Starkregen, Pfützen auf der Terrasse, ein nasser Keller: Wohin mit dem Regenwasser vom Dach und von befestigten Flächen? Viele Gemeinden verlangen, dass Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück versickert. Eine bewährte Lösung ist der Sickerschacht. Er nimmt Wasser auf und gibt es kontrolliert an den Untergrund ab. In diesem Ratgeber erfährst du, wie ein Sickerschacht funktioniert, welche Bauarten es gibt, wie du die Größe berechnest, was er kostet und wann du besser etwas anderes wählst.
Was ist ein Sickerschacht?
Ein Sickerschacht (auch Versickerungsschacht oder Sickergrube) ist ein unterirdisches Bauwerk, das Regenwasser sammelt und zeitverzögert in den Boden abgibt. Er besteht meist aus Betonringen mit durchlässiger Wand und einer Kiesschüttung oder aus Kunststoffelementen. Vom Zulauf, zum Beispiel aus dem Fallrohr, gelangt das Wasser in den Schacht, wird dort gespeichert und versickert über Boden und Wand in das umliegende Erdreich. Ein Sickerschacht ist kein Brunnen und keine Abwasseranlage, er darf nur sauberes Niederschlagswasser aufnehmen, kein Schmutzwasser.
Voraussetzungen: Wann funktioniert Versickerung?
Entscheidend ist der Boden. Sandiger und kiesiger Untergrund nimmt Wasser gut auf, lehmiger und toniger Boden dagegen kaum. Ein Sickerschacht in schwerem Lehmboden läuft schnell über und versagt. Der Fachbegriff für die Durchlässigkeit ist der kf-Wert. Als grobe Orientierung gilt: Sicker- und Mulden-Rigolen-Systeme funktionieren in einem Bereich von etwa 1 mal 10 hoch minus 3 bis 1 mal 10 hoch minus 6 Metern pro Sekunde. Für die konkrete Planung brauchst du ein Bodengutachten oder zumindest einen Versickerungsversuch. Der Grundwasserstand sollte außerdem ausreichend tief liegen, das Regelwerk fordert meist einen Abstand der Schachtsohle zum höchsten Grundwasserstand von etwa einem Meter.
Genehmigung und Vorschriften
Ob du Regenwasser versickern darfst oder musst, regeln Gemeinden über Entwässerungssatzungen und Bebauungspläne. Meist besteht ein Anschlusszwang an die Kanalisation, außer es gibt Ausnahmen. In manchen Gemeinden ist Versickerung ausdrücklich gewünscht oder Pflicht, in anderen darf nur mit Genehmigung versickert werden. Auch Wasserschutzgebiete oder Altlastenflächen können Versickerung ausschließen. Frage vor dem Bau bei der Gemeinde oder Unteren Wasserbehörde nach und lass dir Vorgaben schriftlich geben. Das technische Regelwerk der DWA (Arbeitsblatt DWA-A 138) ist die Grundlage für die Bemessung.
Bauarten im Überblick
| Bauart | Aufbau | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Betonring-Sickerschacht | Durchlässige Betonringe, Kiesumhüllung | Robust, bewährt, überfahrbar mit passender Abdeckung | Schwer, Kran oder Bagger nötig |
| Kunststoff-Sickerschacht | Fertigelemente aus PE/PP mit Öffnungen | Leicht, einfach zu verlegen | Weniger Speichervolumen pro Element, Stabilität prüfen |
| Kies-Sickerschacht (Sickergrube) | Grube mit Kies und Vlies | Günstig im Selbstbau | Geringes Volumen, anfällig für Verschlammung |
| Rigole (Sickerrohr im Kiesbett) | Rohr in Kiesbett, Vlies umhüllt | Viel Fläche, gut bei großen Mengen | Platzbedarf im Garten |
| Mulden-Rigolen-System | Oberirdische Mulde und unterirdische Rigole | Zusätzliche Reinigung durch Bewuchs, hohe Leistung | Mehr Platzbedarf, Planung nötig |
Größe berechnen: So findest du das passende Volumen
Die Dimensionierung hängt von der angeschlossenen Fläche, der Regenspende und der Durchlässigkeit des Bodens ab. Eine vereinfachte Überschlagsrechnung: Die angeschlossene befestigte Fläche mal Regenspende ergibt den Zufluss. Der Schacht muss das Wasser mehrere Minuten bis Stunden speichern, bis es versickert ist. Als grobe Faustregel für Einfamilienhäuser in durchlässigen Böden rechnen Planer häufig mit einem Speichervolumen von etwa 20 bis 50 Litern pro Quadratmeter angeschlossener Fläche, bei schlechter Durchlässigkeit mehr. Eine Dachfläche von 100 Quadratmetern kann also rasch ein Volumen von 2 bis 5 Kubikmetern erfordern.
Das ist nur eine Orientierung. Für die Planung brauchst du genaue Bemessung nach DWA-A 138. Ein Tiefbauer oder Ingenieurbüro berechnet sie in der Regel gegen ein überschaubares Honorar.
Sickerschacht Kosten
Die Kosten hängen von Material, Größe, Bodenverhältnissen und Erdarbeiten ab. Die folgenden Werte sind grobe Spannen, Angebote vor Ort unterscheiden sich je nach Region.
| Posten | Kosten ca. | Hinweis |
|---|---|---|
| Betonringe-Sickerschacht, Material | ca. 400 bis 1.200 Euro | Je nach Durchmesser und Tiefe |
| Kunststoff-Sickerschacht-Set | ca. 300 bis 1.500 Euro | Je nach Volumen und Hersteller |
| Erdarbeiten (Bagger, Aushub, Abfuhr) | ca. 300 bis 1.500 Euro | Stark abhängig vom Zugang und Boden |
| Kies, Vlies, Abdeckung, Zulaufrohr | ca. 100 bis 500 Euro | Je nach Umfang |
| Bodengutachten / Versickerungsversuch | ca. 300 bis 1.000 Euro | Oft sinnvoll bis erforderlich |
| Fachbetrieb komplett (Einfamilienhaus) | ca. 1.500 bis 5.000 Euro | Abhängig von Größe und Aufwand |
Sickerschacht bauen: Ablauf in Kurzform
- Klärung: Genehmigung, Abstände, Leitungen, Bodenart und Grundwasser prüfen.
- Bemessung: Volumen berechnen lassen und Position auf dem Grundstück festlegen.
- Aushub: Grube ausheben, Sohle eben abziehen, Vlies auslegen.
- Einbau: Betonringe oder Kunststoffelemente setzen, mit Kies umfüllen, Zulaufrohr anschließen.
- Abdeckung: Schachtabdeckung mit Revisionsöffnung montieren, Vlies über dem Kies schließen.
- Rückverfüllung: Erde einbringen, verdichten, Fläche wiederherstellen.
Vorgeschaltet wird oft ein Laubfang oder Filter, damit Blätter und Schmutz nicht in den Schacht gelangen und die Poren verstopfen. Ein Revisionsschacht erleichtert die spätere Reinigung.
Abstände und Standort
Sickerschächte dürfen nicht direkt am Haus liegen, sonst drückt das Wasser gegen Kellerwände. Als grobe Richtwerte werden häufig etwa 3 bis 6 Meter Abstand zu Gebäuden genannt, bei unterkellerten Häusern eher mehr. Hinzu kommen Mindestabstände zu Grundstücksgrenzen, Bäumen, Leitungen und Brunnen. Diese Werte sind regional verschieden und stehen in den örtlichen Vorgaben. Wer Probleme mit Feuchtigkeit im Keller hat, sollte Ursachen sauber klären, bevor er Versickerung plant. Wie es zu feuchten Kellern kommt, erklärt der Beitrag Feuchter Keller, Abdichtungsmaßnahmen findest du unter Kellerabdichtung.
Sickerschacht, Drainage und Zisterne: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden oft vermischt. Eine Drainage am Haus leitet Wasser von der Gebäudewand weg und führt es ab, etwa in einen Sickerschacht oder in die Kanalisation. Der Sickerschacht ist das Ziel, nicht die Ursache der Entwässerung. Eine Zisterne speichert Regenwasser zur Nutzung, zum Beispiel für den Garten. Sie hat einen Überlauf, der oft in einen Sickerschacht führt. Mehr zur Nutzung des Wassers steht im Beitrag Regenwasser wiederverwenden. Für größere Entwässerungssysteme im Haus und Garten lohnt der Beitrag Drainagesysteme.
Auch Folien spielen eine Rolle: Wo Wasser gerade nicht versickern soll, etwa unter Teichen oder in Becken, dichtet eine EPDM-Folie ab, wie im Beitrag EPDM-Folie beschrieben. Im Sickerschacht selbst ist das Gegenteil gewollt, nämlich Durchlässigkeit.
Verbreitete Fehlannahme: „Ein Sickerschacht löst jedes Wasserproblem“
Das ist falsch. In lehmigen oder verdichteten Böden versickert Wasser so langsam, dass der Schacht überläuft und das Problem nur verlagert. Auch bei hohem Grundwasserstand, Hanglage oder Staunässe ist Versickerung nicht geeignet. Ein Sickerschacht ersetzt außerdem keine Abdichtung des Kellers und keine fachgerechte Drainage. Bei Starkregen kann er überlastet sein. Plane einen Notüberlauf, etwa in die Kanalisation oder in eine Mulde, ein, damit Wasser nicht unkontrolliert zum Haus läuft.
Wartung und Pflege
Kontrolliere den Schacht mindestens einmal im Jahr, am besten im Herbst nach dem Laubfall. Entferne Laub und Schlamm aus dem Vorfilter und prüfe, ob das Wasser nach einem Regenereignis zügig absinkt. Bleibt Wasser lange im Schacht stehen, ist die Versickerung gestört. Dann kann eine Reinigung mit Hochdruckspülung durch einen Fachbetrieb helfen, oder der Kies muss erneuert werden. Gieße nie Schmutzwasser, Öl oder Reinigungsmittel in den Schacht, sie verunreinigen das Grundwasser und sind verboten.
Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus
Angenommen, dein Haus hat eine Dachfläche von 120 Quadratmetern, dazu kommen 40 Quadratmeter gepflasterte Zufahrt, die ebenfalls angeschlossen werden sollen. Das ergibt 160 Quadratmeter angeschlossene Fläche. Mit der oben genannten Faustregel von 20 bis 50 Litern pro Quadratmeter ergibt sich ein Speichervolumen von etwa 3,2 bis 8 Kubikmetern. Ein einzelner Betonring-Schacht mit einem Meter Durchmesser fasst pro Meter Höhe nur rund 0,8 Kubikmeter. Du bräuchtest also entweder einen sehr tiefen Schacht oder mehrere Schächte beziehungsweise eine Rigole. Viele Bauherren unterschätzen genau das: Ein einzelner kleiner Schacht reicht bei einem normalen Einfamilienhaus meist nicht. Deshalb ist die fachgerechte Bemessung kein Luxus, sondern die Grundlage dafür, dass das System bei Starkregen nicht überläuft.
Alternativen, wenn Versickern nicht möglich ist
- Zisterne mit Überlauf: Nutzt das Wasser für den Garten und entlastet die Kanalisation, mit gedrosseltem Ablauf.
- Retentionsdach oder Gründach: Hält Wasser auf dem Dach zurück und verdunstet einen Teil.
- Wasserdurchlässige Beläge: Rasengitter, Rasenfugenpflaster oder Drainasphalt reduzieren abfließende Mengen.
- Regenwasserteich oder Mulde: Naturnah, benötigt Platz und Abstand zum Haus.
- Anschluss an den Regenwasserkanal: Wenn die Gemeinde es erlaubt, die einfachste Lösung.
Sicherheit und Abdeckung
Offene oder schlecht gesicherte Schächte sind eine Gefahr für Kinder und Haustiere. Die Abdeckung muss stabil, rutschfest und gegen unbefugtes Öffnen gesichert sein. Auf befahrenen Flächen wählst du eine Abdeckung mit passender Belastungsklasse. Markiere die Lage des Schachts im Gartenplan und halte Unterlagen zu Bemessung und Genehmigung bereit, das hilft bei späteren Umbauten oder dem Verkauf des Hauses. Bei Arbeiten im Schacht selbst, etwa zur Reinigung, gelten Arbeitsschutzregeln, steige also nie ohne Sicherung hinein, sondern beauftrage einen Fachbetrieb mit geeigneter Ausrüstung.
FAQ zum Sickerschacht
Was kostet ein Sickerschacht?
Je nach Größe und Aufwand grob 1.500 bis 5.000 Euro mit Fachbetrieb, im Selbstbau mit Material und Mietbagger oft weniger. Hinzu kommen Gutachten und eventuelle Genehmigungskosten.
Brauche ich eine Genehmigung für einen Sickerschacht?
Das hängt von Gemeinde und Bundesland ab. Oft ist eine Anzeige oder Genehmigung nötig. Frag bei der Gemeinde oder der Unteren Wasserbehörde nach.
Wie tief muss ein Sickerschacht sein?
Meist 2 bis 4 Meter, abhängig von Bodenaufbau und Grundwasserstand. Zwischen Schachtsohle und höchstem Grundwasserstand sollte ein Mindestabstand von etwa einem Meter liegen.
Kann ich Dachwasser und Pflasterwasser in denselben Schacht leiten?
Dachwasser ist meist unkritisch, Wasser von stark befahrenen Flächen muss vorher gereinigt werden. Frage vorab bei den Behörden nach.
Was tun bei lehmigem Boden?
Dann eignen sich Zisterne mit Überlauf, Rückhaltung mit gedrosselter Ableitung in die Kanalisation oder größere Rigolen. Ein Gutachten zeigt, was möglich ist.
Kann ein Sickerschacht Keller feucht machen?
Bei zu geringem Abstand oder falscher Planung ja. Halte Mindestabstände ein und achte auf Gefälle weg vom Haus.