Fugen erneuern ist die günstigste Art, ein Bad oder eine Küche sichtbar aufzufrischen, ohne neu zu fliesen. Wenn Fugen dunkel verfärbt, rissig, bröselig oder ausgewaschen sind, hilft auch das beste Putzen nicht mehr. Dann kratzt du den alten Fugenmörtel aus und verfugst neu. Die Fliesen bleiben, das Ergebnis wirkt trotzdem fast wie neu. Hier bekommst du die Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Werkzeugliste und einen Überblick, was das Ganze kostet.
Fugen erneuern: Anleitung Schritt für Schritt
1. Alte Fugen auskratzen
Entferne den alten Fugenmörtel mit einem Fugenkratzer mit Hartmetallklinge, einem Multitool mit Fugenschneideblatt oder einer Fugenfräse. Kratze mindestens zwei Drittel der Fugentiefe aus, bei Wandfliesen also etwa 3 bis 5 Millimeter, bei Bodenfliesen tiefer. Arbeite vorsichtig: Die Fliesenkanten sind empfindlich und platzen bei zu viel Kraft oder schrägem Ansatz ab.
2. Fugen reinigen
Sauge den Staub gründlich aus den Fugen und wische die Fliesen feucht ab. Lose Reste, Fett und Seifenfilm verhindern, dass der neue Mörtel haftet. Bei fettigen Küchenfugen entfettest du zusätzlich mit Spiritus oder einem Anlauger.
3. Anschlussfugen trennen
Ecken, Übergänge zwischen Wand und Boden sowie Anschlüsse an Wanne und Dusche werden nicht mit Mörtel, sondern mit Silikon verfugt. Entferne dort das alte Silikon vollständig. Diese Fugen erneuerst du ganz am Ende. Wie das geht, erklärt unser Ratgeber zum Thema Silikonfugen erneuern.
4. Fugen vornässen
Befeuchte die Fugen mit einem Schwamm. Trockene Fliesenkanten und alter Mörtel würden dem neuen Fugenmörtel sonst zu schnell das Wasser entziehen, er wird mürbe und reißt.
5. Fugenmörtel anmischen
Rühre den Fugenmörtel nach Herstellerangabe mit sauberem Wasser zu einer cremigen, klümpchenfreien Masse an. Lass ihn kurz reifen und rühre ihn dann noch einmal durch. Misch nur so viel an, wie du in etwa 20 bis 30 Minuten verarbeitest.
6. Verfugen
Trag den Mörtel mit einem Fugbrett aus Gummi diagonal zu den Fugen auf und drücke ihn kräftig ein. Die Fugen müssen vollständig und ohne Luftblasen gefüllt sein. Arbeite in kleinen Abschnitten von etwa einem Quadratmeter.
7. Abwaschen
Sobald der Mörtel mattfeucht anzieht, meist nach 10 bis 20 Minuten, wäschst du die Fläche mit einem gut ausgedrückten Fugenschwamm diagonal zu den Fugen ab. Nicht zu nass arbeiten, sonst wäschst du den Mörtel wieder aus der Fuge. Den Schwamm regelmäßig in klarem Wasser auswaschen.
8. Zementschleier entfernen
Nach dem Trocknen bleibt ein grauer Schleier auf den Fliesen. Wisch ihn nach einigen Stunden mit einem trockenen Mikrofasertuch ab. Hartnäckige Reste entfernst du nach dem Aushärten mit einem Zementschleierentferner.
9. Silikonfugen setzen und aushärten lassen
Nach 24 Stunden setzt du die neuen Silikonfugen in den Ecken und Anschlüssen. Der Fugenmörtel ist je nach Produkt nach 24 bis 48 Stunden begehbar oder benutzbar, die Dusche solltest du erst nach dem Wochenende wieder in Betrieb nehmen.
Was kostet es, Fugen zu erneuern?
Die Materialkosten sind gering. Den Unterschied macht die Arbeitszeit, denn das Auskratzen ist mühsam. Hier die realistischen Preise:
| Posten | Menge / Einheit | Preis ca. |
|---|---|---|
| Zementärer Fugenmörtel | 5 kg (ca. 5 – 15 m² Wand) | 8 – 20 € |
| Flexfugenmörtel für Boden / Fußbodenheizung | 5 kg | 12 – 25 € |
| Epoxidharz-Fugenmörtel | 2 – 3 kg | 35 – 70 € |
| Sanitärsilikon | 1 Kartusche | 6 – 12 € |
| Fugenkratzer Hartmetall | Stück | 5 – 15 € |
| Multitool mit Fugenblatt | Gerät | 60 – 180 € |
| Fugbrett, Fugenschwamm, Eimer | Set | 15 – 30 € |
| Fugenimprägnierung | 250 – 500 ml | 10 – 25 € |
| Material gesamt, kleines Bad (ca. 15 m²) | komplett | 40 – 100 € |
| Fachbetrieb Fugen erneuern | pro m² | 30 – 60 € |
| Fachbetrieb, kleines Bad komplett | inkl. Silikon | 500 – 1.200 € |
Zum Vergleich: Neue Fliesen kosten inklusive Verlegung schnell 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter. Einen Überblick über die Gesamtkosten gibt unser Ratgeber zu den Kosten einer Badrenovierung. Fugen erneuern ist also die deutlich günstigere Variante, vorausgesetzt, die Fliesen selbst sind in Ordnung.
Werkzeug zum Auskratzen: Was wirklich funktioniert
| Werkzeug | Tempo | Risiko für Fliesen | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Fugenkratzer von Hand | langsam | gering | Kleine Flächen, Reparaturen |
| Multitool mit Hartmetall-Segmentblatt | mittel | mittel | Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Fugenfräse / Winkelschleifer mit Fugenscheibe | schnell | hoch | Nur mit Erfahrung, viel Staub |
Für die meisten Heimwerker ist das Multitool die beste Wahl. Es arbeitet oszillierend, rutscht kaum ab und lässt sich gut führen. Beim Winkelschleifer reicht ein Moment der Unaufmerksamkeit, und die Scheibe springt in die Fliese. Wenn du doch eine Fliese beschädigst, lässt sie sich einzeln austauschen. Wie das geht, erklärt unser Ratgeber zum Fliesen entfernen, und passende Ersatzstücke bekommst du, wenn du die Fliesen schneidest.
Welcher Fugenmörtel ist der richtige?
- Zementärer Standard-Fugenmörtel: Für Wandfliesen in trockenen Bereichen, günstig und einfach zu verarbeiten.
- Flexfugenmörtel: Für Böden, Fußbodenheizung, Balkone und Untergründe, die sich bewegen. Er ist elastischer und reißt weniger.
- Epoxidharz-Fugenmörtel: Für Duschen, Küchenarbeitsflächen und stark beanspruchte Bereiche. Wasserdicht, säurefest und schmutzabweisend, aber teurer und schwieriger zu verarbeiten, weil er schnell anzieht.
Die Fugenfarbe solltest du an einer Probefläche testen. Frischer Mörtel sieht deutlich dunkler aus als der ausgehärtete. Helle Grau- und Beigetöne sind im Alltag dankbarer als reines Weiß, das jede Verschmutzung zeigt.
Zwei Irrtümer, die viele Fugen ruinieren
Irrtum 1: Neuer Mörtel einfach über die alte Fuge
Es klingt verlockend: Die alten Fugen nur etwas anrauen und eine dünne Schicht frischen Mörtel darüberstreichen. Das hält nicht. Eine Mörtelschicht von einem Millimeter hat keinen Halt, trocknet zu schnell aus und platzt nach wenigen Wochen ab, vor allem in der Dusche und am Boden. Ohne Auskratzen auf mindestens zwei Drittel der Fugentiefe sparst du dir die Arbeit lieber ganz und greifst zur Fugenfarbe.
Irrtum 2: Mörtel gehört auch in die Ecken
Wer beim Neuverfugen die Raumecken, den Übergang zur Badewanne oder den Wand-Boden-Anschluss mit Mörtel füllt, wird schnell Risse sehen. An diesen Stellen treffen Bauteile aufeinander, die sich unterschiedlich bewegen. Starrer Mörtel reißt dort zwangsläufig. Diese Anschlussfugen und die in großen Flächen nötigen Bewegungsfugen müssen elastisch mit Silikon ausgeführt werden. Mehr zu den Hintergründen liest du im Ratgeber zu Dehnungsfugen.
Bodenfugen erneuern: das ist anders
Am Boden sind die Fugen meist breiter und tiefer als an der Wand und werden durch Laufen, Wischen und Möbelrücken stark belastet. Kratze hier gründlicher aus, bei 8 bis 10 Millimeter dicken Fliesen etwa 6 Millimeter tief. Verwende grundsätzlich einen Flexfugenmörtel, bei Fußbodenheizung ist er Pflicht, weil sich der Estrich beim Aufheizen und Abkühlen bewegt. Schalte die Fußbodenheizung vor dem Verfugen aus und erst nach mehreren Tagen schrittweise wieder ein. Bei großen Bodenflächen in Küche oder Flur prüfst du außerdem, ob es Bewegungsfugen im Estrich gibt. Diese müssen sich im Fliesenbelag an derselben Stelle als elastische Fuge fortsetzen, sonst entstehen Risse genau an dieser Linie. Stelle Möbel erst nach einigen Tagen zurück und wische in der ersten Woche nur nebelfeucht.
Fugen in der Dusche erneuern
Die Dusche ist der anspruchsvollste Bereich, weil die Fugen täglich nass werden. Hier lohnt sich Epoxidharzmörtel, auch wenn er teurer und anspruchsvoller zu verarbeiten ist. Er ist wasserdicht und nimmt kaum Schmutz auf. Achtung: Wenn die alten Fugen in der Dusche schon lange rissig waren, kann Wasser hinter die Fliesen gelaufen sein. Klopf die Fliesen ab. Klingen sie hohl oder zeigt sich die Wand dahinter feucht, reicht Neuverfugen nicht, dann muss die Abdichtung erneuert werden.
Häufige Fehler beim Verfugen
- Zu flach ausgekratzt: Der neue Mörtel platzt ab.
- Zu nass abgewaschen: Die Fugen werden hohl, porös und ungleichmäßig in der Farbe.
- Zu früh abgewaschen: Du ziehst den Mörtel wieder aus der Fuge.
- Zu spät abgewaschen: Der Mörtel ist auf den Fliesen angetrocknet und nur mühsam zu entfernen.
- Zu viel Wasser beim Anmischen: Der Mörtel wird weicher, schrumpft beim Trocknen und reißt.
- In praller Hitze oder bei Zugluft gearbeitet: Der Mörtel trocknet zu schnell aus und bekommt Haarrisse.
Nach dem Erneuern: Fugen schützen
Nach dem vollständigen Aushärten, meist nach einer Woche, lohnt sich eine Fugenimprägnierung. Sie macht zementäre Fugen wasser- und schmutzabweisend. Für die laufende Pflege gilt: Nutze milde, alkalische Reiniger statt Essig, denn Säure greift den Zement an. Welche Mittel wirklich helfen und welche Hausmittel schaden, erfährst du im Ratgeber zum Thema Fliesenfugen reinigen.
Fugenfarbe als Alternative?
Wenn die Fugen noch fest und intakt, aber verfärbt sind, reicht oft Fugenfarbe. Sie wird mit einem Pinsel oder Stift aufgetragen, der Überschuss nach dem Antrocknen von den Fliesen gewischt. Das kostet 6 bis 20 Euro und ist in einem Nachmittag erledigt. An der Wand hält das einige Jahre, in der Dusche und am Boden nutzt sich die Farbe dagegen schnell ab. Bei bröseligen oder rissigen Fugen ist Fugenfarbe keine Lösung.
FAQ: Häufige Fragen zum Fugen erneuern
Was kostet es, Fugen erneuern zu lassen?
Ein Fachbetrieb berechnet etwa 30 bis 60 Euro pro Quadratmeter. Für ein kleines Bad kommen inklusive Silikonfugen schnell 500 bis 1.200 Euro zusammen. In Eigenregie zahlst du nur 40 bis 100 Euro für Material und Werkzeug.
Wie tief muss ich die alten Fugen auskratzen?
Mindestens zwei Drittel der Fugentiefe, bei Wandfliesen also etwa 3 bis 5 Millimeter.
Wie lange dauert es, ein Bad neu zu verfugen?
Für ein kleines Bad solltest du ein Wochenende einplanen: einen Tag für das Auskratzen, einen halben Tag für das Verfugen und das Silikon am nächsten Tag.
Kann ich Fugen ohne Auskratzen erneuern?
Nein, eine dünne Schicht Mörtel über der alten Fuge hält nicht. Ohne Auskratzen bleibt nur Fugenfarbe als optische Auffrischung.
Wann darf ich nach dem Verfugen duschen?
Nach frühestens 24 bis 48 Stunden, besser nach dem Aushärten der Silikonfugen. Beachte die Angaben auf dem Mörtelsack.