Sicherungskasten: Aufbau, Beschriftung und Kosten

Was im Verteiler steckt, was B16 bedeutet, wie du bei ausgeloester Sicherung vorgehst, den Kasten richtig beschriftest und was eine Erneuerung kostet.

Last updated on Sep. 18, 2026

Veröffentlicht am Sep. 18, 2026

Der Sicherungskasten ist der Ort, an dem du im Störungsfall als Erstes nachschaust – und meistens der Ort, an dem niemand weiß, welcher Schalter wofür zuständig ist. Das ist keine Kleinigkeit: Ein unbeschrifteter Verteiler kostet bei jeder Reparatur Zeit und ist im Notfall ein echtes Risiko. Dieser Beitrag erklärt, was in einem Verteiler steckt, was du selbst tun darfst und was eine Erneuerung kostet.

Die Bauteile im Verteiler

Von links nach rechts folgt ein Verteiler einer Logik: von der Einspeisung zu den einzelnen Stromkreisen. Wer die Reihenfolge kennt, versteht auf einen Blick, wo ein Fehler sitzen kann.

BauteilAufgabeSchütztPreis ca.
Hauptschaltertrennt die gesamte Anlage20–60 €
Überspannungsschutz (SPD)leitet Spannungsspitzen abGeräte, Elektronik80–250 €
FI-Schutzschalter (RCD)erkennt Fehlerströme gegen ErdePersonen45–450 €
Leitungsschutzschalter (LS)schaltet bei Überlast und KurzschlussLeitungen, Brandgefahr5–15 €
FI-LS kombiniert (RCBO)beides in einem GerätPersonen und Leitung60–150 €
Brandschutzschalter (AFDD)erkennt Lichtbögenvor Kabelbränden150–300 €
Klingeltrafo, Zeitschaltuhr, RelaisZusatzfunktionen20–120 €

Die beiden Bauteile, die am häufigsten verwechselt werden, sind FI und Leitungsschutzschalter. Der Leitungsschutzschalter hat eine Zahl mit Buchstaben aufgedruckt, meist B16 oder C16, und ist typischerweise 18 Millimeter breit. Der FI-Schutzschalter ist breiter, hat eine Prüftaste und trägt eine Angabe in Milliampere, üblicherweise 30 mA. Der eine schützt das Kabel, der andere dich.

Die Buchstaben auf dem Automaten: B, C oder D

Auf jedem Leitungsschutzschalter steht eine Kombination wie B16. Die Zahl ist der Nennstrom in Ampere, der Buchstabe die Auslösecharakteristik – also wie schnell der Automat bei einem Vielfachen des Nennstroms abschaltet.

B löst beim Drei- bis Fünffachen aus und ist der Standard für Wohnungen: Steckdosen, Licht, normale Verbraucher. C löst erst beim Fünf- bis Zehnfachen aus und wird dort eingesetzt, wo Geräte beim Einschalten kurz sehr viel Strom ziehen – Motoren, große Netzteile, manche LED-Installationen mit vielen Vorschaltgeräten. D ist für Maschinen mit sehr hohem Anlaufstrom und im Wohnbereich praktisch nie richtig.

Ein häufiger Irrtum: Wenn ein Automat regelmäßig auslöst, hilft kein größerer. Die Größe des Automaten richtet sich nach dem Leitungsquerschnitt, nicht nach dem Bedarf. Eine Leitung mit 1,5 Quadratmillimetern verträgt 16 Ampere, eine mit 2,5 Quadratmillimetern 20 bis 25 Ampere. Wer einen 16er gegen einen 20er tauscht, ohne die Leitung zu prüfen, hebelt genau den Schutz aus, für den das Bauteil da ist – die Leitung überhitzt dann, bevor der Automat reagiert. Das ist eine der häufigsten Ursachen für Kabelbrände in älteren Häusern.

Der ehrliche Punkt: ein alter Verteiler ist selten akut gefährlich – und trotzdem das Problem

Viele Hausbesitzer werden bei einer Besichtigung verunsichert, wenn der Elektriker den alten Kasten mit Schraubsicherungen sieht. Hier lohnt eine nüchterne Einordnung.

Ein Verteiler mit klassischen Schmelzsicherungen, den sogenannten Diazed-Sicherungen mit Porzellankopf, ist technisch nicht schlechter im Leitungsschutz als ein moderner Automat. Eine Schmelzsicherung schützt das Kabel zuverlässig. Bestandsschutz gilt: Solange die Anlage unverändert und mängelfrei ist, musst du nicht modernisieren.

Das eigentliche Problem ist ein anderes und wird oft nicht benannt. Alte Verteiler haben in der Regel keinen FI-Schutzschalter, und sehr oft fehlt in der ganzen Anlage ein separater Schutzleiter – die klassische Nullung. Damit fehlt der Personenschutz vollständig, und ein FI lässt sich nicht einfach nachrüsten, weil er ohne getrennten Schutzleiter nicht funktioniert. Die Modernisierung ist also selten nur ein Kastentausch, sondern zieht meist eine Neuverdrahtung nach sich.

Zweiter ehrlicher Punkt: Der häufigste Anlass für eine Erneuerung ist nicht Sicherheit, sondern Platzmangel. Wallbox, Wärmepumpe, Photovoltaik und moderne Zählertechnik brauchen Raum und eigene Stromkreise, und in einem Kasten aus den Sechzigern ist keiner. Wer neu baut oder saniert, sollte deshalb bewusst Reserveplätze einplanen – drei bis fünf freie Teilungseinheiten kosten fast nichts und ersparen später den kompletten Tausch.

Sicherung rausgeflogen: so gehst du vor

Ein ausgelöster Automat ist kein Defekt, sondern eine Meldung. Bevor du ihn wieder hochschaltest, lohnt eine Minute Nachdenken – sonst löst er sofort wieder aus oder du übersiehst einen echten Fehler.

  1. Feststellen, was ausgelöst hat. Ein Leitungsschutzschalter deutet auf Überlast oder Kurzschluss im betroffenen Kreis. Ein FI deutet auf einen Fehlerstrom gegen Erde, meist durch Feuchtigkeit oder ein defektes Gerät.
  2. Ursache eingrenzen. Was lief gerade? Wurde ein Gerät eingeschaltet? Bei Überlast ist es meistens die Kombination aus Wasserkocher, Mikrowelle und Toaster an einem Küchenkreis.
  3. Verbraucher trennen. Stecker ziehen, dann den Automaten wieder einschalten.
  4. Geräte einzeln zuschalten und beobachten, bei welchem es erneut auslöst. Das ist der Verursacher.
  5. Fällt der Automat sofort wieder, obwohl nichts angeschlossen ist, liegt ein Fehler in der festen Installation. Dann ist die Fachkraft dran, nicht ein weiterer Einschaltversuch.

Wichtig bei Schmelzsicherungen: Eine durchgebrannte Sicherung wird ersetzt, nicht überbrückt und niemals durch eine mit höherem Nennstrom. Der farbige Punkt auf der Kappe zeigt den Wert – rosa für 10 Ampere, grau für 16, blau für 20, gelb für 25. Der Passeinsatz im Sockel verhindert, dass eine zu große Sicherung eingesetzt werden kann; wer ihn entfernt, umgeht eine Sicherheitsfunktion.

Bei wiederholtem Auslösen des FI hilft die Fehlersuche im Beitrag zum FI-Schutzschalter. Häufig sind es nicht defekte Geräte, sondern die Summe der Ableitströme vieler moderner Netzteile an einem gemeinsamen FI.

Den Verteiler beschriften – die beste Stunde, die du investierst

Das ist die einzige Arbeit am Verteiler, die du ohne Einschränkung selbst machen darfst und solltest, weil sie keinen Eingriff in die Anlage bedeutet. Du brauchst eine zweite Person, ein Handy und eine halbe Stunde.

Schalte einen Automaten aus und geht gemeinsam durch das Haus: Welche Steckdosen sind tot, welche Lampen bleiben dunkel? Ein einfacher Steckdosenprüfer oder ein Nachtlicht in jeder Dose beschleunigt das erheblich. Notiere für jeden Automaten die Räume und besonderen Verbraucher, dann übertrage die Liste sauber in den Kasten – nicht mit Bleistift auf einen Zettel, sondern beschriftet und dauerhaft.

Sinnvoll ist eine Ergänzung, die fast niemand macht: Notiere zusätzlich, welcher Kreis hinter welchem FI liegt. Wenn später ein FI fällt und das halbe Haus dunkel ist, weißt du sofort, welche Automaten dazugehören. Ein Foto des beschrifteten Kastens auf dem Handy hat sich ebenfalls bewährt – im Dunkeln mit der Taschenlampe ist eine kleine Schrift schwer zu lesen.

Was du selbst darfst

Die Grenze ist hier klarer als bei vielen anderen Elektroarbeiten, weil der Verteiler direkt an der Einspeisung hängt.

Erlaubt: Automaten und FI wieder einschalten, den FI mit der Prüftaste testen, Schmelzsicherungen gleichen Werts ersetzen, den Kasten beschriften, den Zählerstand ablesen und die Abdeckung des Sicherungsfelds öffnen, sofern dabei keine spannungsführenden Teile freiliegen.

Nicht erlaubt: Bauteile tauschen oder ergänzen, Klemmen lösen, die Abdeckung des Zähler- oder Vorzählerbereichs öffnen, Leitungen auflegen. Der Bereich vor dem Zähler ist plombiert und gehört dem Netzbetreiber – wer die Plombe beschädigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Der Grund ist nicht nur rechtlich. Im Verteiler liegt vor dem Hauptschalter dauerhaft Spannung an, die sich nicht abschalten lässt. Ein versehentlicher Kontakt dort ist eine andere Größenordnung als an einer Steckdose. Arbeiten am Verteiler darf deshalb nur eine bei einem Netzbetreiber eingetragene Elektrofachkraft ausführen, und die muss die Anlage anschließend messtechnisch prüfen und dokumentieren. Die Einordnung in den Gesamtzusammenhang gibt der Beitrag zur Elektroinstallation im Haus.

Was ein neuer Sicherungskasten kostet

LeistungPreis ca.Anmerkung
Einzelnen Automaten tauschen60–130 €Material plus Anfahrt
FI nachrüsten, Platz vorhanden130–270 €setzt Schutzleiter voraus
Verteiler erweitern (Unterverteilung)400–900 €bei vorhandener Reserve
Zählerschrank komplett erneuern1.500–3.600 €inkl. Anmeldung beim Netzbetreiber
Überspannungsschutz nachrüsten250–600 €nur mit passendem Schrankaufbau
Altbau: Umverdrahtung auf Schutzleitersystemab 3.000 €oft der eigentliche Kostentreiber
Elektro-Check / Anlagenprüfung150–400 €mit Protokoll, vor dem Kauf sinnvoll

Der Punkt, der Angebote am stärksten auseinandertreibt, ist die Frage nach dem Schutzleiter. Ein reiner Schranktausch bei intakter Verdrahtung bleibt vierstellig im unteren Bereich. Muss die gesamte Wohnung neu verdrahtet werden, landest du schnell beim Mehrfachen – die Größenordnung dafür steht im Beitrag zu den Kosten einer Elektrosanierung. Lass dir deshalb immer getrennt ausweisen, was auf den Schrank und was auf die Leitungen entfällt.

Praktischer Tipp: Wenn ohnehin Wände offen sind, etwa bei Trockenbauarbeiten oder einer Kernsanierung, ist der Aufpreis für zusätzliche Stromkreise vom Verteiler aus gering. Nachträglich ist derselbe Kreis ein Vielfaches teurer, weil gestemmt und verputzt werden muss – dasselbe Prinzip gilt bei der Unterputzdose.

Häufige Fragen zum Sicherungskasten

Was kostet ein neuer Sicherungskasten?
Ein kompletter Zählerschrank kostet inklusive Montage und Anmeldung 1.500 bis 3.600 Euro. Eine reine Erweiterung der Unterverteilung liegt bei 400 bis 900 Euro, ein einzelner Automat bei 60 bis 130 Euro. Der große Kostentreiber ist eine nötige Umverdrahtung im Altbau ab etwa 3.000 Euro.

Was bedeutet B16 auf dem Automaten?
B ist die Auslösecharakteristik, 16 der Nennstrom in Ampere. B löst beim Drei- bis Fünffachen des Nennstroms aus und ist der Standard für Wohnräume. C reagiert träger und ist für Verbraucher mit hohem Einschaltstrom gedacht.

Darf ich einen 16-Ampere-Automaten gegen einen 20er tauschen?
Nein, nicht ohne Prüfung der Leitung. Die Größe richtet sich nach dem Leitungsquerschnitt: 1,5 Quadratmillimeter vertragen 16 Ampere, 2,5 Quadratmillimeter 20 bis 25. Ein zu großer Automat lässt die Leitung überhitzen, bevor er abschaltet – eine der häufigsten Brandursachen in Altanlagen.

Muss ich einen alten Sicherungskasten erneuern lassen?
Nicht zwingend. Für unveränderte, mängelfreie Bestandsanlagen gilt Bestandsschutz. Sobald du erweiterst oder die Verteilung anfasst, muss der betroffene Teil dem heutigen Stand entsprechen. Das eigentliche Argument für eine Modernisierung ist meist der fehlende Personenschutz durch einen FI oder schlicht der Platzmangel für Wallbox und Wärmepumpe.

Wie beschrifte ich den Sicherungskasten richtig?
Zu zweit vorgehen: einen Automaten ausschalten und im Haus prüfen, welche Dosen und Leuchten tot sind. Ein Steckdosenprüfer oder Nachtlichter beschleunigen das. Notiere zusätzlich, welcher Automat hinter welchem FI liegt, und mach ein Foto des fertigen Plans fürs Handy.

Darf ich den Sicherungskasten selbst öffnen?
Die Abdeckung des Sicherungsfelds ja, um Automaten zu schalten oder Schmelzsicherungen gleichen Werts zu tauschen. Den plombierten Zähler- und Vorzählerbereich nicht – der gehört dem Netzbetreiber, und dort liegt Spannung an, die sich nicht abschalten lässt.

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