Styrodur ist der Dämmstoff für all die Stellen am Haus, an denen andere Dämmungen versagen: unter dem Estrich, an der erdberührten Kellerwand, unter der Bodenplatte, auf dem Umkehrdach. Überall dort, wo Druck und Feuchtigkeit gleichzeitig auftreten. Wenn du gerade planst, findest du hier zuerst das Praktische – Auswahl, Preise, Einbau – und danach die technischen Hintergründe.
Welche Platte brauchst du? Die Auswahl in einer Tabelle
Der entscheidende Wert bei der Auswahl ist die Druckfestigkeit, angegeben in Kilopascal. Danach richtet sich, wofür eine Platte zugelassen ist.
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| Einsatzbereich | Druckfestigkeit | Übliche Dicke | Kante |
|---|---|---|---|
| Dämmung unter Estrich (Wohnraum) | ab 200 kPa | 40 bis 80 mm | Stufenfalz |
| Perimeterdämmung Kellerwand | ab 300 kPa | 60 bis 140 mm | Stufenfalz |
| Unter der Bodenplatte | 500 bis 700 kPa | 100 bis 200 mm | stumpf oder Falz |
| Umkehrdach, begehbar | ab 300 kPa | 80 bis 160 mm | Stufenfalz |
| Umkehrdach, befahrbar | ab 500 kPa | ab 120 mm | Stufenfalz |
| Innendämmung / Wärmebrücken | ab 200 kPa | 20 bis 60 mm | glatt |
Für praktisch alle Einsatzbereiche an der Gebäudehülle gilt: Nimm Platten mit Stufenfalz. Stumpf gestoßene Platten bilden über die gesamte Plattenstärke eine durchgehende Fuge und damit eine Wärmebrücke. Der Aufpreis für Falzware liegt bei wenigen Prozent und ist das mit Abstand billigste Stück Qualität in der ganzen Konstruktion.
Was kostet Styrodur?
Die Preise schwanken stark mit Dicke, Druckfestigkeit und Abnahmemenge. Die folgende Übersicht gibt realistische Spannen für Baumarkt- und Baustoffhandelsware. Bei Palettenabnahme im Fachhandel liegst du meist am unteren Rand, bei Einzelplatten aus dem Baumarkt am oberen.
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| Ausführung | Preis je m² (ca.) | Bemerkung |
|---|---|---|
| XPS 30 mm, 200 kPa | 7 bis 12 € | Wärmebrücken, Innenanwendung |
| XPS 60 mm, 300 kPa | 14 bis 22 € | Standard Perimeter |
| XPS 100 mm, 300 kPa | 22 bis 35 € | Kellerwand nach GEG |
| XPS 140 mm, 300 kPa | 32 bis 48 € | hoher Dämmstandard |
| XPS 100 mm, 500 kPa | 30 bis 45 € | unter Bodenplatte |
| Perimeterkleber (Bitumen, lösemittelfrei) | 3 bis 6 € je m² | Verbrauch ca. 1,5 kg/m² |
| Noppenbahn als Schutzlage | 3 bis 7 € je m² | schützt Dämmung beim Verfüllen |
Für eine typische Kellerwand-Perimeterdämmung mit 100 Millimetern Stärke solltest du inklusive Kleber und Schutzlage mit etwa 30 bis 48 Euro je Quadratmeter Material rechnen. Die Handwerkerkosten liegen noch einmal in ähnlicher Größenordnung, der Erdaushub kommt separat dazu und ist bei Bestandsgebäuden oft der größte Posten. Eine Einordnung der Kosten anderer Dämmverfahren findest du unter Dämmstoffe: Arten, Eigenschaften und Kosten.
Wo Styrodur wirklich sinnvoll ist – und wo nicht
Hier ein Punkt, der im Baumarkt nicht gesagt wird: XPS ist kein Allzweckdämmstoff, sondern ein Spezialist. Seine Stärke ist die Kombination aus hoher Druckfestigkeit und nahezu vollständiger Wasserunempfindlichkeit. Genau dafür ist er teurer als die meisten Alternativen.
An Stellen, an denen weder Druck noch Feuchtigkeit auftreten, zahlst du diesen Aufpreis, ohne etwas dafür zu bekommen. Auf der obersten Geschossdecke, zwischen Sparren, in Ständerwänden oder in der Kerndämmung ist XPS technisch möglich, aber wirtschaftlich unsinnig. Dort liefert Mineralwolle oder Zellulose dieselbe oder eine bessere Dämmwirkung zu deutlich niedrigeren Kosten, und Mineralwolle bringt zusätzlich Schallschutz und Nichtbrennbarkeit mit. Für diese Bereiche schau dir Einblasdämmung oder Dachdämmung an.
Sinnvoll ist Styrodur dagegen überall dort, wo Wasser im Spiel ist: erdberührte Bauteile, Sockelbereich, unter dem Estrich, im Umkehrdach, unter der Bodenplatte, in Nassräumen als Trägerplatte für Fliesen.
Einbau: Perimeterdämmung an der Kellerwand
Das ist der häufigste Anwendungsfall im Bestand. Die Reihenfolge ist entscheidend – Perimeterdämmung ersetzt niemals die Abdichtung, sie schützt sie.
- Freilegen und reinigen: Wand bis zur Fundamentoberkante freilegen, alte Erde und lose Teile entfernen, Untergrund trocknen lassen.
- Abdichtung prüfen und herstellen: Erst wird abgedichtet, etwa mit einem Bitumenanstrich oder einer Dickbeschichtung. Die Abdichtung muss vollständig durchgetrocknet sein.
- Platten ankleben: Verwende ausschließlich lösemittelfreien Bitumenkleber. Lösemittelhaltige Kleber lösen das Polystyrol auf – die Platte schrumpft und wird brüchig. Aufgetragen wird im Wulst-Punkt-Verfahren, nicht vollflächig, damit eventuelles Wasser abfließen kann.
- Versetzt und dicht stoßen: Platten im Verband setzen, Stöße dicht schließen. Bei mehrlagigem Aufbau die Fugen der zweiten Lage gegenüber der ersten versetzen.
- Keine Dübel unterhalb der Erdgleiche: Jeder Dübel durchstößt die Abdichtung. Im erdberührten Bereich wird ausschließlich geklebt, das Erdreich hält die Platten später an Ort und Stelle.
- Schutz- und Drainschicht: Eine Noppenbahn mit Filtervlies davor schützt die Platten beim Verfüllen und führt Sickerwasser nach unten ab.
- Lagenweise verfüllen: Nicht den ganzen Graben auf einmal einschütten. Lagen von 30 Zentimetern einbringen und vorsichtig verdichten, damit die Platten nicht verschoben werden.
Wenn dein Keller bereits Feuchtigkeitsprobleme hat, löst die Dämmung diese nicht. Sie kann sie sogar kaschieren, bis der Schaden größer ist. Kläre zuerst die Ursache – die Beiträge zu Keller sanieren und Kellerboden abdichten geben dir den nötigen Rahmen.
Einbau: Dämmung unter dem Estrich
Im Fußbodenaufbau übernimmt XPS die Wärmedämmung nach unten, typischerweise über einem unbeheizten Keller oder auf der Bodenplatte.
Der Aufbau von unten nach oben: tragender Untergrund, Feuchtigkeitssperre (meist PE-Folie oder Bitumenbahn), XPS-Dämmplatten dicht gestoßen im Verband, darüber eine Trennlage aus PE-Folie, dann der Estrich. An allen aufgehenden Bauteilen läuft ein Randdämmstreifen von mindestens acht Millimetern hoch, der erst nach dem Erhärten des Estrichs bündig abgeschnitten wird.
Zwei Fehler kosten hier regelmäßig Geld. Erstens: Der Randdämmstreifen wird vergessen oder zu früh abgeschnitten – dann bekommt der Estrich Schallbrücken und reißt bei Fußbodenheizung. Zweitens: XPS allein bringt kaum Trittschalldämmung. Es ist ein harter, druckfester Dämmstoff, kein Federelement. Wenn du Trittschall reduzieren willst, brauchst du zusätzlich eine weichfedernde Lage, etwa eine Trittschalldämmplatte über dem XPS. Details zum Aufbau findest du unter Trockenestrich und Fußboden verlegen.
Einbau: Umkehrdach
Beim Umkehrdach liegt die Dämmung ausnahmsweise oberhalb der Abdichtung. Das geht nur mit XPS, weil kein anderer gängiger Dämmstoff dauerhaft in Wasser liegen kann, ohne seine Dämmwirkung zu verlieren.
Der Vorteil: Die Abdichtung liegt geschützt unter der Dämmung und ist keinen Temperaturschwankungen und keiner UV-Strahlung ausgesetzt – das verlängert ihre Lebensdauer erheblich. Der Nachteil: Regenwasser fließt zwischen Dämmung und Abdichtung ab und kühlt die Konstruktion. Das muss rechnerisch als Zuschlag berücksichtigt werden, und darüber gehört eine diffusionsoffene Trennlage sowie eine Auflast aus Kies oder Platten von mindestens rund 60 Kilogramm je Quadratmeter, damit die Platten nicht aufschwimmen.
Styrodur, Styropor, XPS – was ist der Unterschied?
Ein Detail, das für die Beschaffung wichtig ist: Styrodur ist ein eingetragener Markenname der BASF für extrudiertes Polystyrol, kurz XPS. Wenn du im Baumarkt nach Styrodur fragst, bekommst du in aller Regel XPS eines anderen Herstellers. Das ist völlig in Ordnung, solange die technischen Werte stimmen – aber vergleiche Angebote nicht über den Namen, sondern über Druckfestigkeit, Wärmeleitgruppe und Plattendicke.
Styropor ist dagegen expandiertes Polystyrol, kurz EPS. Beide bestehen aus demselben Grundmaterial, unterscheiden sich aber im Herstellungsverfahren und damit in den Eigenschaften.
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| Eigenschaft | XPS (Styrodur) | EPS (Styropor) |
|---|---|---|
| Struktur | geschlossenzellig, homogen | verschweißte Schaumperlen |
| Wärmeleitfähigkeit | 0,030 bis 0,038 W/(m·K) | 0,032 bis 0,040 W/(m·K) |
| Wasseraufnahme | sehr gering | deutlich höher |
| Druckfestigkeit | 200 bis 700 kPa | 60 bis 250 kPa |
| Erdberührter Einbau | zugelassen | nur Sondertypen |
| Preis | höher | niedriger |
Grenzen und Nachteile, die du kennen solltest
XPS ist praktisch dampfdicht. Das ist an der Außenseite erdberührter Bauteile genau richtig, wird aber bei der Innendämmung zum Risiko: Die Wand kann nach innen nicht mehr abtrocknen, und an der Grenzfläche zwischen Platte und Mauerwerk kann sich Tauwasser sammeln. Innendämmung mit XPS ist deshalb kein Do-it-yourself-Thema, sondern gehört rechnerisch nachgewiesen. Wenn du bereits Schimmelprobleme hattest, lass die Konstruktion unbedingt prüfen.
Weiter ist XPS brennbar (Baustoffklasse B1, schwer entflammbar) und deshalb an bestimmten Stellen der Fassade nicht ohne Brandriegel zulässig. Es ist UV-empfindlich und darf nicht monatelang unverkleidet in der Sonne stehen. Und es reagiert empfindlich auf Lösemittel – neben Klebern betrifft das auch manche Lacke und Bauschäume.
Ökologisch ist XPS ein erdölbasierter Dämmstoff mit hohem Herstellungsaufwand. Moderne Produkte kommen ohne FCKW und ohne HFKW aus, meist mit CO₂ als Treibmittel. Recycling funktioniert bei sortenreinem Verschnitt gut, bei verklebten Altplatten kaum.
Zuschnitt und Verarbeitung in der Praxis
XPS lässt sich sehr einfach bearbeiten. Für gerade Schnitte reicht ein scharfes Cuttermesser: Anritzen und brechen funktioniert bis etwa vierzig Millimetern. Dickere Platten schneidest du mit einem Fuchsschwanz mit feiner Zahnung oder einem Dämmstoffmesser. Eine Stichsäge mit langem Blatt geht ebenfalls, erzeugt aber viel statische Krümel.
Arbeite mit Staubmaske und beachte, dass das Material bei Wind extrem leicht wegfliegt. Beschnittreste sammelst du am besten sofort ein – sortenrein gesammelt nehmen viele Baustoffhändler sie zurück. Grundsätzliche Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit einer Dämmmaßnahme findest du unter Durch Wärmedämmung Energie sparen.
FAQ
Was kostet die Perimeterdämmung eines Kellers insgesamt?
Bei einem Neubau, wo der Graben ohnehin offen ist, liegen die Gesamtkosten meist bei 60 bis 100 Euro je Quadratmeter Wandfläche inklusive Montage. Im Bestand kommt der Erdaushub dazu, der je nach Zugänglichkeit 40 bis 120 Euro je Quadratmeter ausmachen kann – dort landest du realistisch bei 120 bis 220 Euro je Quadratmeter.
Wie dick muss die Dämmung sein?
Für Kellerwände beheizter Räume sind 100 bis 140 Millimeter der übliche Bereich, um die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes zu erfüllen. Unter dem Estrich sind 40 bis 80 Millimeter üblich, je nach verfügbarer Aufbauhöhe. Maßgeblich ist immer die konkrete Berechnung für dein Gebäude.
Kann ich Styrodur selbst verlegen?
Beim Fußbodenaufbau und bei Wärmebrückendämmung ja, das ist gut machbar. Bei der Perimeterdämmung ist der Aushub der kritische Teil, und die Abdichtung darunter sollte fachgerecht ausgeführt sein – dort lohnt der Handwerker.
Darf ich XPS auf eine feuchte Wand kleben?
Nein. Der Kleber hält nicht, und die eingeschlossene Feuchtigkeit findet keinen Weg mehr nach draußen. Ursache klären, trocknen lassen, abdichten – dann dämmen.
Ist Styrodur wasserdicht?
Es nimmt praktisch kein Wasser auf, ist aber keine Abdichtung. Wasser läuft an den Fugen entlang. Die Abdichtungsebene bleibt immer ein eigenes Bauteil.
Wie lange hält XPS?
Im geschützten Einbau ist von einer Lebensdauer über die gesamte Gebäudenutzungsdauer auszugehen, also mehrere Jahrzehnte. Voraussetzung ist, dass es keiner UV-Strahlung und keinen Lösemitteln ausgesetzt wird.