfen und übernehmen den Ausbau | 10 bis 50 Tiere |
| Juli bis August | Höhepunkt der Entwicklung, das Nest wächst schnell | 100 bis 500 Tiere |
| September | Jungköniginnen und Drohnen schlüpfen und paaren sich | Höchststand, danach Rückgang |
| Oktober bis November | Altes Volk stirbt, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern | Nest wird verlassen |
Das alte Nest wird nie wieder bezogen. Jede Königin baut im Frühjahr ein neues, oft an anderer Stelle. Das Nest im Winter zu entfernen, ist daher bedenkenlos möglich (und ohne Genehmigung erlaubt, wenn keine Tiere mehr darin leben), im Sommer ist es dagegen rechtlich heikel.
Wie bauen Hornissen ihr Nest?
Hornissen bauen aus Holzfasern. Die Arbeiterinnen raspeln morsches Holz, Rinde oder Zaunlatten ab, zerkauen es mit Speichel zu einem Brei und formen daraus papierartige Waben. Daher stammt die graue bis braune, marmorierte Hülle des Nestes. Im Inneren hängen sechseckige Brutzellen in mehreren Etagen übereinander. Ein ausgewachsenes Nest kann einen Durchmesser von 30 bis 60 Zentimetern erreichen.
Die Königin beginnt mit wenigen Zellen, legt Eier und füttert die ersten Larven selbst mit zerkauten Insekten. Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, bleibt sie im Nest und legt nur noch Eier. Die Arbeiterinnen jagen Fliegen, Wespen und andere Insekten, was Hornissen im Garten zu nützlichen Helfern macht. Mehr zur Ernährung liest du im Beitrag zu dem Thema, was Hornissen fressen.
Wo bauen Hornissen am liebsten?
Hornissen mögen dunkle, geschützte Hohlräume. In der Natur sind das hohle Bäume und Spechthöhlen. Da es davon weniger gibt, weichen sie auf Gebäude aus. Typische Orte am Haus:
- Rollladenkästen – warm, trocken und dunkel
- Dachboden und Dachüberstand – oft hinter Verschalungen
- Vogelnistkästen – im Garten ein Klassiker
- Gartenhäuser und Schuppen – in Ecken und unter Dachpappe
- Fassadenhohlräume – etwa hinter Verkleidungen oder an Spalten zwischen Dämmung und Putz
- Hohle Bäume und Obstbäume – natürlicher Nistplatz
Gerade im Sockel- und Fassadenbereich kann es passieren, dass Hornissen Spalten besiedeln. Wie du solche Bereiche sauber ausführst, liest du im Beitrag zu Buntsteinputz am Sockel: Buntsteinputz am Sockel.
Wichtig: Hornissen sind geschützt
Hornissen zählen in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, sie zu töten, zu fangen oder ihre Nester ohne Genehmigung zu zerstören. Verstöße können empfindliche Bußgelder bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen. Eine Entfernung oder Umsiedlung ist nur mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde zulässig, und nur wenn eine konkrete Gefährdung besteht. Das ist ein verbreiteter Irrtum: Viele denken, sie dürften ein Nest einfach selbst entfernen, wenn es am Haus hängt. Das ist es nicht. Auch Insektengift ist keine Option, weil es verboten ist und die Tiere im Nest dadurch nur aggressiver werden.
Wie gefährlich sind Hornissen?
Hornissen sind größer als Wespen, aber deutlich friedlicher. Sie greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen, vor allem in unmittelbarer Nähe zum Nest. Ihr Stich ist schmerzhaft, aber nicht giftiger als der einer Wespe. Gefährlich wird es hauptsächlich bei Allergikern. Mehr zu Größe und Gefährlichkeit steht in den Beiträgen zu Hornissen: wie gefährlich sind sie? und Hornissenstich. Wer sich ruhig verhält, mindestens zwei bis drei Meter Abstand hält und die Flugschneise nicht blockiert, hat in der Regel keine Probleme.
| Verhalten | Empfehlung |
|---|---|
| Hornisse fliegt ums Haus | Ruhig bleiben, nicht wedeln oder pusten |
| Nest in der Nähe von Terrasse oder Eingang | Abstand halten, ggf. Möbel verstellen |
| Nachts Licht an | Hornissen fliegen zu Lichtquellen, Rollladen schließen und Fenster mit Fliegengitter sichern |
| Hornisse im Zimmer | Fenster öffnen und Licht löschen, sie fliegt von selbst hinaus |
| Verdacht auf Allergie | Frühzeitig Arzt konsultieren, Notfallset bereithalten |
Nest am Haus: Was tun?
- Art bestimmen: Handelt es sich wirklich um Hornissen? Verwechslungen mit Wespen oder Hummeln sind häufig.
- Gefährdung beurteilen: Hängt das Nest direkt am Eingang oder in einem Kinderspielbereich?
- Abstand schaffen: Oft reichen Absperrungen oder das Verlagern von Sitzgelegenheiten.
- Fachstelle kontaktieren: Untere Naturschutzbehörde, Naturschutzverbände oder Hornissenberater helfen bei der Einschätzung.
- Umsiedlung nur durch Experten: Nur Fachleute mit Genehmigung dürfen das Nest versetzen.
- Nest im Winter entfernen: Nach dem Absterben des Volkes lässt es sich unproblematisch beseitigen und der Hohlraum abdichten.
Wie die Entfernung rechtlich und praktisch abläuft, steht im Beitrag Hornissen: Wie entfernt man ein Nest?.
Hornissen im Garten: Nützlinge statt Plage
Hornissen fangen große Mengen an Insekten, darunter Fliegen, Mücken, Wespen und Schädlinge. Ein Volk kann pro Tag mehrere hundert Gramm Insekten verbrauchen. Wer Hornissen im Garten duldet, erhält kostenlose Schädlingsbekämpfung. Außerdem sind sie wichtige Bestäuber von Spätblühern. Ein Hornissenkasten, den du an einem ruhigen Platz aufhängst, kann ihnen eine Alternative zu Rollladenkasten und Dachboden bieten. Der Kasten sollte etwa 4 bis 5 Meter hoch hängen, mit Flugloch nach Süden bis Südosten und Abstand zu Sitzplätzen. Frühling im Garten bedeutet auch, giftige Zierpflanzen im Blick zu haben. Welche Pflanzen Vorsicht erfordern, liest du im Beitrag über giftige Osterglocken.
Hornisse, Wespe oder Hummel? So erkennst du das Nest
| Merkmal | Hornisse | Wespe | Hummel |
|---|---|---|---|
| Größe | bis ca. 35 mm (Königin) | 10 bis 20 mm | 15 bis 25 mm |
| Färbung | Rotbraun, gelb gestreift | Schwarz-gelb, scharf abgegrenzt | Pelzig, rundlich |
| Nest | Papierhülle, braun marmoriert, in Hohlräumen | Grau, kugelig, oft im Erdreich oder Dachboden | Kleine Kolonien in Erdlöchern, Moos |
| Aktivität | Auch abends und nachts | Nur tagsüber | Tagsüber |
| Verhalten | Friedlich, verteidigt Nest | Aufdringlich an Süßem | Sanft |
Eine sichere Bestimmung ist wichtig, bevor du Maßnahmen planst. Hornissen sind geschützt, bei Wespen gelten andere Regeln. Fotografiere das Nest aus sicherer Entfernung und frage notfalls beim Naturschutzverband nach.
Mythen rund um Hornissen
Der berühmte Spruch „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd“ ist falsch. Das Gift der Hornisse ist nicht stärker als das einer Biene oder Wespe. Gefährlich ist ein Stich nur bei einer Allergie oder bei Stichen in Mund und Rachen. Ebenso falsch ist, dass Hornissen gezielt Menschen verfolgen. Sie sind neugierig, nicht aggressiv. Ein weiterer Irrtum: Hornissen würden Honigbienenvölker ausrotten. Sie erbeuten gelegentlich einzelne Bienen, bedrohen Völker aber nicht ernsthaft.
Kosten und Unterstützung
Die Beratung durch Naturschutzbehörden und Hornissenberater ist meist kostenlos oder gegen eine kleine Spende möglich. Kostenpflichtig wird es bei einer professionellen Umsiedlung durch Fachbetriebe. Hier fallen je nach Aufwand und Lage ca. 100 bis 400 Euro an, bei schwierigen Standorten auch mehr. Frage vorab nach einem Festpreis und danach, ob die Genehmigung durch die Behörde im Preis enthalten ist. Ein Hornissenkasten kostet im Fachhandel grob 40 bis 120 Euro, ein einfacher Selbstbau deutlich weniger.
Am Ende zählt Gelassenheit: In den meisten Fällen lässt sich das Zusammenleben mit Hornissen ohne Eingriff organisieren. Ihre Saison endet im Herbst von selbst, und das Nest bleibt leer zurück.
Aufbau eines Hornissenkastens: Eine Alternative zum Nest im Haus
Wer Hornissen im Garten haben möchte, ohne dass sie in den Rollladenkasten ziehen, kann ihnen einen Ersatzquartier anbieten. Ein Hornissenkasten ist eine einfache Holzkiste, die innen rau und unbehandelt bleibt, damit die Tiere ihr Nest verankern können. Ideal sind Innenmaße von etwa 30 mal 30 mal 60 Zentimetern, mit einer Einflugöffnung von rund 6 mal 3 Zentimetern am unteren Ende. Der Kasten hängt windgeschützt und trocken, am besten auf einem Baum oder an einer Hauswand, jedoch nicht direkt über Terrasse oder Eingang. Bring ihn Ende März an, bevor die Königinnen auf Quartiersuche gehen. Wird er nicht bezogen, bleibt er trotzdem nutzbar, denn auch andere Tiere profitieren davon. Ein Garantie für Besiedlung gibt es nicht, doch in Regionen mit Hornissenvorkommen gelingt es regelmäßig.
Behandle das Holz niemals mit Lasuren oder Holzschutzmitteln, weil die Dämpfe Hornissen vertreiben und schaden. Reinige den Kasten im Spätherbst, wenn das Volk verschwunden ist, und prüfe vor der nächsten Saison, ob Dichtungen und Aufhängung noch halten.
Vorbeugen: So machst du dein Haus unattraktiv für Nistplätze
- Rollladenkästen mit Insektengitter oder Dichtbürsten sichern.
- Spalten im Dachüberstand und in Verkleidungen im Winter abdichten.
- Nistkästen im Sommer nach der Brut reinigen.
- Dachboden im Frühjahr prüfen und Einfluglöcher schließen.
- Morsches Holz entfernen oder erneuern, das als Baumaterial dient.
Wichtig: Abdichten darfst du nur, wenn kein Nest besetzt ist. Ein besetztes Nest zu verschließen, ist verboten und gefährlich, weil die Tiere einen anderen Ausgang suchen, oft in den Wohnraum.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann bauen Hornissen ihr Nest?
Die Königin beginnt Ende April bis Mai. Das Volk wächst bis September und stirbt im Herbst.
Dürfen Hornissen vernichtet werden?
Nein. Hornissen sind besonders geschützt. Nester dürfen nur mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde entfernt oder umgesiedelt werden.
Besiedeln Hornissen ein altes Nest wieder?
Nein. Jedes Jahr baut eine neue Königin ein neues Nest, meist an anderer Stelle.
Sind Hornissen gefährlicher als Wespen?
Nein. Sie sind friedlicher, ihr Stich ist schmerzhaft, aber nicht gefährlicher. Allergiker sollten vorsichtig sein.
Wann darf ich ein Nest entfernen?
Wenn es nicht mehr bewohnt ist, im Winter. Vorher nur mit Erlaubnis und bei konkreter Gefährdung.
Wie groß wird ein Hornissennest?
Ein Nest kann 30 bis 60 Zentimeter groß werden und im Sommer mehrere hundert Tiere beherbergen.