Stauraum schaffen: Ideen für jeden Raum und was sie kosten

In jeder Wohnung liegen 20 bis 35 Prozent des Volumens brach. Wie du es erschliesst - und warum mehr Stauraum allein kein Ordnungsproblem loest.

Last updated on Sep. 2, 2026

Veröffentlicht am Sep. 2, 2026

Stauraum ist eines der Themen, bei denen fast jeder das gleiche Problem hat und fast jeder die gleiche falsche Lösung wählt: noch ein Regal, noch eine Kommode, noch eine Box. Nach einem halben Jahr ist die Wohnung voller, aber nicht ordentlicher. Der Grund ist einfach – zusätzliche Möbel schaffen Ablagefläche, aber sie nutzen keinen Raum, der vorher ungenutzt war.

Wo der ungenutzte Raum tatsächlich liegt

In einer durchschnittlichen Wohnung liegt zwischen 20 und 35 Prozent des Volumens brach. Nicht die Fläche – das Volumen. Diese Bereiche sind fast immer dieselben:

Über Türen. Der Streifen zwischen Türsturz und Decke ist typischerweise 40 bis 60 Zentimeter hoch und über die gesamte Türbreite verfügbar. In einem Flur mit vier Türen ergibt das mehrere laufende Meter Regalfläche für selten benötigte Dinge.

Zwischen Schrankoberkante und Decke. Standardschränke sind 200 bis 220 Zentimeter hoch, Räume 250 Zentimeter. Diese 30 bis 50 Zentimeter sind der klassischste tote Raum überhaupt.

Unter Betten. 15 bis 25 Zentimeter Höhe auf zwei Quadratmetern Fläche – das entspricht dem Volumen eines großen Kleiderschranks.

Unter Treppen. Ein Treppenraum enthält je nach Bauform drei bis sechs Kubikmeter Volumen, die meist nur als Abstellecke dienen.

In Dachschrägen. Der Bereich unter etwa 120 Zentimetern Höhe ist als Wohnfläche kaum nutzbar, als Stauraum aber ideal.

In Wandnischen und Vorwänden. Jede Vorwandinstallation im Bad, jede Nische zwischen tragenden Wänden ist potenzieller Einbauraum.

Der ehrliche Punkt: Mehr Stauraum löst kein Ordnungsproblem

Es lohnt sich, das klar zu sagen, weil es dem gängigen Ratschlag widerspricht. Wenn eine Wohnung dauerhaft unordentlich wirkt, liegt es in den seltensten Fällen an fehlendem Volumen. Es liegt daran, dass die Dinge keinen definierten Platz haben – oder einen Platz, der zu weit vom Ort der Nutzung entfernt ist.

Zusätzlicher Stauraum, der nicht am richtigen Ort liegt, wird zum Zwischenlager und nicht zur Lösung. Ein Kellerregal für Dinge, die im Wohnzimmer gebraucht werden, wird nach zwei Wochen nicht mehr benutzt. Die relevante Frage ist deshalb nicht "wo kann ich mehr unterbringen", sondern "wo entsteht die Unordnung, und was fehlt genau dort".

Praktisch heißt das: Beobachte eine Woche lang, wo sich Dinge stapeln. Diese Stellen – meist Flurkommode, Küchenarbeitsplatte, Esstisch und Sofatisch – zeigen dir, welcher Stauraum an welcher Stelle fehlt. Alles andere ist Volumenoptimierung ohne Wirkung.

Die drei Kategorien

Sortiere deinen Besitz nach Zugriffshäufigkeit, nicht nach Art. Das ist die wirksamste einzelne Maßnahme.

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KategorieZugriffWo es hingehörtBeispiele
Täglichmehrmals pro WocheGriffhöhe 70 – 160 cm, am NutzungsortGeschirr, Kleidung der Saison, Werkzeugkiste
Regelmäßigmonatlich bis saisonalBück- und Streckzone, gleicher RaumBettwäsche, Vorräte, Reinigungsmittel
Seltenein- bis zweimal im JahrHochzone, Keller, DachbodenWeihnachtsdeko, Koffer, Winterreifen

Der häufigste Fehler ist, dass Kategorie 3 die besten Plätze belegt. Wenn du im Schlafzimmerschrank auf Augenhöhe Dinge lagerst, die du einmal im Jahr brauchst, während die Alltagskleidung gestapelt daneben liegt, ist nicht zu wenig Stauraum vorhanden, sondern er ist falsch belegt.

Raum für Raum: konkrete Lösungen

Flur

Der Flur ist der wichtigste und am schlechtesten genutzte Raum. Eine schmale, raumhohe Einbaulösung mit 35 Zentimetern Tiefe nimmt Jacken, Schuhe, Taschen und Alltagskram auf – ohne den Durchgang zu verengen. Wichtig ist eine offene Ablage in Griffhöhe für Schlüssel und Post: Wo diese Ablage fehlt, entsteht sie von selbst, meist auf der Küchenarbeitsplatte.

Küche

Auszüge statt Drehtüren sind die einzige Küchenentscheidung, die sich in jedem Fall lohnt. Ein Unterschrank mit Drehtür ist in der Tiefe zu etwa 60 Prozent nutzbar, ein Vollauszug zu 100 Prozent. Der Aufpreis liegt bei 40 bis 90 Euro pro Schrank und ist die wirtschaftlichste Stauraummaßnahme überhaupt. Nutze außerdem die Nische zwischen Arbeitsplatte und Oberschrank – eine Reling oder eine flache Hängeleiste hält Alltagsgegenstände von der Arbeitsfläche fern.

Bad

Vorwandinstallationen sind ohnehin vorhanden und meistens verschenkt. Eine Nische in der Vorwand hinter dem WC oder in der Dusche kostet im Rohbau fast nichts. Ein hoher, schmaler Schrank neben dem Waschtisch bietet mehr Volumen als eine breite Kommode und braucht weniger Fläche.

Schlafzimmer

Bettkästen oder rollbare Unterbettboxen erschließen ein großes Volumen für saisonale Textilien. Der Kleiderschrank sollte bis zur Decke gehen – der Aufsatz kostet wenig und ergibt eine komplette zusätzliche Ebene.

Kinderzimmer

Hier gilt eine Sonderregel: Stauraum muss vom Kind selbst bedienbar sein, sonst wird er nicht benutzt. Offene, niedrige Boxen schlagen geschlossene Schränke deutlich. Die Hochzone bleibt den Eltern für Kategorie 3.

Treppe und Dachschräge

Unter der Treppe sind Schubladen die beste Lösung, weil sie die Tiefe erschließen – ein Schrank mit Tür lässt den hinteren Bereich ungenutzt. Bei Dachschrägen gilt dasselbe: Auszüge auf Rollen unter der Schräge sind funktional, feste Einbauschränke oft nicht. Wie sich das in eine Gesamtplanung fügt, steht im Beitrag zum Obergeschoss gestalten.

Was Stauraumlösungen kosten

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Lösungca. KostenGewonnener Stauraum
Unterbettboxen (4 Stück)40 – 120 €ca. 0,3 m³
Vollauszüge nachrüsten (pro Schrank)40 – 90 €+ 40 % Nutzbarkeit
Regalbrett über Tür (pro Meter)25 – 60 €ca. 0,15 m³
Schrankaufsatz bis zur Decke150 – 400 €ca. 0,5 m³
Nische in Vorwand (im Rohbau)80 – 250 €ca. 0,1 m³
Treppenschubladen, Tischlerarbeit1.500 – 4.500 €ca. 1,5 – 3 m³
Einbauschrank Dachschräge, Tischler (pro lfd. Meter)600 – 1.400 €ca. 0,8 m³ / Meter
Einbauschrank Flur, Systemlösung (pro lfd. Meter)350 – 900 €ca. 0,9 m³ / Meter
Hauswirtschaftsraum, Regalausstattung300 – 900 €ca. 3 – 5 m³

Bemerkenswert an dieser Tabelle ist das Preis-Volumen-Verhältnis. Die günstigsten Lösungen sind fast immer die, die vorhandenes Volumen erschließen – Auszüge, Aufsätze, Unterbettboxen. Die teuersten sind maßgefertigte Tischlerarbeiten, die dafür aber Räume erschließen, an die man sonst nicht herankommt.

Beim Neubau richtig planen

Wer neu baut, hat die günstigste Gelegenheit überhaupt und lässt sie meistens verstreichen. Vier Punkte gehören in die Planung:

Ein Hauswirtschaftsraum mit 6 bis 8 Quadratmetern. Er ist der wirksamste Stauraum eines Hauses und wird beim Sparen als Erstes gestrichen. Ohne ihn wandern Waschmaschine, Putzmittel, Vorräte und Technik in Küche, Bad und Flur – also in die Räume, in denen Ordnung sichtbar ist.

Nischen statt gerader Wände. Eine 40 Zentimeter tiefe Nische in einer nichttragenden Wand kostet im Rohbau kaum etwas und nimmt später einen Einbauschrank auf, der bündig abschließt.

Ausreichende Kniestockhöhe. Bei ausgebautem Dachgeschoss entscheidet der Kniestock darüber, ob unter der Schräge Stauraum entsteht oder nur eine ungenutzte Kante. 100 bis 125 Zentimeter sind der Bereich, in dem der Nutzen sprunghaft steigt.

Ein sinnvoll geplanter Keller. Der günstigste Stauraum pro Kubikmeter, sofern er trocken ist. Die Aufbauten und die Frage der Feuchtigkeit sollten vorher geklärt sein – nachträgliches Keller sanieren ist erheblich aufwendiger.

All das entscheidet sich beim Grundriss für dein Einfamilienhaus und ist danach kaum noch korrigierbar. Auch die Ausführung gehört früh geklärt – im Innenausbau sind Vorwände und Nischen deutlich günstiger als jede spätere Nachrüstung.

Der Bestand: aussortieren mit System

Vor jeder Stauraumerweiterung steht die Frage, ob das Volumen überhaupt gebraucht wird. Eine praktikable Methode ohne moralischen Überbau: Nimm dir einen Bereich vor – eine Schublade, ein Schrankfach – und sortiere in drei Stapel. Was du in den letzten zwölf Monaten benutzt hast, bleibt. Was du nicht benutzt hast, aber ersetzen müsstest, wenn du es wegwirfst, bleibt ebenfalls. Alles andere geht.

Wichtig ist die Begrenzung auf einen Bereich pro Durchgang. Wer die ganze Wohnung auf einmal angeht, bricht nach zwei Stunden ab und hat anschließend mehr Chaos als vorher.

Bei Gartengeräten, Werkzeug und saisonalem Zubehör lohnt sich die Auslagerung nach draußen. Ein Gartenhaus nimmt genau die sperrigen Dinge auf, die im Haus den meisten Platz kosten – Rasenmäher, Fahrräder, Gartenmöbel im Winter.

Kleine Räume: was tatsächlich hilft

In kleinen Wohnungen gilt konsequent Vertikale vor Horizontale. Ein 40 Zentimeter tiefes, deckenhohes Regal fasst mehr als ein 80 Zentimeter tiefes Sideboard und nimmt die halbe Stellfläche. Wandmontage schlägt Standmöbel, weil sichtbarer Boden den Raum größer wirken lässt.

Multifunktionale Möbel sind sinnvoll, aber nur wenn beide Funktionen wirklich genutzt werden. Ein Bettsofa, das nie ausgeklappt wird, ist ein schlechtes Sofa. Ein Esstisch mit Schubladen dagegen ist eine echte Doppelnutzung.

Ein oft übersehener Faktor: Einheitliche Behälter wirken deutlich ruhiger als gemischte, und der Effekt auf den wahrgenommenen Platz ist größer als der auf den tatsächlichen. Wenn du ohnehin renovierst, lohnt es sich, die Wandgestaltung mitzudenken – helle Wände und offene Regale in Wandfarbe verschwinden optisch. Wie du dabei vorgehst, steht im Beitrag zum Thema Wände streichen.

Häufige Fragen zum Stauraum schaffen

Wie schaffe ich Stauraum in einer kleinen Wohnung?

Nutze konsequent die Höhe: deckenhohe Regale, Schrankaufsätze, Ablagen über Türen. Erschließe vorhandenes Volumen unter Bett, Treppe und Dachschräge. Wandmontierte Möbel wirken leichter als Standmöbel. Und sortiere zuerst aus – zusätzlicher Stauraum für Ungenutztes verschiebt das Problem nur.

Was kostet ein Einbauschrank?

Systemlösungen liegen bei 350 bis 900 Euro pro laufendem Meter, maßgefertigte Tischlerarbeiten bei 600 bis 1.400 Euro pro Meter, bei Dachschrägen und Sonderformen auch darüber. Treppeneinbauten mit Schubladen kosten 1.500 bis 4.500 Euro. Systemschränke sind bei geraden Wänden fast immer wirtschaftlicher.

Wie viel Stauraum braucht ein Haushalt?

Als Orientierung gelten etwa 1 bis 1,5 Kubikmeter Stauraum pro Person plus 3 bis 5 Kubikmeter für gemeinschaftliche und saisonale Dinge. Eine vierköpfige Familie liegt damit bei 8 bis 11 Kubikmetern. Entscheidender als die Gesamtmenge ist aber die Verteilung auf die Räume, in denen die Dinge gebraucht werden.

Lohnt sich ein Hauswirtschaftsraum?

Ja, er ist bezogen auf die Fläche der wirksamste Stauraum eines Hauses. Sechs bis acht Quadratmeter nehmen Waschmaschine, Trockner, Reinigungsgeräte, Vorräte und Haustechnik auf und entlasten Küche, Bad und Flur spürbar. Beim Neubau ist er einer der günstigsten Räume überhaupt.

Auszüge oder Türen bei Unterschränken?

Auszüge, ohne Einschränkung. Ein Unterschrank mit Drehtür ist in der Tiefe nur zu etwa 60 Prozent praktisch nutzbar, ein Vollauszug zu 100 Prozent. Der Aufpreis von 40 bis 90 Euro pro Schrank ist die günstigste Stauraumgewinnung, die es gibt.

Wie tief sollte ein Einbauschrank sein?

Für Kleidung auf Bügeln 60 Zentimeter, für gefaltete Textilien und Kartons 40 bis 45 Zentimeter, für Bücher und Vorräte 25 bis 35 Zentimeter. Im Flur reichen 35 Zentimeter für Jacken, wenn du eine seitliche Aufhängung verwendest – das spart erheblich Durchgangsbreite.

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