Rigipsplatten verarbeiten: Typen, Anleitung und Kosten

Welche Rigipsplatte wofür, wie du eine Trockenbauwand Schritt für Schritt aufbaust, was schwere Lasten brauchen und warum die grüne Platte nicht wasserfest ist.

Last updated on Sep. 3, 2026

Veröffentlicht am Sep. 3, 2026

Rigipsplatten sind der Standardbaustoff im Innenausbau: leicht, schnell verarbeitet, ohne Trocknungszeiten und mit vergleichsweise einfachem Werkzeug zu bearbeiten. Der Markenname Rigips hat sich dabei als Gattungsbegriff für Gipskartonplatten durchgesetzt. Dieser Beitrag zeigt dir, welche Plattentypen es gibt, welche du wofür brauchst, was das Material kostet und wie du eine Trockenbauwand Schritt für Schritt aufbaust.

Plattentypen: Das brauchst du wirklich

Die Farbkennzeichnung der Platten ist herstellerübergreifend weitgehend einheitlich und die schnellste Orientierung im Baumarkt.

.bm-table{width:100%;border-collapse:collapse;font-size:14px;margin:1em 0}.bm-table th{background:#2e7d32;color:#fff;padding:10px 8px;text-align:left;font-weight:600}.bm-table td{padding:9px 8px;border-bottom:1px solid #e0e0e0;vertical-align:middle}.bm-table tr:nth-child(even){background:#f9f9f9}.bm-table tr:hover{background:#f1f8e9}

TypFarbeEinsatzbereichPreis je m² (12,5 mm)
Standard (GKB / Typ A)grau-weißTrockene Innenräume, Wände und Deckenca. 4 – 7 €
Imprägniert (GKBI / Typ H2)grünBad, Küche, Hauswirtschaftsraumca. 6 – 10 €
Feuerschutz (GKF / Typ DF)rot oder rosaBrandschutzanforderungen, Heizraum, Wohnungstrennwändeca. 7 – 12 €
Feuerschutz imprägniert (GKFI)rot-grünFeuchte Räume mit Brandschutzanforderungca. 9 – 15 €
GipsfaserplattenaturbraunHöhere Belastbarkeit, bessere Schalldämmung, Bödenca. 10 – 18 €
Massivbauplatte / HartgipsplattehellgrauStoßbelastete Bereiche, Objektbauca. 12 – 20 €

Für den Regelfall im Wohnbereich reicht die Standardplatte in 12,5 Millimetern. Nimm 9,5 Millimeter nur für gebogene Formen und abgehängte Decken mit engem Profilraster, 15 oder 18 Millimeter dort, wo du bessere Schalldämmung oder mehr Stabilität brauchst.

Der wichtigste Irrtum: Grün ist nicht wasserfest

Die grüne Platte wird im Baumarkt gern als Feuchtraumplatte verkauft, und viele Heimwerker halten sie deshalb für wasserfest. Das ist sie nicht. Der Gipskern ist mit Silikon imprägniert, wodurch er Wasser langsamer aufnimmt – aber er nimmt es auf. Bei dauerhafter Durchfeuchtung quillt und zerfällt auch eine grüne Platte.

Für Wandbereiche in Bad und Küche, die nur zeitweise Spritzwasser abbekommen, ist sie richtig. Im direkten Nassbereich – also in der Dusche und rund um die Badewanne – brauchst du zusätzlich eine aufgebrachte Verbundabdichtung unter den Fliesen. Zwei Anstriche Dichtschlämme plus Dichtband in allen Ecken und Anschlüssen sind hier Pflicht, nicht Kür.

In der bodengleichen Dusche gehören Rigipsplatten gar nicht hin. Dort sind zementgebundene Bauplatten oder Hartschaumträgerplatten die richtige Wahl. Wer diesen Punkt übergeht, hat nach zwei bis fünf Jahren einen Wasserschaden hinter den Fliesen – und findet ihn erst, wenn die ersten Fliesen hohl klingen. Die Anschlussfugen sind dabei die Schwachstelle, die auch später Pflege braucht: wie du sie erneuerst, steht unter Silikonfugen erneuern.

Werkzeug und Material für eine Trockenbauwand

Die Grundausstattung ist überschaubar. Du brauchst ein Cuttermesser mit Ersatzklingen, eine lange Richtlatte oder Anreißlehre, Zollstock und Bleistift, eine Wasserwaage von mindestens 120 Zentimetern, einen Akkuschrauber mit Tiefenanschlag, eine Blechschere für die Profile, einen Fuchsschwanz oder eine Stichsäge für Ausschnitte sowie Spachtel in 10 und 25 Zentimetern Breite.

Der Tiefenanschlag am Schrauber ist dabei nicht optional. Ohne ihn zerstörst du bei jeder zweiten Schraube den Karton, und dann hält die Schraube nicht mehr. Welche Geräte darüber hinaus in einen sinnvoll bestückten Haushalt gehören, steht unter Werkzeug Grundausstattung.

An Material rechnest du pro Quadratmeter Wandfläche etwa mit: 2 Quadratmetern Platte bei beidseitiger Beplankung, 2,5 laufenden Metern CW-Profil, anteilig UW-Profil für Boden und Decke, 30 bis 35 Schnellbauschrauben, Dämmwolle in Profiltiefe, Fugenspachtel und Bewehrungsstreifen.

Trockenbauwand aufbauen: Schritt für Schritt

  1. Wandverlauf anreißen. Position am Boden markieren, mit Lot oder Kreuzlinienlaser an die Decke übertragen. Diese fünf Minuten entscheiden darüber, ob die Wand am Ende senkrecht steht.
  2. UW-Profile setzen. Boden- und Deckenprofile mit Anschlussdichtband unterlegen – das entkoppelt die Wand akustisch vom Baukörper und ist der wirksamste einzelne Schallschutzschritt. Alle 60 bis 80 Zentimeter dübeln.
  3. CW-Profile einstellen. Achsabstand 62,5 Zentimeter, damit die Plattenstöße mittig auf einem Profil liegen. Die Profile werden nur eingestellt, nicht mit den UW-Profilen verschraubt – so bleibt die Wand beweglich und reißt bei Setzungen nicht.
  4. Profile ein Zentimeter kürzer schneiden als das Raummaß. Dieser Bewegungsspielraum verhindert Risse.
  5. Erste Seite beplanken. Platten stehend montieren, mit fünf bis zehn Millimetern Abstand zum Boden. Schrauben alle 25 Zentimeter, mindestens einen Zentimeter vom Plattenrand entfernt.
  6. Installationen und Dämmung einbringen. Elektroleitungen durch die vorgestanzten Profilöffnungen führen, Dosen setzen. Jetzt ist auch der Moment für Leerrohre, etwa für eine spätere Haussteuerung, wie unter Smart Home beschrieben. Dann Mineralwolle einlegen – vollflächig, ohne Hohlräume.
  7. Zweite Seite beplanken, versetzt. Die Stöße der zweiten Seite müssen um mindestens ein Profilfeld gegenüber der ersten versetzt sein. Sonst entsteht eine durchgehende Fuge, und die wird zur Sollbruchstelle.
  8. Verspachteln. Fugen mit Bewehrungsstreifen einbetten, dann in zwei bis drei dünnen Lagen breit auslaufend spachteln. Jede Lage vollständig trocknen lassen und leicht anschleifen.

Der häufigste Anfängerfehler steckt in Schritt acht: zu viel Masse in einem Durchgang. Dicke Spachtellagen trocknen ungleichmäßig, reißen und lassen sich kaum plan schleifen. Drei dünne Lagen sind schneller fertig als eine dicke, die man nachbessern muss.

Platten schneiden und Ausschnitte anlegen

Gerade Schnitte werden nicht gesägt, sondern gebrochen: Mit dem Cuttermesser entlang der Richtlatte den Karton auf einer Seite durchtrennen, die Platte über die Kante knicken und den rückseitigen Karton durchschneiden. Das geht schnell, staubfrei und mit sauberer Kante.

Für Ausschnitte – Steckdosen, Rohrdurchführungen, Lichtauslässe – nimmst du eine Dosenfräse im Akkuschrauber oder eine Stichsäge. Miss die Position von zwei festen Bezugspunkten aus und übertrage sie auf die Platte, bevor du sie anhebst. Nachträgliches Korrigieren einer verschnittenen Dose ist mühsam.

Bei Kanten, die später sichtbar bleiben, ziehst du mit dem Kantenhobel eine Fase an. Werksseitig abgeflachte Längskanten sind für die Verspachtelung vorbereitet, geschnittene Kanten nicht – dort brauchst du die Fase, damit der Spachtel Halt findet.

Lasten befestigen: die häufigste Frage

In einer Gipskartonwand hält nicht jede Schraube. Was du befestigen kannst, hängt vom Untergrund ab:

  • Bis 5 kg – Bilder, kleine Regale: Spreizdübel für Hohlraum oder Gipskartondübel reichen.
  • 5 bis 25 kg – Hängeschränke, Fernseher: Hohlraumdübel mit Metallspreizung, Last auf mindestens vier Punkte verteilen.
  • Über 25 kg – Waschbecken, Hängetoiletten, schwere Regale: Nur direkt am Ständerwerk oder an eingebauten Traversen. Diese musst du vor der Beplankung einplanen.

Das ist der Punkt, an dem sich Planung auszahlt. Überlege vor dem Schließen der Wand, wo später schwere Lasten hängen sollen, und schraube dort ein Kantholz oder eine Traverse zwischen die Profile. Nachträglich musst du dafür die Wand öffnen. Dasselbe Prinzip gilt für alle Wandaufbauten in Leichtbauweise.

Schallschutz verbessern

Eine einfach beplankte Standardwand ist akustisch unbefriedigend. Vier Maßnahmen helfen wirklich, und zwar in dieser Reihenfolge nach Wirkung pro Euro:

Erstens die doppelte Beplankung je Seite mit versetzten Stößen – das bringt am meisten. Zweitens Anschlussdichtband unter allen Profilen, das die Wand vom Baukörper entkoppelt. Drittens Mineralwolle in voller Profiltiefe statt dünner Einlage. Viertens, bei hohen Anforderungen, eine doppelte Ständerreihe ohne mechanische Verbindung.

Vermeide dagegen gegenüberliegende Steckdosen in derselben Profilkammer – das ist eine direkte Schallbrücke durch die Wand. Versetze sie um mindestens ein Feld.

Qualitätsstufen beim Verspachteln

Wie fein du spachteln musst, hängt davon ab, was auf die Wand kommt. Die Baubranche unterscheidet vier Stufen. Q1 ist eine reine Grundverspachtelung für Flächen, die verdeckt werden. Q2 ist der Standard für Raufaser, Strukturtapeten und Fliesen. Q3 bedeutet zusätzlich ein breites Auslaufen der Fugen und ist für glatte Tapeten und matte Anstriche nötig. Q4 verlangt eine vollflächige Feinspachtelung und ist Voraussetzung für glänzende Anstriche und Streiflicht.

Der praktische Rat: Plane von vornherein Q3, wenn du streichen willst. Der Aufwand ist überschaubar, während eine nachträgliche Verbesserung von Q2 auf Q3 bedeutet, dass du die fertige Wand noch einmal komplett bearbeitest. Welcher Anstrich zu welcher Oberfläche passt, behandelt der Beitrag Wand streichen.

Vor dem Streichen oder Tapezieren grundierst du die Fläche mit Tiefengrund. Gipskarton und Spachtelmasse saugen unterschiedlich stark, und ohne Grundierung siehst du jede Fuge durch die Farbe hindurch. Wie sich Trockenbau in ein Gesamtkonzept für Innenräume einfügt, zeigt der Beitrag zum Innenausbau.

Was der Aufbau insgesamt kostet

Für eine 10 Quadratmeter große Trennwand in Eigenleistung rechnest du mit etwa 180 bis 320 Euro Materialkosten – Platten, Profile, Dämmung, Schrauben, Spachtel und Grundierung zusammen. Beauftragst du einen Trockenbauer, liegt der Preis für dieselbe Wand einschließlich Material bei etwa 55 bis 95 Euro je Quadratmeter, also 550 bis 950 Euro. Bei einer abgehängten Decke rechne mit 45 bis 80 Euro je Quadratmeter.

Häufige Fragen zu Rigipsplatten

Welche Rigipsplatte brauche ich im Badezimmer?

Für Wandflächen mit gelegentlichem Spritzwasser die imprägnierte grüne Platte. Im direkten Nassbereich der Dusche brauchst du zusätzlich eine Verbundabdichtung aus Dichtschlämme und Dichtband unter den Fliesen. In der bodengleichen Dusche solltest du stattdessen zementgebundene Bauplatten verwenden.

Was kostet eine Rigipsplatte?

Eine Standardplatte in 12,5 Millimetern kostet etwa 4 bis 7 Euro je Quadratmeter, imprägniert 6 bis 10 Euro, Feuerschutz 7 bis 12 Euro. Eine Platte im Format 2000 x 1250 Millimeter liegt damit bei ungefähr 10 bis 18 Euro pro Stück.

Wie viel Gewicht hält eine Rigipswand?

Mit Hohlraumdübeln bis etwa 25 Kilogramm pro Befestigungspunktgruppe, mit einfachen Gipskartondübeln nur bis rund 5 Kilogramm. Schwerere Lasten wie Waschbecken oder Hängeschränke müssen am Ständerwerk oder an eingebauten Traversen befestigt werden, die vor der Beplankung eingeplant werden.

Welchen Abstand brauchen die Profile?

Der Standardabstand beträgt 62,5 Zentimeter von Achse zu Achse, sodass die Plattenstöße mittig auf einem Profil liegen. Bei erhöhten Anforderungen an Stabilität oder bei Fliesenbelag reduzierst du auf 41,7 Zentimeter.

Kann ich Rigipsplatten direkt fliesen?

Ja, bei ausreichend stabilem Unterbau und Qualitätsstufe Q2. Verwende in Feuchträumen imprägnierte Platten, reduziere den Profilabstand auf 41,7 Zentimeter, plane eine doppelte Beplankung ein und bringe im Spritzwasserbereich eine Verbundabdichtung auf.

Warum reißen die Fugen nach einiger Zeit?

Meist aus drei Gründen: fehlendes Bewehrungsband in der Fuge, nicht versetzte Plattenstöße bei doppelter Beplankung, oder starr mit den UW-Profilen verschraubte CW-Profile, die Bewegungen des Baukörpers nicht aufnehmen können. Auch zu dick aufgetragene Spachtelmasse begünstigt Risse.

Teilen

Beim Thema Hausbau immer auf dem laufenden bleiben

Kostenlose Infos zum Thema Hausbau, Garten, Heizen, Finanzierung erhalten

Hausbau News erhalten