Richtfest: Ablauf, Kosten und wer eingeladen wird

Wann das Richtfest gefeiert wird, wer zahlt, was es kostet und wie du es auf einer Baustelle praktisch organisierst — mit Ablaufplan und Kostentabelle.

Last updated on Sep. 16, 2026

Veröffentlicht am Sep. 16, 2026

Das Richtfest ist der einzige Termin beim Hausbau, an dem gefeiert wird, bevor irgendetwas fertig ist. Genau das macht seinen Reiz aus: Das Haus ist zum ersten Mal in voller Größe zu sehen, aber noch offen, roh und begehbar — ein Zustand, den es nie wieder geben wird.

Hier liest du, woher der Brauch kommt, wer eingeladen wird, wer bezahlt, was es kostet und wie ein Richtfest praktisch abläuft, ohne dass es zur Belastung wird.

Woher der Brauch kommt

Das Richtfest geht auf die mittelalterlichen Zimmermannszünfte zurück und wird gefeiert, sobald der Dachstuhl aufgerichtet, also gerichtet ist — daher der Name. Der Richtkranz oder Richtbaum, der dabei am First befestigt wird, hatte ursprünglich eine Schutzfunktion: Er sollte böse Geister abwehren und dem Haus Glück bringen.

Praktisch war das Fest immer auch ein Dank an die Handwerker. Der Rohbau ist die körperlich härteste und gefährlichste Phase des Hausbaus, und dass alle gesund bis zum First gekommen sind, war nie selbstverständlich. Dieser Kern hat sich gehalten: Das Richtfest ist in erster Linie ein Fest für die Bauleute, nicht für die Bauherren.

Der zweite feste Bestandteil ist der Richtspruch. Ihn hält traditionell der Zimmerer vom Dachstuhl aus. Er endet damit, dass ein Glas geleert und anschließend zerschmettert wird — zerspringt es, bedeutet das Glück für das Haus. Bleibt es ganz, gilt das als schlechtes Omen, weshalb erfahrene Zimmerer gern etwas nachhelfen.

Wann das Richtfest stattfindet

Der klassische Zeitpunkt ist der Tag, an dem der Dachstuhl steht — also nach dem Aufrichten, aber vor dem Eindecken. Manche feiern erst, wenn das Dach gedeckt ist; das ist praktischer, weil es dann ein Dach über dem Kopf gibt, aber weniger originalgetreu.

Üblich ist der späte Nachmittag, damit die Handwerker direkt vom Arbeitstag dazukommen können. Freitag hat sich eingebürgert. Der Termin steht oft erst wenige Tage vorher fest, weil das Aufrichten wetterabhängig ist — plan also nichts, was lange Vorlauf braucht.

Zeitlich liegt das Richtfest damit ziemlich genau in der Mitte des Bauprojekts. Vor ihm liegen Bodengutachten, Bodenplatte und der gesamte Rohbau, danach folgen Eindeckung, Fenster, Haustechnik und Innenausbau.

Wer eingeladen wird — und wer zuerst

Die Reihenfolge ist hier tatsächlich wichtig, weil sie zeigt, worum es geht.

Zuerst die Handwerker. Zimmerer, Maurer, Polier, Bauleiter, Kranführer — alle, die am Rohbau beteiligt waren. Das sind die eigentlichen Gäste. Frag beim Bauleiter nach, wie viele Leute kommen; oft sind es mehr, als man denkt.

Dann das Planungsteam. Architekt, Statiker, gegebenenfalls der Energieberater.

Dann Familie und Freunde. In dem Umfang, den die Baustelle verträgt.

Und die Nachbarn. Das ist kein Pflichtprogramm, aber eine kluge Investition. Deine künftigen Nachbarn ertragen seit Monaten Lärm, Dreck und zugeparkte Straßen, und das geht noch eine Weile so weiter. Eine Einladung zum Richtfest entschärft mehr Konflikte als jedes spätere Gespräch über den Gartenzaun.

Wer zahlt das Richtfest?

In aller Regel der Bauherr. Das ist keine gesetzliche Pflicht, sondern Brauch — aber ein sehr fest verankerter. In manchen Bauverträgen ist ein Zuschuss des Bauunternehmens vereinbart, häufig übernimmt der Betrieb den Richtkranz und den Richtspruch, während Essen und Getränke bei dir liegen.

Schau in deinen Bauvertrag, bevor du planst. Steht dort nichts, gilt: Du zahlst. Es gibt allerdings keine Verpflichtung zu einem bestimmten Aufwand, und niemand erwartet Catering. Bier, Brezeln, deftige Suppe und ein warmer Platz sind genau das, was sich Handwerker wünschen.

Was ein Richtfest kostet

Die Spanne hängt fast vollständig an der Gästezahl und daran, ob du selbst kochst oder liefern lässt. Die folgenden Werte gehen von 25 bis 35 Personen aus.

PositionEinfachAufwendiger
Essen (Suppe, Gulasch, Brot, Grill)150 - 300 Euro400 - 800 Euro
Getränke inklusive Bier100 - 200 Euro250 - 450 Euro
Richtkranz40 - 80 Euro100 - 150 Euro
Bierzeltgarnituren, Leihgebühr0 - 60 Euro80 - 150 Euro
Pavillon oder Zelt bei Regen0 - 80 Euro150 - 400 Euro
Geschenk an die Zimmerleute50 - 150 Euro200 - 400 Euro
Gesamt350 - 900 Euro1.200 - 2.300 Euro

Die meisten Richtfeste landen zwischen 500 und 1.200 Euro. Das ist im Verhältnis zu den Gesamtbaukosten ein sehr kleiner Posten — der aber in vielen Budgets schlicht vergessen wird, weil er in keiner Baubeschreibung auftaucht.

Es geht nicht um Brauchtum, es geht um die nächsten Monate

Man kann das Richtfest weglassen. Es ist nirgends vorgeschrieben, und niemand wird dich verklagen. Trotzdem ist es der Termin mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung im ganzen Bauprojekt — und zwar aus einem nüchternen Grund.

Nach dem Richtfest folgen sechs bis zwölf Monate, in denen ständig kleine Entscheidungen auf der Baustelle getroffen werden: ob eine Leitung zwei Zentimeter weiter links liegt, ob jemand kurz nachschaut, warum eine Fuge komisch aussieht, ob man dich anruft, bevor etwas zugemacht wird. Nichts davon steht im Vertrag. All das hängt daran, ob die Leute dich als Menschen kennen oder als Nummer im Bauplan.

Umgekehrt gilt aber genauso: Aufwand hilft hier nicht weiter. Handwerker, die seit sechs Uhr auf dem Bau sind, wollen kein Fingerfood und keine Rede. Sie wollen etwas Warmes, ein Bier, einen Platz zum Sitzen und früh Feierabend. Ein teures Richtfest beeindruckt niemanden, ein herzliches schon. Wer hier viel Geld ausgibt, kauft sich nichts, was er nicht auch für 400 Euro bekommen hätte.

Praktische Vorbereitung

Eine Baustelle ist kein Veranstaltungsort. Diese Punkte solltest du vorher klären:

Versicherung. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Auf einer Baustelle gibt es offene Schächte, Stolperkanten und keine Geländer. Deine Bauherrenhaftpflicht muss laufen, und dein Bauunternehmen sollte über den Termin informiert sein. Kläre vorher, welche Bereiche abgesperrt werden.

Strom und Licht. Der Baustrom reicht meist für Musik und Beleuchtung. Im Herbst wird es früh dunkel — Bauscheinwerfer oder Lichterketten einplanen.

Sanitär. Das Baustellen-WC ist vorhanden, aber selten einladend. Bei größeren Feiern lohnt eine Mietkabine.

Wetter. Ohne Eindeckung bist du dem Regen ausgeliefert. Ein Pavillon oder ein Plan B in der Garage der Eltern kostet nichts und rettet den Abend.

Parken. Die Straße ist ohnehin voll. Weis die Gäste ein, bevor die Nachbarn zugeparkt werden, die du gerade erst eingeladen hast.

Zeitrahmen. Zwei bis drei Stunden reichen. Die Handwerker gehen meist nach der ersten Stunde, danach bleibt der private Teil.

Wie es nach dem Richtfest weitergeht

Direkt nach dem Fest wird eingedeckt, dann kommen Fenster und Türen — erst damit ist das Haus regendicht. Anschließend beginnt der Innenausbau: Haustechnik, Elektroinstallation, die luftdichte Ebene mit der Dampfsperre, danach Trockenbau und Estrich.

Ein Termin, der oft übersehen wird, folgt kurz darauf: der Blower Door Test. Er prüft die Luftdichtheit und muss stattfinden, solange die Dampfbremse noch zugänglich ist — also bevor der Trockenbau alles verkleidet. Wer ihn zu spät ansetzt, kann Leckagen nicht mehr reparieren. Am Ende der Bauzeit steht dann die Bauabnahme.

Der Richtkranz und der Richtspruch

Beides kommt traditionell von der Zimmerei, aber frag lieber nach, statt es vorauszusetzen. Manche Betriebe bringen einen fertig gebundenen Kranz mit, andere erwarten, dass du ihn besorgst.

Der Kranz besteht meist aus Tannengrün und bunten Bändern und wird am First befestigt. Er bleibt dort, bis er von selbst zerfällt — abnehmen gilt als unhöflich gegenüber den Handwerkern. Beim Richtbaum, der regional statt des Kranzes üblich ist, wird ein kleiner geschmückter Nadelbaum aufgestellt.

Der Richtspruch wird vom Zimmerer vorgetragen, häufig in Reimform und mit lokalem Einschlag. Als Bauherr musst du dabei nichts sagen. Ein kurzer Dank an die Handwerker im Anschluss ist üblich und darf zwei Sätze lang sein — mehr erwartet niemand, und länger hört auch niemand zu.

Regional gibt es deutliche Unterschiede. In Norddeutschland spricht man eher vom Richtfest, in Teilen Süddeutschlands und Österreichs von der Firstfeier oder der Gleichenfeier. Frag die Handwerker, was vor Ort üblich ist — sie beantworten das gern und es erspart dir Fehlgriffe.

Ein realistischer Ablaufplan

Damit du nicht am selben Tag zwischen Bierkästen und Richtspruch hin und her rennst, hier ein bewährter Zeitplan.

ZeitpunktWas zu tun ist
2 Wochen vorherBauleiter nach dem voraussichtlichen Termin und der Personenzahl fragen
1 Woche vorherRichtkranz klären, Getränke und Garnituren bestellen, Nachbarn informieren
3 Tage vorherTermin bestätigen lassen, Gäste einladen, Wetterprognose prüfen
Am VortagBaustelle aufräumen, Gefahrenstellen absperren, Beleuchtung testen
Am Tag, mittagsEssen vorbereiten oder abholen, Getränke kühlen
Ab 16 UhrAufbau, Richtspruch, Feier
Am FolgetagAbbau, Leihmaterial zurück, Baustelle wieder freigeben

Der häufigste Fehler ist, den Termin zu früh fest zuzusagen. Das Aufrichten hängt am Wetter und an der Kranverfügbarkeit, und beides verschiebt sich gern um Tage. Lade deshalb erst ein, wenn der Kran bestellt ist.

Häufige Fragen zum Richtfest

Wann feiert man Richtfest?
Sobald der Dachstuhl aufgerichtet ist, also nach dem Aufrichten und meist vor dem Eindecken. Üblich ist der späte Nachmittag an einem Werktag, damit die Handwerker direkt von der Arbeit dazukommen.

Wer zahlt das Richtfest?
Nach Brauch der Bauherr. Eine rechtliche Pflicht gibt es nicht. Manche Bauverträge sehen einen Zuschuss vor oder die Zimmerei übernimmt Richtkranz und Richtspruch — steht das nicht drin, trägst du die Kosten.

Was kostet ein Richtfest?
Die meisten Feiern liegen zwischen 500 und 1.200 Euro bei 25 bis 35 Gästen. Einfach und selbst gekocht geht ab etwa 350 Euro, mit Zelt und Catering werden es schnell 2.000 Euro und mehr.

Wen lädt man zum Richtfest ein?
An erster Stelle alle am Rohbau beteiligten Handwerker, dazu Bauleiter und Architekt. Danach Familie, Freunde und die künftigen Nachbarn. Die Handwerker sind die eigentlichen Gäste des Fests.

Was schenkt man den Handwerkern?
Üblich ist ein Umschlag mit Trinkgeld für die Zimmerleute, meist 50 bis 150 Euro für die Kolonne, den der Polier verteilt. Alternativ ein Kasten Bier je Gewerk. Beides ist völlig ausreichend.

Was zieht man zum Richtfest an?
Feste Schuhe und Kleidung, die schmutzig werden darf. Es ist eine Baustelle mit Schotter, Mörtelresten und offenen Kanten — elegante Schuhe sind dort eine schlechte Idee.

Kann man auf das Richtfest verzichten?
Ja, verpflichtend ist es nicht. Üblich ist dann, den Handwerkern stattdessen eine Brotzeit oder ein Trinkgeld zukommen zu lassen. Ganz ohne Geste wirkt es auf der Baustelle allerdings schnell knauserig — und du bist noch Monate auf gute Zusammenarbeit angewiesen.

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