Wärmepumpe und Photovoltaik gelten als Traumpaar: Die Sonne liefert den Strom, die Wärmepumpe verwandelt ihn in Heizwärme, und die Energiekosten sinken. Ganz so einfach ist es nicht – im Winter, wenn du am meisten heizt, scheint die Sonne am wenigsten. Trotzdem kann die Kombination sinnvoll sein, wenn sie gut geplant ist. In diesem Ratgeber rechnen wir durch, was Wärmepumpe mit Photovoltaik kostet, was sie spart und wann sie sich lohnt.
Die Kosten im Überblick
Die Gesamtkosten setzen sich aus drei Blöcken zusammen: Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und optional Batteriespeicher. Hinzu kommen Nebenkosten wie Elektroinstallation, Zählerschrank, Gerüst, Planung und gegebenenfalls Heizungsumbau. Die folgende Tabelle zeigt grobe Spannen für ein Einfamilienhaus. Reale Angebote können deutlich abweichen.
| Komponente | Kosten (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. Einbau | 20.000–35.000 € | je nach Gerät, Pufferspeicher, Umbauten |
| Erdwärmepumpe inkl. Bohrung | 28.000–50.000 € | höherer Aufwand, bessere Effizienz |
| PV-Anlage 8–10 kWp inkl. Montage | 10.000–17.000 € | ca. 1.200–1.800 € pro kWp |
| Batteriespeicher 5–10 kWh | 4.500–9.000 € | nicht zwingend |
| Energiemanagement / Wallbox-Schnittstelle | 500–2.500 € | Steuerung für PV-Überschuss |
| Elektrik, Zählerschrank, Anmeldung | 1.000–3.500 € | oft unterschätzt |
| Gesamt ohne Speicher | ca. 31.000–55.000 € | vor Förderung |
| Gesamt mit Speicher | ca. 36.000–64.000 € | vor Förderung |
Details zu einzelnen Posten findest du in unseren Ratgebern zu den Wärmepumpe-Kosten, zu den Wärmepumpen-Preisen und zur Photovoltaikanlage-Kosten pro m². Wer sich für Speicher interessiert, findet Hintergründe im Beitrag zum Hausstromspeicher.
Wie viel Strom braucht die Wärmepumpe – und wie viel liefert die PV?
Ein typisches Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Heizwärmebedarf und einer Jahresarbeitszahl von 3,2 braucht rund 4.700 kWh Strom pro Jahr für Heizung und Warmwasser. Eine PV-Anlage mit 10 kWp liefert in Deutschland je nach Standort und Ausrichtung grob 9.000 bis 10.000 kWh pro Jahr. Auf das Jahr gerechnet reicht das also rechnerisch für Wärmepumpe und Haushaltsstrom. Das Problem ist die zeitliche Verteilung.
Im Winter (November bis Februar) liefert die PV nur einen kleinen Teil ihres Jahresertrags, oft nur 10 bis 15 Prozent. Gleichzeitig fällt in diesen Monaten etwa die Hälfte des Wärmepumpenstroms an. Die Folge: Die Wärmepumpe deckt ihren Strombedarf im Winter nur zu einem geringen Teil mit eigener Sonne. Im Sommer gibt es Überschüsse, die du für Warmwasser oder Wallbox nutzen kannst.
Realistische Eigenverbrauchsquoten
| Variante | Anteil Wärmepumpenstrom aus PV (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| PV ohne Speicher, ohne Steuerung | 20–30 % | Standardfall |
| PV mit Energiemanagement (SG Ready) | 25–40 % | Warmwasser und Puffer als Speicher |
| PV mit Batteriespeicher 7–10 kWh | 35–50 % | abhängig von Dimensionierung |
| PV plus Speicher plus Steuerung | 40–55 % | Optimum im Einfamilienhaus |
Die Zahlen sind Erfahrungswerte aus Simulationen und Praxisanlagen, keine Zusagen. Gerade bei Wärmepumpen zeigen Messungen, dass selbst bei guter Auslegung selten mehr als etwa die Hälfte des Wärmepumpenstroms direkt aus der eigenen Anlage stammt. Das ist ein Punkt, der in Prospekten gern verschwiegen wird.
Rechenbeispiel: Lohnt sich die Kombination?
Nehmen wir ein sanierungsfähiges Einfamilienhaus mit 4.700 kWh Wärmepumpenstrom und 3.500 kWh Haushaltsstrom pro Jahr, also insgesamt 8.200 kWh. Die Zahlen unten sind bewusst grob gerundet, damit du das Prinzip nachrechnen kannst. Strompreis: 0,30 € pro kWh Netzbezug (Haushalt), 0,26 € im Wärmepumpentarif, Einspeisevergütung ca. 8 ct pro kWh.
| Posten | Ohne PV | Mit PV (ohne Speicher) | Mit PV und Speicher |
|---|---|---|---|
| Strombedarf gesamt | 8.200 kWh | 8.200 kWh | 8.200 kWh |
| Davon aus PV direkt | 0 | ca. 2.800 kWh | ca. 4.100 kWh |
| Netzbezug | 8.200 kWh | 5.400 kWh | 4.100 kWh |
| Stromkosten pro Jahr (ca.) | ca. 2.350 € | ca. 1.550 € | ca. 1.200 € |
| Einspeisung | 0 | ca. 6.500 kWh | ca. 5.200 kWh |
| Einnahmen Einspeisung (ca.) | 0 | ca. 520 € | ca. 420 € |
| Ersparnis pro Jahr (ca.) | – | ca. 1.300 € | ca. 1.570 € |
| Mehrinvestition PV / Speicher | – | ca. 13.000 € | ca. 20.000 € |
Bei diesen Annahmen liegt die Amortisation der PV-Anlage bei rund 10 Jahren, mit Speicher eher bei 12 bis 14 Jahren. Die Speicherinvestition rechnet sich oft schlechter als die PV-Anlage selbst, bietet aber mehr Unabhängigkeit. Tools zur eigenen Rechnung findest du im Photovoltaik-Rechner. Verlasse dich nie nur auf Pauschalen: Dachausrichtung, Verschattung und Stromtarif verändern das Ergebnis erheblich.
Fördermöglichkeiten
- Wärmepumpe: Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sind Zuschüsse möglich. Die Höhe hängt von Grundförderung, Boni (z. B. Heizungstausch, Einkommen) und den aktuellen Richtlinien ab. Prüfe die Bedingungen bei KfW bzw. BAFA vor Vertragsabschluss.
- Photovoltaik: Für PV-Anlagen selbst gibt es in der Regel keinen direkten Zuschuss, wohl aber zinsgünstige Kredite und die Einspeisevergütung. Kommunale oder landesweite Programme existieren teils zusätzlich.
- Steuer: Kleine PV-Anlagen sind unter bestimmten Bedingungen von der Umsatzsteuer befreit. Die Details ändern sich, deshalb solltest du aktuellen Rat vom Steuerberater oder Installateur einholen.
- Wärmepumpentarif: Viele Versorger bieten günstigere Tarife an. Prüfe, ob sich ein separater Zähler lohnt.
Die Konditionen ändern sich häufig. Alle Angaben sind Größenordnungen und ersetzen keine Beratung durch Energieberater oder Förderstellen.
So optimierst du die Kombination
- Größe der PV-Anlage: Bei Wärmepumpe lohnt eine größere Anlage, die auch im Winter etwas liefert. Dachflächen nach Süden, Osten und Westen können kombiniert werden.
- SG-Ready-Schnittstelle: Viele Wärmepumpen können bei PV-Überschuss gezielt mehr Wärme erzeugen und den Puffer- oder Warmwasserspeicher aufladen.
- Warmwasser mittags: Verschiebe die Warmwasserbereitung in die sonnenreichen Stunden.
- Niedrige Vorlauftemperatur: Je effizienter die Wärmepumpe, desto weniger Strom braucht sie. Siehe Luft-Wärmepumpe im Winter.
- Batteriespeicher mit Augenmaß: Als Faustregel reichen 1 bis 1,5 kWh Speicher pro 1.000 kWh Haushaltsstrom. Größere Speicher bringen im Winter kaum zusätzlichen Nutzen.
- Wallbox einbinden: Ein Elektroauto kann Überschüsse im Sommer aufnehmen und senkt den Netzbezug.
Verbreitete Annahme: Mit PV und Wärmepumpe bist du autark
Der Gedanke, mit der Kombination von Sonne und Wärmepumpe unabhängig vom Stromnetz zu werden, ist verlockend. In der Realität bleibt ein Haus mit Wärmepumpe im Winter auf Netzstrom angewiesen. Selbst mit großem Speicher erreichen Einfamilienhäuser über das Jahr selten mehr als 60 bis 70 Prozent Autarkie beim Gesamtstrom, beim Wärmepumpenstrom allein oft deutlich weniger. Vollständige Autarkie wäre nur mit sehr großem, teurem Saisonspeicher möglich und lohnt sich wirtschaftlich nicht. Betrachte die Kombination deshalb als Kostensenker und Klimabeitrag, nicht als Weg in die völlige Unabhängigkeit.
Dach, Ausrichtung und Anlagengröße
Der Ertrag einer PV-Anlage hängt von Ausrichtung, Neigung und Verschattung ab. Süddächer mit 30 bis 35 Grad Neigung bringen den höchsten Jahresertrag. Ost-West-Dächer liefern etwas weniger insgesamt, verteilen den Ertrag aber gleichmäßiger über den Tag. Das passt oft besser zum Verbrauch der Wärmepumpe, die morgens und abends heizt. Ein steileres Dach bringt im Winter etwas mehr Ertrag, weil die Sonne niedrig steht. Fassadenmodule oder Anlagen mit steiler Aufständerung sind eine Option, wenn der Winterertrag im Fokus steht, kosten aber mehr. Lass dir mehrere Varianten durchrechnen und ziehe nicht nur den Maximalertrag, sondern den Eigenverbrauch als Entscheidungsgröße heran.
Als grobe Dimensionierung gilt: Plane für den Strombedarf der Wärmepumpe plus Haushalt ungefähr 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch und setze die Obergrenze durch die Dachfläche. Ein Haus mit 8.200 kWh Gesamtverbrauch kommt also auf etwa 8 bis 10 kWp, wenn du Platz und Budget hast.
Ablauf und Zeitplan
- Heizlast berechnen und Wärmepumpe auslegen lassen.
- Dachprüfung und Statik, Ertragsprognose für die PV-Anlage.
- Angebote einholen, mindestens drei vergleichen.
- Förderanträge stellen, bevor Verträge unterschrieben werden, wo erforderlich.
- Montage von Wärmepumpe, PV und Elektrik; Netzanmeldung und Anmeldung im Marktstammdatenregister.
- Inbetriebnahme, Einregulierung, hydraulischer Abgleich und Einweisung.
Rechne mit mehreren Wochen bis Monaten Vorlauf, je nach Handwerkerkapazität, Lieferzeiten und Netzbetreiber. Wer beides aus einer Hand bestellt, spart oft Koordinationsaufwand, sollte aber trotzdem die Einzelpreise vergleichen.
Wartung und laufende Kosten
Zu den laufenden Kosten zählen die Wartung der Wärmepumpe (ca. 150 bis 300 € pro Jahr), die Versicherung der PV-Anlage (ca. 50 bis 150 € pro Jahr), eventuell Zählermiete und Wechselrichter-Austausch nach etwa 12 bis 15 Jahren. Setze für die Gesamtrechnung ruhig 1 bis 1,5 Prozent der Investition als jährliche Betriebskosten an.
Wann lohnt sich Wärmepumpe plus Photovoltaik – und wann nicht?
Die Kombination lohnt sich vor allem, wenn du ein eigenes Haus mit geeignetem Dach hast, die Wärmepumpe effizient läuft und du bereit bist, in die Steuerung zu investieren. Weniger attraktiv ist sie, wenn das Dach verschattet oder klein ist, die Wärmepumpe wegen hoher Vorlauftemperaturen ineffizient arbeitet oder du das Haus bald verkaufst. In diesen Fällen kann es sinnvoller sein, zuerst die Heizung zu modernisieren und die Photovoltaik später zu ergänzen. Mehr zum Heizungsaustausch findest du im Ratgeber zur Heizung modernisieren.
Zum Schluss ein Rat zur Angebotsprüfung: Achte darauf, dass im Angebot die Heizlastberechnung, der hydraulische Abgleich, die Netzanmeldung und die Inbetriebnahme enthalten sind. Fehlen diese Posten, kommen sie später als Nachträge. Lass dir außerdem die erwartete Jahresarbeitszahl und den prognostizierten PV-Ertrag schriftlich geben, damit du die Zusagen später mit der Realität vergleichen kannst.
Häufige Fragen (FAQ)
Was kostet eine Wärmepumpe mit Photovoltaik?
Insgesamt ca. 31.000 bis 55.000 € ohne und ca. 36.000 bis 64.000 € mit Batteriespeicher, jeweils vor Förderung. Die tatsächlichen Kosten hängen von Haus, Dach und Gerätewahl ab.
Wie viel Wärmepumpenstrom kann die PV decken?
Ohne Speicher grob 20 bis 30 %, mit Speicher und Steuerung bis etwa 40 bis 55 %. Im Winter ist der Anteil deutlich niedriger als im Sommer.
Brauche ich unbedingt einen Batteriespeicher?
Nein. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch, rechnet sich aber oft später als die PV-Anlage. Viele nutzen zuerst Warmwasser- oder Pufferspeicher als thermischen Speicher.
Wie groß sollte die PV-Anlage bei einer Wärmepumpe sein?
Häufig 8 bis 12 kWp. Die genaue Größe hängt von Dachfläche, Stromverbrauch und Budget ab.
Wird die PV-Anlage gefördert?
In der Regel nicht direkt. Es gibt Einspeisevergütung und teils Kredite oder regionale Programme. Die Wärmepumpe wird über die BEG gefördert.
Wie lange dauert die Amortisation?
Je nach Annahmen ca. 10 bis 14 Jahre für die PV-Anlage. Die Werte sind nur grobe Orientierung.
Lohnt sich ein Wärmepumpentarif trotz PV?
Oft ja, weil du im Winter weiter Netzstrom brauchst. Vergleiche Tarife und Zählerkosten.