Einfamilienhaus Verbot

Das Einfamilienhaus Verbot von Hamburg. Seit März 2021 existiert in Hamburg-Nord ein Verbot, neue Einfamilienhäuser zu errichten. Stattdessen sollen die Flächen effektiver genutzt und mehr bezahlbare Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen.

Last updated on Jan. 8, 2022

Posted on Dez. 1, 2021

Seit März 2021 existiert in Hamburg-Nord ein Verbot, neue Einfamilienhäuser zu errichten. Stattdessen sollen die Flächen effektiver genutzt und mehr bezahlbare Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen.


Das Einfamilienhaus Verbot von Hamburg

Im Februar 2020 trat der Bezirksleiter Michael Werner-Boelz nach der Wahl durch die Bezirksversammlung Hamburg-Nord an. Der Politiker ist Mitglied bei den Grünen - und diese stellen die Frage, ob das Einfamilienhaus wirtschaftlich und in Punkto Flächenverbrauch tatsächlich das Maß aller Dinge ist und sprechen sich für ein Verbot aus. Seit also der grüne Bezirksleiter für Hamburg-Nord verantwortlich ist, wurde hier kein neues Einfamilienhaus mehr gebaut. Für ihn stellt diese Bauweise einfach Platzverschwendung dar - und so plädierte er dafür, dass in seinem Bezirk nur noch Mehrfamilienhäuser errichtet werden dürfen.


Was kostet ein Haus? Worauf beim Bau eines Einfamilienhauses achten?
Ein Haus zu bauen ist keine einfache Aufgabe, es müssen viele schwierige Entscheidungen getroffen werden. Jeder Bauherr muss bereits in der Entwurfsphase die Bauweise wählen, mit der er das Gebäude errichten will.

Die Immobilienwirtschaft begrüßte diese Entscheidung zunächst. Als es jedoch darum ging, diese Bauform nicht nur im flächenmäßig eng begrenzten Hamburger Norden, sondern deutschlandweit umzusetzen, flammte die Diskussion über Pro und Kontra der Art der Bebauung und das Verbot von Einfamilienhäusern wieder auf. Während sich Grüne vor allem für flächensparendes Bauen einsetzen, und damit das Einfamilienhaus verbieten wollen, gab es Kritik aus der CDU/CSU: Der Wirtschaftsrat der Konservativen sprach sich gegen eine derartige Vorschrift aus.


In Großstädten und Ballungsräumen sind Bauflächen knapp

Nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen Großstädten und Ballungsräumen sind freie Flächen knapp und teuer. Werden auf den wenigen vorhandenen und dafür geeigneten Flächen Mehrfamilienhäuser errichtet, lässt sich die Fläche einfach effektiver nutzen. Statt lediglich den Platz für ein einzelnes, oft frei stehendes Haus zu nutzen, könnten auf der gleichen Fläche Wohnungen für mehrere Personen entstehen. Auch Kölner Grüne sprechen sich dafür aus, Mehrfamilienhäuser mit mehreren Geschossen auf alten, brachliegenden Flächen zu errichten.

Schließlich herrscht gerade in Großstädten und Ballungsräumen rege Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Es gibt zu wenige Wohnungen für alle, daher könnten auch Supermärkte oder andere flache Gebäude mit mehrgeschossigen Wohnhäusern überbaut werden. Vorhandene Grünflächen könnten daher in den Städten erhalten bleiben und müssten nicht zur verdichteten Bebauung genutzt werden. Gleichzeitig empfehlen Grüne den Menschen, sich doch mit weniger Wohnraum zu begnügen.

Hauptsächlich Mehrfamilienhäuser sollen laut den Grünen zukünftig gebaut werden.
Hauptsächlich Mehrfamilienhäuser sollen laut den Grünen zukünftig gebaut werden.

Immobilien dienen zur Vorsorge im Alter

Die selbst genutzte Immobilie ist für viele Menschen eine Möglichkeit, für ihr Leben im Alter vorzusorgen. In den Großstädten und Ballungsräumen ist diese Form der Vorsorge jedoch nur noch schwer umzusetzen. Es gibt wenig Wohnraum - und dieser ist dazu für Normalverdiener inzwischen fast unbezahlbar geworden. Daher ist ein Einfamilienhaus zur Altersvorsorge in diesen Gegenden fast nicht mehr leistbar, es liegt außerhalb des möglichen Budgets. Werden jedoch Wohnungen in Mehrfamilienhäusern geschaffen, sind diese für Familien eher bezahlbar, gerade wenn es sich um Geschosswohnungsbau handelt.


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Dann könnte ein Verbot von Einfamilienhäusern in Ballungszentren und Großstädten sinnvoll sein, es gleicht den Nachteil dieser dort sehr teuren Siedlungsform aus und ermöglicht mehr Geschosswohnungsbau. Doch es gibt Gegenden in Deutschland, in denen ein Verbot von Einfamilienhäusern wenig sinnvoll erscheint. In den ländlichen Regionen und in den noch dörflich bebauten Stadtrandgebieten wären mehrgeschossige Wohnbauten, gerade dann, wenn sie hoch über der bisherigen Bebauung ragen, keine Alternative. Damit würden - wie in den siebziger Jahren - in den Randbereichen der Städte neue Siedlungen oder Bezirke errichtet.


Der Wunsch nach einem Einfamilienhaus ist groß

Doch das, was Grüne und andere Politiker möglicherweise als sinnvoll erachten, kümmert diejenigen, die für sich ein neues Zuhause wünschen, oft nur wenig. Werden Baugebiete ausgewiesen, kommen oft auf einen Bauplatz mehrere Interessenten. Die Kommunen vergeben Punkte, nach denen sie die in Frage kommenden künftigen Bauherren bewerten und schließlich auswählen. Die Sehnsucht der Deutschen, gerade der jungen Familien, nach einem eigenen Haus mit ein bisschen Grün drumherum ist groß.


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Das hat sich gerade in der Pandemie gezeigt: Sie wollen nicht in einer lauten und oft engen Stadtwohnung sein, in der den Kindern oft nur wenig Platz zum Spielen bleibt. Ist jedoch der nächste Spielplatz wegen Corona gesperrt und müssen die Eltern zudem ihre Arbeit im Homeoffice verrichten, sind Wohnungen in der Stadt einfach ungeeignet. Dabei müssen weder die Gärten noch die Häuser sehr groß ausfallen, ganz im Gegenteil. Nicht jeder hat Zeit und Lust, einen großen Garten entsprechend zu pflegen. Daher sind kleine Baugrundstücke begehrt und für viele Menschen durchaus bezahlbar. Mit einem Verbot der Einfamilienhäuser wären somit viele und gerade junge Familien betroffen.


Neubauten sind oft nachhaltiger als Sanierungen

Niemand möchte sich von der Politik vorschreiben lassen, welche Wohnform er bevorzugen soll, vorausgesetzt, er kann sich das Einfamilienhaus auch leisten. Daher spielt gerade die Perspektive der freien Entscheidung eine wesentliche Rolle. So sind bereits vorhandene und ältere Häuser für die meisten Menschen wesentlich weniger attraktiv als ein neu errichtetes Haus. Ein Neubau lässt sich zudem energetisch wesentlich effizienter bauen und schont damit die vorhandenen knappen Ressourcen.

Wird dagegen der Neubau eines Einfamilienhauses verboten, müssten diejenigen, die künftig in einem eigenen Haus leben wollen, ein bereits gebautes Haus nutzen. Doch die Kosten für eine Sanierung können - gerade dann, wenn sie nach den Kriterien der EnEV erfolgen soll oder muss - deutlich höher ausfallen, als die Kosten für ein neu gebautes modernes Haus. Daher sprechen sich nicht nur Architekten, sondern auch Stadtplaner dafür aus, dass Vorteil oder Nachteil eines Einfamilienhauses nicht nur von der effizienten Nutzung des vorhandenen Bodens, sondern auch von der Gegend abhängt, in der dieses errichtet werden soll.


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Sie wünschen sich eine sachliche Debatte über die künftige Art, zu bauen. Auch wenn es in manchen Gegenden sinnvoll erscheinen mag, statt neuer Siedlungen mit Einzel- oder Doppelhäusern lieber mehrgeschossige Wohnhäuser zu errichten, gilt das nicht für alle Gebiete gleichermaßen.


Die Diskussion nicht ideologisch führen

Es gab schon immer in einigen Kreisen die Sicht auf "spießige Bausparer", die sich auf dem flachen Land ihr längst nicht mehr modernes Leben gestalten wollen. Wer in Zeiten von Landflucht trotzdem in sein eigenes Haus investiert hat, galt daher als konservativ, ja sogar dumm. Je weniger Einwohner ein solcher Ort hat, desto weniger würde das neu errichtete Einfamilienhaus künftig sein. Statt dessen zogen immer mehr Menschen in die großen Städte - und hier stiegen nicht nur die Mieten, sondern der Wohnraum wurde immer knapper. Dieser Trend zeichnete sich bereits ab 2005 ab - und er ist bis heute ungebrochen. Mieten und Quadratmeterpreise steigen, selbst in kleineren Zentren.

Wer daher in dieser Zeit kein Einfamilienhaus gebaut hat, sondern lieber zur Miete wohnt, hat im Laufe der Zeit immer weniger Geld zur freien Verfügung: Oft frisst die zu zahlende Miete über ein Drittel des verfügbaren Budgets. In mehr als 350 Städten gilt der Wohnungsmarkt inzwischen als "angespannt", wer eine Wohnung sucht, findet lange keine und die Kommunen versuchen mit Mietpreisbremsen, der Wohnungsnot entgegen zu wirken. Ein Verbot nutzt hier gar nichts, hier spielt allein der verfügbare Platz und das dafür zur Verfügung stehende Geld eine Rolle.


Kleine Kommunen sind für Familien attraktive Wohngegenden

Kleine Kommunen befinden sich in der Regel im ländlichen Raum. Hier ist oft mehr Platz als in den überfüllten Großstädten und Ballungsgebieten. Ein Verbot der Einfamilienhäuser wäre hier durchaus kontraproduktiv. Hier setzen die Kommunen auf das sogenannte "Einheimischen-Modell", mit dem sie jungen Familien mit noch recht wenig Geld dabei helfen, sich ihren Traum vom Einfamilienhaus zu erfüllen. Grundstücke gibt es gegen eine bezahlbare Pacht, oder via Erbbaurecht oder zum Kauf zum Verkehrswert.

Andere Kommunen vergeben ihre Grundstücke nicht an den Investor, der das meiste Geld für den Quadratmeter bietet, sondern an den, der ein wirtschaftlich tragfähiges und gleichzeitig attraktives Konzept für das Gemeinwohl vorlegt. In den großen Städten versuchen die zuständigen Bauämter, entsprechende Vorgaben an die Investoren und Bauherren zu machen. Diese sollen beispielsweise ein Drittel der Wohnungen für preisgebundene Zwecke zur Verfügung stellen. Doch die restlichen zwei Drittel zahlen den Preis dafür.


Baukosten und Baunebenkosten
In den letzten Jahren ist die Zahl der Bauanträge für Einfamilienhäuser wieder deutlich gestiegen. Mit welchen Baukosten und Baunebenkosten Bauherrn im Jahr 2021 rechnen müssen, zeigt der folgende Ratgeber.

So wohnen schließlich in den neu gebauten Häusern ein Drittel Menschen, die auf Sozialhilfe, Wohngeld und andere Transferleistungen angewiesen sind, in den restlichen Wohnungen dafür überdurchschnittlich gut verdienende Menschen. Für die Normalverdiener, die Mittelschicht, bleibt dann kein bezahlbarer Wohnraum mehr übrig.


Fazit: Junge Familien und Mittelschicht zieht es aufs Land

Ob das Verbot von Einfamilienhäusern dazu geführt hat, dass die Mittelschicht und gerade junge Familien lieber aufs Land ziehen? Bisher sicher noch nicht. Aber Corona hat deutlich gezeigt: Wer sein Einfamilienhaus selbst bewohnt, hat mehr Platz und kann einen Lockdown deutlich besser aushalten. Wer dagegen das Einfamilienhaus verbieten möchte, sagt damit genau diesen Menschen deutlich, was er von ihnen hält. Bekommen dagegen junge Familien gute Angebote für Bauland, statt einem Verbot, dann entscheiden sie sich gerne für ihre eigenen vier Wände.

Sie ziehen aus den dicht besiedelten Städten wieder aufs Land, nutzen den Freiraum, den das Landleben für sie bereithält. Statt einem wenig attraktiven Verbot würde es eher helfen, kleine Baugrundstücke auszuweisen und dort ökologisch nachhaltige Häuser zu bauen. Raum für Familien dort zu schaffen, wo diese über genügend Freiraum auch dann verfügen, wenn es - pandemiebedingt - nur wenig Raum zur Bewegung gibt. Hier ist für alle Platz, auch für die, die gerne verbieten würden.

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