Schrauben Arten: Gewinde, Kopf, Antrieb und Werkstoff

Spanplatten-, Trockenbau- oder Blechschraube, Torx oder Kreuzschlitz, verzinkt oder Edelstahl: So findest du die richtige Schraube.

Last updated on Sep. 10, 2026

Veröffentlicht am Sep. 10, 2026

In der Schraubenkiste der meisten Haushalte liegen drei Sorten: die aus dem letzten Möbelbausatz, die aus dem Sortimentskasten und die, von denen niemand mehr weiss, wofür sie waren. Solange es um ein Regal in der Garage geht, funktioniert das. Sobald Holz spaltet, Schraubenköpfe durchdrehen oder Schrauben im Aussenbereich rosten, wird sichtbar, dass Schrauben tatsächlich unterschiedlich konstruiert sind.

Die gute Nachricht: Du musst nicht die DIN-Nummern auswendig lernen. Es reicht, vier Merkmale lesen zu können – Gewinde, Kopf, Antrieb und Werkstoff.

Das Gewinde entscheidet über den Werkstoff

Spanplattenschrauben (auch Universalschrauben) haben ein grobes, weit auslaufendes Gewinde und einen Teilschaft. Sie sind der Standard für Holz, Holzwerkstoffe und alles, was in einen Dübel geht. Das grobe Gewinde greift in weichem Material und zieht Bauteile zusammen.

Holzbauschrauben sind die großen Verwandten mit Teilgewinde und meist Torx-Antrieb. Sie ersetzen im Holzbau vielfach Bolzen und werden für Terrassen, Carports und Dachkonstruktionen verwendet.

Metallschrauben haben ein feines, durchgehendes metrisches Gewinde (M4, M6, M8) und brauchen ein Gegenstück: eine Mutter oder ein geschnittenes Innengewinde. Sie hält nichts von allein in Holz.

Blechschrauben schneiden ihr Gewinde selbst in dünnes Metall. Genau die brauchst du, wenn du in einer Trockenbauwand direkt in das Metallständerprofil schraubst.

Trockenbauschrauben erkennst du am schwarzen Phosphatüberzug und dem Trompetenkopf, der sich ins Gipskartonpapier einzieht, ohne es zu zerreißen.

SchraubenartGewindeEinsatzAntriebPreis (200 Stück)
Spanplattenschraubegrob, TeilschaftHolz, Dübel, MöbelTorx, PZca. 8–20 €
Holzbauschraubegrob, TeilgewindeTerrasse, Carport, BalkenTorxca. 30–80 €
Trockenbauschraubefein oder grobGipskarton auf Profil/HolzPHca. 6–15 €
Blechschraubeselbstschneidenddünnes Metall, StänderprofilPH, Torxca. 8–18 €
Metallschraube (M-Gewinde)metrisch, durchgehendmit Mutter oder InnengewindeInnensechskantca. 10–25 €
Terrassenschraube A2/A4grob, BohrspitzeAußenbereich, HolzdeckTorxca. 25–70 €

Der Kopf: mehr als Optik

Senkkopf verschwindet bündig im Material. Das ist der Standard, wenn nichts überstehen soll – bei harten Hölzern und bei Metall musst du dafür ansenken, sonst drückt der Kopf das Material auf.

Linsenkopf sitzt leicht erhaben und wirkt gestalterisch bewusster. Bei Beschlägen und sichtbaren Verschraubungen die schönere Lösung.

Flachkopf und Tellerkopf haben eine große Auflagefläche und verteilen die Last. Sie gehören dorthin, wo weiches Material oder dünne Platten gehalten werden.

Sechskantkopf lässt sich mit Schlüssel oder Nuss anziehen und verträgt hohe Drehmomente. Typisch bei Holzbau und Metallkonstruktionen.

Der Antrieb: warum Kreuzschlitz eine schlechte Erfindung ist

Der Kreuzschlitz gibt es in zwei Varianten, die ständig verwechselt werden: PH (Phillips) und PZ (Pozidriv). PH hat abgerundete Flanken, PZ zusätzliche kleine Striche zwischen den Kreuzarmen. Ein PH-Bit in einer PZ-Schraube sitzt nicht richtig und rundet den Kopf aus. Genau das ist die häufigste Ursache für durchgedrehte Schrauben.

Dazu kommt: Phillips wurde ursprünglich bewusst so konstruiert, dass das Bit bei zu hohem Drehmoment herausrutscht – damals ein Schutz für Fertigungsanlagen, heute ein Konstruktionsfehler in der Hand des Heimwerkers. Der Effekt heißt Cam-Out und ist der Grund, warum man beim Schrauben so kräftig drücken muss.

Torx (TX oder T) mit seinem Sechsstern hat dieses Problem nicht. Das Bit rutscht praktisch nicht heraus, du brauchst weniger Anpressdruck, und die Schraube lässt sich auch nach Jahren noch lösen. Wenn du die Wahl hast, nimm Torx – der Aufpreis liegt bei wenigen Cent pro 100 Schrauben und macht die Arbeit spürbar angenehmer.

Achte auf die richtige Bitgröße: TX20 für 4er- und 4,5er-Schrauben, TX25 für 5er, TX30 für 6er. Ein zu kleines Bit ruiniert den Kopf genauso zuverlässig wie ein falscher Antrieb.

Der Werkstoff: wo Edelstahl Pflicht ist

Verzinkte Stahlschrauben sind der Standard für innen. Sobald sie dauerhaft Feuchtigkeit ausgesetzt sind, rosten sie – und der Rost läuft als brauner Streifen über die Fassade oder die Terrassendiele.

A2-Edelstahl ist rostfrei und die richtige Wahl für den normalen Außenbereich: Terrasse, Gartenzaun, Carport. A4-Edelstahl enthält zusätzlich Molybdän und wird gebraucht, wo Chlorid im Spiel ist – Küstennähe, Schwimmbad, gestreute Flächen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Bei gerbsäurehaltigen Hölzern wie Eiche, Lärche, Douglasie und vielen Tropenhölzern reagiert verzinkter Stahl mit der Gesäure des Holzes. Es entstehen schwarzblaue Verfärbungen rund um jede Schraube, die sich nicht mehr entfernen lassen. In Eiche und Lärche gehört deshalb auch innen Edelstahl.

Richtig schrauben: Vorbohren, Drehmoment, Abstand

Vorbohren. Bei Weichholz und Spanplatten im Flächenbereich brauchst du meist nicht vorzubohren. Sobald du in Hirnholz, in Hartholz oder nah an der Kante schraubst, musst du. Der Vorbohrer entspricht etwa dem Kerndurchmesser der Schraube – als Faustregel 60 bis 70 Prozent des Außendurchmessers. Für eine 5er-Schraube also 3 Millimeter.

Randabstand. Halte mindestens das Fünffache des Schraubendurchmessers zur Kante ein, bei Hirnholz das Zehnfache. Wer eine 5er-Schraube zwei Zentimeter vom Rand in eine Leimholzplatte dreht, spaltet sie.

Drehmoment. Der Akkuschrauber hat eine Rutschkupplung – nutze sie. Stell sie niedrig ein und taste dich hoch, statt auf der höchsten Stufe oder im Bohrmodus zu arbeiten. Eine überdrehte Schraube in Spanplatte hält gar nichts mehr, weil das Gewinde im Material ausgerissen ist.

Bit gerade halten. Schräg angesetzt rundet das Bit den Kopf aus. Eine Bithalterung mit Magnet und ausreichender Länge hilft mehr als jede Kraft.

Zur Wahl des passenden Akkuschraubers und der Grundausstattung siehe unverzichtbares Werkzeug für Heimwerker und Bosch Werkzeuge.

Schrauben und Dübel: das Paar muss passen

Eine Schraube im Dübel hat eine andere Aufgabe als eine Schraube in Holz: Sie muss den Dübel aufweiten, nicht selbst greifen. Deshalb gilt hier eine eigene Regel.

Die Schraube muss mindestens 10 Millimeter über das Dübelende hinausragen, sonst wird der hintere Spreizbereich gar nicht aktiviert – und genau der trägt die Last. Die Gesamtlänge rechnest du so: Dübellänge plus Dicke des zu befestigenden Teils plus 10 Millimeter.

Der Durchmesser richtet sich nach der Dübelgröße: In einen 6er-Dübel gehört eine 4,5er- oder 5er-Schraube, in einen 8er eine 5er oder 6er. Eine zu dicke Schraube sprengt den Dübel, eine zu dünne spreizt ihn nicht auf. Die Details dazu stehen unter Dübel, und beim Bohren des Lochs hilft Beton bohren.

Festigkeitsklassen: die Zahlen auf dem Kopf

Auf Metallschrauben steht häufig eine Zahl wie 8.8, 10.9 oder 12.9. Sie beschreibt die Festigkeit: Die erste Ziffer mal 100 ergibt die Zugfestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter, die zweite gibt an, bei welchem Anteil davon die Schraube sich bleibend verformt. Eine 8.8er-Schraube hält also rund 800 N/mm² aus und fließt bei 80 Prozent dieses Werts.

Für den Hausgebrauch reicht 8.8 fast immer. Wichtiger ist ein anderer Punkt: Höhere Festigkeit bedeutet härteres, aber auch spröderes Material. Eine 12.9er-Schraube hält größere Kräfte aus, bricht dafür schlagartig, statt sich vorher zu verformen. In Konstruktionen, die sich bewegen oder Schläge abbekommen, ist die vermeintlich schwächere Schraube deshalb oft die richtige.

Bei Edelstahlschrauben findest du stattdessen Angaben wie A2-70 oder A4-80. A2 und A4 bezeichnen die Legierung, die Zahl dahinter die Zugfestigkeit. Edelstahl ist bei gleicher Größe weniger fest als verzinkter Stahl – dafür rostet er nicht. Bei tragenden Verbindungen im Freien musst du das einrechnen und gegebenenfalls eine Nummer größer wählen.

Typische Fehler

FehlerFolgeBesser so
PH-Bit in PZ-SchraubeKopf rundet ausAntrieb prüfen, Torx bevorzugen
Nicht vorgebohrt in HartholzHolz spaltetKerndurchmesser vorbohren
Verzinkt in Eiche oder LärcheSchwarze VerfärbungenEdelstahl A2 verwenden
Verzinkt im AußenbereichRostfahnen an der FassadeA2, an der Küste A4
Volle DrehmomentstufeGewinde reisst ausKupplung niedrig einstellen
Schraube zu kurz für den DübelDübel spreizt nur halb10 mm Überstand einplanen
Zu nah an der KantePlatte reisst auf5-facher Durchmesser Abstand

Was in eine sinnvolle Grundausstattung gehört

Statt eines großen Sortimentskastens mit 800 Schrauben, von denen du 700 nie brauchst, fährst du mit wenigen gezielten Packungen besser.

Spanplattenschrauben mit Torx in 4 mal 40, 4,5 mal 50 und 5 mal 70 Millimetern decken den Großteil aller Holz- und Dübelarbeiten ab. Dazu Trockenbauschrauben 3,5 mal 25 und 3,5 mal 35 Millimeter, falls Gipskarton im Haus ist. Eine Packung Edelstahlschrauben A2 in 4,5 mal 60 für alles im Freien. Und einige Blechschrauben für Ständerprofile.

Wichtiger als die Schrauben sind die Bits. Kauf hochwertige Torx-Bits in TX20, TX25 und TX30 sowie PZ2 – und zwar mehrere, denn Bits sind Verschleißteile. Ein abgenutztes Bit erkennst du an abgerundeten Kanten; es ruiniert jede Schraube, die du damit anfasst. Eine magnetische Bitverlängerung erspart dir viel Ärger an schwer zugänglichen Stellen.

Häufige Fragen zu Schrauben

Was bedeuten die Zahlen auf der Schraubenpackung?

Die erste Zahl ist der Außendurchmesser des Gewindes in Millimetern, die zweite die Länge. Bei 4,5 mal 50 hat die Schraube also 4,5 Millimeter Durchmesser und 50 Millimeter Länge. Bei Senkkopfschrauben wird die Länge inklusive Kopf gemessen, bei Linsen- und Sechskantkopf ohne.

Was kostet eine gute Schraubenausstattung?

Drei Größen Spanplattenschrauben mit je 200 Stück kosten etwa 25 bis 50 Euro, ein guter Bitsatz 15 bis 40 Euro, dazu Edelstahl- und Trockenbauschrauben für 20 bis 40 Euro. Mit rund 60 bis 130 Euro bist du für Jahre ausgerüstet.

Wie bekomme ich eine durchgedrehte Schraube heraus?

Erst ein Gummiband oder ein Stück Stahlwolle zwischen Bit und Schraubenkopf legen – das füllt den ausgerundeten Antrieb und reicht oft. Wenn nicht, hilft ein Schraubenausdreher: ein Linksgewindebohrer, der sich beim Linksdrehen im Kopf verkeilt. Als letzte Möglichkeit sägst du mit einer Trennscheibe einen Schlitz in den Kopf und nutzt einen Schlitzschraubendreher.

Torx oder Kreuzschlitz – was ist besser?

Torx, mit deutlichem Abstand. Der Antrieb überträgt mehr Drehmoment, rutscht kaum heraus und hält länger. Kreuzschlitz ist vor allem verbreitet, weil er lange Standard war, nicht weil er technisch überzeugt.

Kann ich Spanplattenschrauben für alles verwenden?

Für Holz, Holzwerkstoffe und Dübel ja. Für Metall auf Metall nicht – dort brauchst du Blech- oder Metallschrauben. Für tragende Holzverbindungen im Außenbereich brauchst du bauaufsichtlich zugelassene Holzbauschrauben. Und in Gipskarton greift eine Spanplattenschraube durch die Papierschicht, ohne zu halten.

Warum spaltet mein Holz beim Schrauben?

Drei mögliche Ursachen: zu nah an der Kante, kein Vorbohren in Hartholz oder Hirnholz, oder eine Schraube ohne Teilschaft, die die beiden Bauteile auseinanderdrückt statt zusammenzieht. Vorbohren löst alle drei Probleme.

Welche Schraube brauche ich für ein Wandregal?

Das hängt vom Dübel und vom Gewicht ab, nicht vom Regal. Bei einem 8er-Dübel im Vollstein nimmst du eine 6er-Schraube, die mindestens 10 Millimeter über das Dübelende hinausgeht. Die komplette Rechnung mit Beispielen steht unter Regal an Wand befestigen. Und wenn du dabei die Sockelleisten anbringen willst, gelten wieder eigene Längen.

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