Bauhaus Stil: Merkmale, Geschichte & Bauhaus-Haus bauen

Bauhaus Stil – Form folgt Funktion: Merkmale, Kosten und die moderne Interpretation des Bauhaus-Hauses kompakt erklärt.

Last updated on Juni 1, 2026

Veröffentlicht am Mai 31, 2026

Bauhaus Stil: Merkmale, Geschichte, Häuser & Kosten

Der Bauhaus Stil ist mehr als eine Designbewegung – er ist eine Lebenshaltung. Gegründet 1919 von Walter Gropius in Weimar, vereinte das Bauhaus Kunst, Handwerk und Industrie unter einem Dach. Sein Leitsatz "Form folgt Funktion" hat die Architektur des 20. Jahrhunderts revolutioniert und ist bis heute eines der einflussreichsten Gestaltungsprinzipien der Welt. Ein Haus im Bauhaus Stil ist zeitlos, ehrlich und radikal auf das Wesentliche reduziert. Dieser Ratgeber erklärt alles zum Bauhaus Stil in der modernen Architektur.

Geschichte des Bauhaus: Von Weimar in die Welt

Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau und 1932 kurz nach Berlin verlegt, bevor es 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. In nur 14 Jahren hat das Bauhaus die gesamte Designwelt geprägt – von Architektur über Möbel bis hin zu Typografie und Alltagsgegenständen.

Die wichtigsten Meister des Bauhauses: Walter Gropius (Architektur), Ludwig Mies van der Rohe (Architektur, später das Seagram Building in New York), Marcel Breuer (Möbel, der berühmte Stahlrohrstuhl), Paul Klee und Wassily Kandinsky (Malerei). Nach der Schließung emigrierten viele Bauhaus-Lehrer in die USA und verbreiteten den Stil weltweit – besonders in Chicago, New York und Boston entstanden bedeutende Bauhaus-inspirierte Gebäude.

Merkmale des Bauhaus Stils: Was macht ihn unverwechselbar?

  • Kubische Formen: Würfelförmige oder rechteckige Baukörper ohne Ornamente, Verzierungen oder historische Anspielungen. Reine Geometrie als Schönheitsideal.
  • Flachdach: Das charakteristischste architektonische Merkmal – kein Satteldach, kein Walmdach, nur die horizontale Linie. Das Flachdach ermöglicht maximale Nutzfläche und klare Silhouetten.
  • Große Fensterflächen: Bodentiefe Fenster, Eckfenster und durchgehende Glasfronten. Licht als Gestaltungselement – nicht nur Beleuchtungsmittel.
  • Weiße oder unifarbene Fassade: Putzfassade in Weiß, Grau, Anthrazit oder Beige. Keine Muster, keine Strukturen – die Form spricht für sich.
  • Offener Grundriss: Fließende Raumübergänge statt kleinteiliger Zimmer. Wohn-, Ess- und Kochbereich als ein großer Lebensraum.
  • Sichtbare Konstruktion: Beton, Stahl und Glas werden nicht versteckt – die Materialien und ihre Logik sind sichtbar und Teil der Ästhetik.
  • Flachdachterrasse: Das nutzbare Dach ist der "fünfte Fassade" – Terrassenfläche, Garten oder Technikfläche.

Bauhaus Stil vs. andere Architekturstile

  • Bauhaus vs. Klassizismus: Klassizismus betont Symmetrie, Säulen und historische Formensprache – Bauhaus lehnt all das als überflüssig ab.
  • Bauhaus vs. Jugendstil: Jugendstil liebt ornamentale, florale Formen – diametral entgegengesetzt zum Bauhaus-Minimalismus.
  • Bauhaus vs. : Die Stadtvilla hat oft ein Zeltdach und klassischere Proportionen. Das Bauhaus-Haus ist radikaler in seiner Reduktion.
  • Bauhaus vs. Skandinavischer Stil: Beide setzen auf Minimalismus, aber der skandinavische Stil ist wärmer (Holz, Naturmaterialien), das Bauhaus kälter (Beton, Stahl, Glas).

Bauhaus-Haus planen: Was ist zu beachten?

Baugenehmigung und Bebauungsplan

Nicht jede Gemeinde erlaubt Flachdächer. Viele Bebauungspläne schreiben Satteldächer mit bestimmten Neigungen vor – besonders in historisch gewachsenen Ortskernen. Vor der Planung immer den Bebauungsplan prüfen und ggf. eine Voranfrage beim Bauamt stellen.

Energieeffizienz im Bauhaus-Haus

Große Glasflächen und ein Flachdach stellen besondere Anforderungen an die Energieeffizienz: Dreifach-Verglasung ist Pflicht, da die großen Fensterflächen sonst zu hohen Wärmeverlusten führen. Sonnenschutz im Sommer (außenliegend, motorisiert) muss eingeplant werden – sonst wird das Haus zur Sauna. Die Dachdämmung beim Flachdach muss besonders sorgfältig ausgeführt werden.

Materialwahl: Authentisch oder modern interpretiert?

Echte Bauhaus-Ästhetik setzt auf: Sichtbeton (innen und außen), Stahl für Geländer und Rahmen, Glas als Raumteiler und Fassadenelement, weiß verputzte Außenwände. Moderne Interpretation erlaubt auch: Naturstein (Kalkstein, Sandstein), Holz als Akzent (Faserzement in Holzoptik), Metallfassaden (Zink, Aluminium). Wichtig: Niemals ornamentale Elemente – das würde den Stil verfehlen.

Inneneinrichtung im Bauhaus Stil

Die Inneneinrichtung folgt denselben Prinzipien wie die Architektur:

  • Möbel: Klare geometrische Formen, sichtbare Konstruktion. Klassiker: Breuer-Stuhl (Stahlrohr), Barcelona Chair (Mies van der Rohe), Wassily Chair. Moderne Alternativen im Bauhaus-Geist von Fritz Hansen, Knoll oder Vitra.
  • Farben: Primär Weiß, Grau, Schwarz als Basis. Akzente in Primärfarben (Rot, Blau, Gelb) – sparsam eingesetzt. Niemals gemusterte Tapeten.
  • Böden: Sichtbeton, großformatige Fliesen (60×60 cm oder größer), Parkett in hellem Holz oder Dunkel als Kontrast.
  • Beleuchtung: Funktionale Pendelleuchten, Einbaustrahler, keine ornamentalen Lampen. Licht als technisches Element, nicht als Dekoration.

Bauhaus-Haus und Nachhaltigkeit

Der Bauhaus Stil und Nachhaltigkeit passen gut zusammen: Die reduzierten Formen vermeiden überflüssiges Material, die klare Konstruktion ist leicht zu warten, und das Flachdach bietet maximale Fläche für Photovoltaik und Dachbegrünung. Moderne Bauhaus-Häuser werden fast immer als Niedrigenergie- oder Passivhäuser gebaut – die schlichte Geometrie macht es einfach, optimale Dämmung und Lüftung zu integrieren.

Bauhaus-Haus bauen: Kosten 2026

Ein Haus im Bauhaus Stil ist in der Herstellung nicht günstiger als andere Baustile – die hochwertigen Materialien, großen Glasflächen und aufwändige Flachdachkonstruktion kosten. Als Orientierung:

  • Kleines Bauhaus-Haus (ca. 120 m²): 340.000–450.000 € (ohne Grundstück)
  • Mittleres Bauhaus-Haus (ca. 160 m²): 440.000–610.000 €
  • Großes Bauhaus-Haus (ca. 200 m²): 580.000–880.000 €
  • Luxus-Ausführung mit Sichtbeton und Glasfassaden: 900.000–1.500.000 €

Aufpreis gegenüber klassischem EFH: 15–25 % für große Glasflächen, Flachdachkonstruktion, Sichtbetonarbeiten und hochwertige Außenhaut.

Bekannte Bauhaus-Gebäude in Deutschland

  • Bauhaus Dessau (1926): Das Originalgebäude von Walter Gropius – UNESCO-Weltkulturerbe, heute Museum und Hochschule. Muss man gesehen haben.
  • Meisterhäuser Dessau: Wohnhäuser der Bauhaus-Meister – Doppel- und Einzelhäuser im reinen Bauhaus-Stil.
  • Haus Tugendhat, Brno (1930, Mies van der Rohe): Eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Moderne.
  • Weißenhofsiedlung Stuttgart (1927): Mustersiedlung mit Bauten von Le Corbusier, Mies van der Rohe und anderen – heute Museum.

FAQ zum Bauhaus Stil

Ist ein Bauhaus-Haus teurer als ein normales Haus?In der Regel 15–25 % teurer als ein vergleichbares Satteldachhaus, da hochwertige Materialien, große Glasflächen und die Flachdachkonstruktion mehr kosten.

Darf ich ein Bauhaus-Haus überall bauen?Nein – viele Bebauungspläne schreiben Satteldächer vor. Immer vorab prüfen. In neuen Baugebieten mit freier Dachformwahl ist Bauhaus meist erlaubt.

Eignet sich der Bauhaus Stil für Familien?Sehr gut – offene Grundrisse, viel Licht und großzügige Raumhöhen schaffen ein angenehmes Familienleben. Wichtig: ausreichend Stauraum einplanen, da der Stil Ordnung voraussetzt.

Wie halte ich ein Bauhaus-Haus rein?Helle Fassaden zeigen Schmutz schneller. Qualitative Fassadenfarbe mit Schmutzabweisung (Silikonharz oder Silikat) wählen. Begrünung und Vorsprünge vermeiden, die Feuchtigkeit stauen.

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