Einblasdämmung: Kosten, Ablauf & warum sie sich wirklich lohnt
Einblasdämmungen sind eine der günstigsten und zeitsparendsten Methoden, ein bestehendes Haus nachträglich zu dämmen – ganz ohne Gerüst, ohne große Bauarbeiten und in vielen Fällen innerhalb eines einzigen Arbeitstags. Wer ein Haus kauft oder erbt, ist durch das seit 2024 geltende Gebäudeenergiegesetz (GEG) zudem in bestimmten Fällen zur Dämmung verpflichtet. Dieser Ratgeber erklärt, wann eine Einblasdämmung sinnvoll ist, welche Materialien es gibt und was sie kostet.
Was ist eine Einblasdämmung?
Bei der Einblasdämmung wird loses Dämmmaterial durch kleine Bohrlöcher (Ø 30–50 mm) in vorhandene Hohlräume von Wänden, Decken oder Dächern eingeblasen. Das Material verteilt sich lückenlos und füllt auch schwer zugängliche Bereiche vollständig aus – ohne die Bausubstanz großflächig zu öffnen. Geeignet für: Hohlräume in zweischaligem Mauerwerk, Dachschrägen-Sparren, Fachwerkhäuser, Geschossdecken und Dachböden.
Wichtig für Hauskäufer: Das GEG 2024 verpflichtet Käufer und Erben älterer Wohnhäuser, innerhalb von zwei Jahren nach dem Eigentumsübergang bestimmte Dämmmaßnahmen umzusetzen. Eine Einblasdämmung kann eine wirtschaftliche Lösung sein, um diese Pflicht zu erfüllen.
Wann ist eine Einblasdämmung sinnvoll?
Eine Einblasdämmung lohnt sich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
- Mindestens 3,5 cm Hohlraum: Unterhalb dieser Breite lässt sich kein ausreichendes Dämmergebnis erzielen. Je größer der Hohlraum, desto höher die Effizienz.
- Trockene Hohlräume: Feuchtigkeit im Hohlraum muss vor der Dämmung beseitigt werden – feuchte Dämmung verliert ihre Wirkung und fördert Schimmel.
- Altbau-Sanierung: Besonders wirtschaftlich bei Häusern aus der Nachkriegszeit mit zweischaligen Außenwänden (Klinkerfassaden) und bei alten Sparrenkonstruktionen.
Im besten Fall kann eine Einblasdämmung den Wärmeverlust des Hauses um bis zu 80 Prozent reduzieren und die Heizkosten um bis zu 50 Prozent senken. Verglichen mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS), das 130–210 €/m² kostet und ein Gerüst erfordert, ist die Einblasdämmung mit 21–84 €/m² deutlich günstiger und weniger aufwändig.
Der Mythos von der "atmenden Wand" – widerlegt
Viele Hausbesitzer haben Bedenken, dass eine Einblasdämmung Schimmel fördert, weil die Wand nicht mehr "atmen" kann. Dieser Mythos ist wissenschaftlich widerlegt. Tatsächlich ist das Gegenteil richtig: Eine ordnungsgemäß eingebaute Einblasdämmung erhöht die Wandoberflächentemperatur im Innenraum. Dadurch kondensiert keine warme Raumluft an kalten Wänden – und genau diese Kondensation ist die häufigste Ursache für Schimmelbildung.
Einblasdämmung Materialien im Vergleich
- Zellulose (Recyclingpapier): Beliebtestes Material – ökologisch, günstig, feuchteregulierend. Lambda 0,037–0,040 W/mK. Optimal für Dachschrägen und Deckenhohlräume.
- Mineralwolle (Glas-/Steinwolle): Universell einsetzbar, nicht brennbar, guter Schallschutz. Etwas teurer als Zellulose. Standard bei Außenwanddämmung.
- EPS-Granulat (Styropor-Kügelchen): Wasserabweisend – daher ideal für zweischaliges Mauerwerk und Klinkerfassaden. Lambda 0,035–0,040 W/mK.
- Perlite (mineralische Schüttung): Teurer, aber druckfest und nicht brennbar. Gut für Holzbalkendecken geeignet, wo Druckbelastung auftritt.
Welches Material für Ihr Haus optimal ist, hängt von Hohlraumgröße, Feuchtesituation und Nutzung ab. Ein Fachbetrieb sollte das individuell beurteilen.
Ablauf der Einblasdämmung
- Voruntersuchung: Prüfung des Hohlraums auf Feuchtigkeit, Größe und Zugänglichkeit
- Bohrlöcher setzen: Ø 30–50 mm, im Raster 50–80 cm – möglichst unauffällig platziert
- Einblasen: Material wird unter kontrollierten Druck lückenlos eingebracht
- Verdichtung prüfen: Sicherstellen, dass keine Hohlräume verbleiben
- Löcher verschließen: Stopfen oder Mörtel, anschließend verputzt – Fassade bleibt nahezu unverändert
Ein Einfamilienhaus lässt sich in der Regel innerhalb eines Arbeitstages vollständig einblasen – ohne Gerüst, ohne großen Bauschutt.
Einblasdämmung Kosten 2026
- Zellulose (Dachboden lose): 17–27 €/m²
- Zellulose (Sparren eingeblasen): 22–39 €/m²
- EPS-Granulat (Hohlwand): 15–27 €/m²
- Mineralwolle (eingeblasen): 21–42 €/m²
- Vergleich WDVS (Außendämmung): 130–210 €/m² – deutlich teurer, Gerüst nötig

Für 120 m² Dachbodenfläche mit Zellulose: ca. 2.000–4.700 € Gesamtkosten. Amortisation durch Heizenergieeinsparung typischerweise in 4–8 Jahren.
Förderung: Was gibt es?
- BAFA Bundesförderung (BEG EM): 15 % Grundfördersatz auf max. 30.000 € Investitionskosten
- Mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP): 20 % auf max. 60.000 € – deutlich attraktiver
- Steuerliche Alternative (§ 35c EStG): 20 % der Kosten absetzbar, verteilt auf 3 Jahre
- Voraussetzung: Fachbetrieb und BAFA-gelisteter Energieberater; Eigenleistung fördert nicht
Einblasdämmung im Altbau: Häufige Anwendungsfälle
Im deutschen Altbaubestand gibt es Millionen von Häusern, die besonders gut für die Einblasdämmung geeignet sind. Die wichtigsten Anwendungsfälle und was dabei zu beachten ist:
- Zweischalige Klinkerfassade (Hohlwand): Häufig bei Häusern der 1950er–1990er Jahre. Hohlraum von 6–12 cm zwischen Klinker und Innenwand. EPS-Granulat oder Mineralwolle werden von außen durch kleine Bohrlöcher eingeblasen. Optik der Fassade bleibt unverändert.
- Holzständerfachwerk: Fachwerkhaus mit Hohlräumen zwischen den Ausfachungen. Zellulose ist das bevorzugte Material – füllt unregelmäßige Hohlräume perfekt aus.
- Dachschrägen ausgebaut: Sparrenzwischenräume oft nur halb gedämmt oder gar nicht. Einblasdämmung von innen durch kleine Bohrlöcher in der Dampfsperrfolie – nach dem Einblasen abdichten.
- Kellerdecke/Geschossdecke: Hohlräume in Holzbalkendecken. Perlite oder Zellulose als Schüttdämmung zwischen den Balken – oft von oben zugänglich.
Einblasdämmung und Schallschutz: Unterschätzte Wirkung
Neben der Wärmedämmung verbessert eine Einblasdämmung in Hohlwänden und Decken auch den Schallschutz spürbar. Zellulose hat besonders gute schalldämpfende Eigenschaften – die Fasern absorbieren Schallwellen effektiv. Eine zweischalige Klinkerfassade mit Einblasdämmung aus Zellulose erreicht typischerweise 3–6 dB bessere Schallschutzwerte als eine ungedämmte Hohlwand. Das entspricht einer spürbaren Reduzierung von Außenlärm – in Straßennähe ein echter Wohnqualitätsgewinn neben der Energieeinsparung.
Qualitätskriterien: Worauf bei Fachbetrieb und Material achten?
- Zertifizierung: Fachbetrieb sollte Erfahrung mit BAFA-Förderverfahren haben und BAFA-gelisteter Energieberater als Begleitung vermitteln können
- Materialnachweise: Seriöse Betriebe legen Datenblätter mit Lambda-Wert, Brandklasse und Zertifizierungsnummer vor
- Dichtigkeitsprüfung: Nach dem Einblasen Probe-Endoskopie oder manuelle Überprüfung ob alle Hohlräume vollständig gefüllt sind
- Garantie: Mind. 10 Jahre auf das eingeblasene Material und die Arbeitsausführung verlangen
- Referenzen: Ähnliche Projekte in der Region anfragen – Fotos vor und nach der Maßnahme
FAQ zur Einblasdämmung
Kann man Einblasdämmung selbst machen?Für einfache Dachbodenaufschüttungen sind Mietgeräte erhältlich. Für Wände und Sparren ist Fachbetrieb zwingend – und für die Förderung immer erforderlich.
Erhöht Einblasdämmung das Schimmelrisiko?Nein – im Gegenteil. Korrekt ausgeführt erhöht sie die Wandtemperatur und reduziert Kondensation. Der Mythos der "atmenden Wand" ist widerlegt.
Wie lange hält Einblasdämmung?Bei trockener Einbauumgebung: Zellulose und Mineralwolle sind dauerhaft haltbar – mehrere Jahrzehnte ohne Qualitätsverlust.
Ist Einblasdämmung besser als Dämmplatten?Für nachträgliche Sanierung von Hohlräumen überlegen: lückenlose Füllung, keine Wärmebrücken, wenig Bauaufwand. Bei Neubau und zugänglichen Flächen sind Platten oft günstiger.